Titel: Die Wissenschaft auf dem Theater.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 9 (S. 155–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_9

Die Wissenschaft auf dem Theater.

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II. Blitz und Regenbogen.

Der unermüdliche Optiker Duboscq, dessen wir schon in einem früheren Artikel43) erwähnt, hat auch auf die Nachahmung des Blitzes und des Regenbogens seine Aufmerksamkeit gerichtet. Den Donner kann man bekanntlich mit Hülfe eines chinesischen Gongs und einer elastischen Blechtafel ziemlich täuschend nachahmen. Was dagegen den Blitz, der doch zum Donner gehört, anbelangt, so gehört schon viel Phantasie dazu, um ihn aus dem brennenden Colophonium oder Lykopodium heraus zu erkennen. Etwas natürlicher erscheint er schon, wenn man im hinteren Vorhang eine zickzackförmige Spalte anbringt, hinter der man für einen Augenblick ein Rothfeuer aufleuchten läßt.

Duboscq hat nunmehr einen Apparat hergestellt, mittelst dessen man das plötzliche Aufleuchten und Erlöschen des Blitzes vortrefflich nachahmen kann. Ein entferntes Wetterleuchten, bei dem die Spur des Blitzes am Himmel nicht verlangt wird, läßt sich ganz täuschend nachbilden, und ist auch zu hoffen, daß es durch einige Zugaben zum Apparate möglich seyn wird, das Zickzack des Blitzes genauer als bisher nachzubilden. Der Apparat von Duboscq wurde zuerst in Paris in einem Feenstücke „Die Reisen der Wahrheit“ angewendet. Es kommt darin ein magischer Spiegel vor, aus dem plötzlich ein blendendes Licht hervorstrahlt, ohne daß man die Ursache davon bemerkt. Die Einrichtung ist eine ungemein einfache.

Vor einem mäßigen Hohlspiegel, der in einer passenden Fassung gleich einem gewöhnlichen Handspiegel angebracht ist, befinden sich in ihren Fassungen zwei zugespitzte Kohlenstängelchen, die mittelst Drähten mit den Polen einer starken galvanischen Batterie in Verbindung stehen. Der Halter des unteren Kohlenstängelchens (ein dünner Eisenstab) ist in der Art beweglich, daß er doppelt knieförmig umgebogen, durch die Fassung des Spiegels durchgeht und hinter demselben in eine dort befestigte elektromagnetische Spirale hineinragt, welche in den galvanischen Strom, der zu den Kohlen führt, eingeschaltet ist. Bekanntlich entwickelt sich der galvanische Lichtbogen nur, wenn die Kohlenspitzen in einer gewissen kleinen Entfernung von einander sich befinden. Diese Entfernung wird durch den Apparat selbst hergestellt. An der Fassung des Spiegels ist eine Tastervorrichtung wie bei den Telegraphenapparaten befindlich, welche die Person, die den Spiegel hält, durch einen Druck mit dem Finger leicht regieren kann.

Die Poldrähte einer starken galvanischen Batterie von 40–80 Bunsen'schen Elementen sind der eine mit dem Träger des feststehenden Kohlenstängelchens, der andere mit dem isolirten Contactstücke des Tasters fest verbunden. Von dem durch eine Feder in einer genügenden Entfernung gehaltenen Schlüssel des Tasters geht ein Draht erst nach der elektromagnetischen Spirale und von dort nach dem Träger des anderen Kohlenstängelchens. Sobald durch Niederdrücken des Tasters der Strom geschlossen, tritt die genannte Spirale in Wirksamkeit; sie zieht das ihrer Oeffnung gegenüberstehende Eisenstäbchen in sich hinein, die untere Kohle wird dadurch etwas weniges herabgezogen, und von der obern entfernt, und es bildet sich dadurch sofort der brillante elektrische Lichtbogen, um im Momente wieder zu erlöschen, sobald der Finger den schließenden Taster verläßt.

