Titel: Ueber spectralanalytische Beobachtungen an Lösungen von Substanzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 8 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_8

Ueber spectralanalytische Beobachtungen an Lösungen von Substanzen.

Ueber diesen Gegenstand hielt Prof. Stokes in der Chemical Society am 2. Juni d. J. einen zweistündigen Vortrag, illustrirt durch eine Menge von Farbentafeln, welcher ein ganz neues und sehr fruchtbares Gebiet für die chemische Analyse eröffnet. Die Bunsen-Kirchhoff'sche Spectralanalyse erstreckt sich bekanntlich nur auf Körper, welche sich in der Hitze verflüchtigen und in der Flamme gasförmig erscheinen. Ebenso beziehen sich die Beobachtungen Plücker's und Anderer nur auf die Spectren von Gasen. Dadurch werden mithin alle Körper von der Spectralanalyse ausgeschlossen, welche gar nicht oder nicht ohne Zersetzung gasförmig erhalten werden können, vor Allem also der bei weitem größte Theil der organischen Körper. Einen Anfang zur Ausfüllung dieser Lücke, welche sich vor Allem dem über organische Chemie arbeitenden Chemiker sehr schmerzlich fühlbar macht, bieten die Beobachtungen von Stokes an Lösungen. Vor Allem hervorzuheben ist die ungemeine Leichtigkeit, mit welcher diese Beobachtungen anzustellen sind. Stokes wendet dazu nichts als ein mit einem engen (am besten verstellbaren) Spalte versehenes Blech an, welches an der einen Seite zwei rechtwinkelig zum Spalt stehende Gummibänder hat. Durch diese hindurch steckt man ein Reagensglas, mit der zu prüfenden Lösung gefüllt und betrachtet die letztere, so weit sie durch den Spalt sichtbar ist, durch ein ganz gewöhnliches, etwa zollgroßes Glasprisma mit Handgriff, wobei man durch Hinundherdrehen des Prismas das Spectrum beliebig näher oder weiter bringen und so dem Sehvermögen des Auges anpassen kann. Wenn die Lösung zu concentrirt ist, so pflegen einzelne Theile des Spectrums ganz dunkel zu seyn, z.B. bei einer Lösung von übermangansaurem Kali der gelbe und grüne; verdünnt man aber die Lösung, so zerlegt sich dieser dunkle Theil immer deutlicher in einzelne schwarze Streifen, welche schließlich eben so scharf abgegrenzt, in ihrer respectiven Stellung unveränderlich und charakteristisch erscheinen, wie die hellen Linien und Streifen im Flammenspectrum. Solcher Streifen treten z.B. beim Übermangansauren Kali fünf auf, und ein Blick durch den beschriebenen kleinen Apparat läßt somit in gar keinem Zweifel, ob man es mit jenem Körper zu thun hat oder nicht. Stokes hat nun bis jetzt schon eine größere Reihe von Körpern, meist organischen, untersucht und sehr interessante Resultate gefunden. So z.B. zeigen zwei nahe verwandte, im Krapp enthaltene Farbstoffe, Purpurin und Purpurein, drei deutliche Streifen derselben Art, aber im Purpurein gegen das rothe Ende des Spectrums hin verschoben, so daß, wenn man beide Spectren übereinander stellt, zwei Streifen genau übereinander fallen, der dritte aber beim Purpurin rechts, beim Purpurein links davon steht. Beiläufig läßt sich, nach Stokes, das rothe Ende des Spectrums besser bei Lampenlicht, das blaue besser bei Tageslicht beobachten. In ähnlicher Weise besprach er dann noch die Prismen der Lösungen von Alizarin, Chlorophyll, schwefelsaurem Chinin, Aesculin und einigen anderen Körpern, bei welchen noch sehr interessante, charakteristische und leicht zu beobachtende Fluorescenz-Erscheinungen hinzukommen; leider läßt sich alles das ohne Zeichnungen nicht gut verdeutlichen, und sind Stokes' eigene Veröffentlichungen darüber abzuwarten. Es sey nur noch bemerkt, daß, nach Stokes, die von den Chemikern einer besonderen Eigenschaft des Dichroismus zugeschriebene Erscheinung bei vielen Lösungen, im durchfallenden Lichte eine andere Farbe als im auffallenden zu zeigen, in den meisten Fällen auf Fluorescenz zurückzuführen ist. Dr. Lunge. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 13.)

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