Bei schwacher Beleuchtung sind die Zuleitungsdrähte, die Kohlenstängelchen etc. kaum sichtbar; beim Ueberspringen des Lichtbogens verschwinden sie vor dem Glanze des vom Hohlspiegel zurückgeworfenen Lichtes vollständig. Wird der Apparat hinter der Bühne aufgestellt und gegen den oberen Theil des Hintergrundes gerichtet (wobei man nebenbei einen etwas anders geformten, das Licht mehr zerstreuenden Spiegel anwenden kann), so wird dadurch das Wetterleuchten vortrefflich nachgeahmt. Um den eigentlichen Blitz zur Darstellung zu bringen, kann man das Licht hinter einer sich drehenden Blechscheibe aufstellen, worin Schlitze derartig angeordnet sind, daß sie beim Drehen der Scheibe den Eindruck des Zickzacks hervorbringen. Besser möchte es vielleicht noch seyn, mehrere solche Apparate auf festen Ständern und zwar in verschiedenen |157| Höhen so anzubringen, daß die sie verbindenden Linien eben ein lang gezogenes Zickzack bilden. Die einzelnen Apparate müßten drehbar und so gerichtet seyn, daß das erzeugte Lichtbündel bei der Drehung genau bis zum nächstfolgenden Apparate reichte. Man kann dann einen Commutator, eine drehbare Scheibe mit nicht leitendem Rande, herstellen, deren leitende Achse constant mit dem einen Pole der Batterie in Verbindung steht; von der Achse geht ein einziger schmaler Metallstreifen nach der Peripherie. Die oberen Kohlen sämmtlicher magischer Spiegel stehen mit dem anderen Batteriepole in beständiger leitender Verbindung, während die von den unteren Kohlen, von einander isolirt, in eine Anzahl Federn auslaufen, die auf dem isolirten Rande der Commutatorscheibe schleifen. Dreht man nun diese Scheibe rasch um ihre Achse, so geht der schmale leitende Streifen der Scheibe kurz nach einander unter den Polfedern der verschiedenen magischen Spiegel durch. Es wird daher zuerst der Strom des ersten magischen Spiegels geschlossen, das Licht flammt auf, erlischt wieder sofort, im nächsten Moment entflammt sich der zweite, dritte und vierte Apparat u.s.f. Mittelst Räderverbindung wäre es möglich, gleichzeitig mit der Drehung der Commutatorscheibe den magischen Spiegeln hinter einander eine Drehung um ihre Achse zu geben. Vielleicht wäre es noch besser, wenn man bloß die hinter dem galvanischen Lichtboden befindlichen Hohlspiegel die Umdrehung vollführen ließe.

In der berühmten Oper „Moses“ von Rossini kommt unter anderen scenischen Wundern auch ein Regenbogen vor, dessen naturgemäße Darstellung bisher den Theatermaschinisten als kaum lösbare Aufgabe erschien. Zuerst wurde auf dem Hintergrunde ein Regenbogen aus zusammengeklebten Streifen von verschiedenfarbigem Oelpapier hergestellt, der durch eine Reihe von Oellampen erleuchtet wurde. Später führte man zur Erleuchtung das elektrische Licht ein, das indessen auf eine zu große Ausdehnung beleuchtend wirken mußte, und trat daher der Regenbogen erst dann einigermaßen leuchtend hervor, wenn man die Scene entsprechend verfinsterte. Dieß ist aber ein meteorologischer Nonsens, indem in der Dämmerung nach verschwundener Sonne kein Regenbogen entstehen kann.

Duboscq hat nun folgenden sehr sinnreichen Apparat construirt, bei dem man die natürlichen Regenbogenfarben benutzt, die durch die Zerstreuung des Lichtes im Glasprisma entstehen. An einem vortretenden Versatzstück, und zwar an der hinteren Fläche desselben, ist in der Höhe von etwa 15 Fuß der Regenbogen-Apparat befestigt. Derselbe ist in einem inwendig schwarz angestrichenen Gehäuse eingeschlossen, so daß sich kein Licht zufällig nach außen verbreiten kann. Innerhalb dieses Raumes, im Brennpunkt eines Hohlspiegels, befinden sich die Kohlenspitzen, die später den elektrischen Lichtbogen zwischen sich überspringen lassen. Das so erzeugte parallele Strahlenbündel geht zuerst durch einen bogenförmigen Schlitz in einem Blechschirm, wodurch die Biegung des Regenbogenbildes vorbereitet wird, und fällt dann auf eine biconvexe (Vergrößerungs)Linse mit sehr kurzer Brennweite, wodurch die Krümmung des Bildes vermehrt und dem Bogen eine größere Ausdehnung gegeben wird. Endlich gehen die Lichtstrahlen durch ein horizontal liegendes dreiseitiges Prisma von sehr farblosem starkbrechenden Bleiglase. Der Querschnitt des Prismas ist nicht ein gleichseitiges, sondern nur ein gleichschenkeliges Dreieck und muß der spitzere Winkel desselben nach oben gerichtet seyn, damit der entstehende Regenbogen die Farben in der natürlichen Reihenfolge, das Roth oben, das Violett unten zeige. Durch Drehung des ganzen Apparats kann man den entstehenden Regenbogen entweder als vollen horizontalen Bogen oder mehr oder weniger geneigt darstellen. Selbst bei voller Beleuchtung der Scene erscheint der Bogen vollkommen hell und mit den schönsten natürlichen Farben. Dr. H. Schwarz. (Nach dem Cosmos, im Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 10.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXXI S. 233.

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