Titel: Die Bearbeitung der Diamanten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 1 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi03_1

Die Bearbeitung der Diamanten.

Hr. Dr. Grüneberg hielt im Cölner Bezirksverein deutscher Ingenieure am 6. Februar 1863 über diesen Gegenstand einen Vortrag, welchem wir Folgendes entnehmen: Der Vortragende erwähnte in Betreff des Ursprunges des Diamanten, daß derselbe meistens im Kieselschiefer (Kiesgeröllen) in Begleitung von Eisenstein, Quarz, versteinertem Holz etc. vorkäme, und zwar farblos und in verschiedenen Farben: blau roth, rosa, gelb, grün und schwarz, daß der farblose häufig, dagegen der grüne am seltensten sey. Vielfach würde der Diamant in Brasilien und Ostindien bei Golkonda und Visapur gefunden, ebenso auf Borneo und im Ural. Die Ausbeute in Brasilien betrüge per Jahr 25,000 bis 30,000 Karat, ein Gewicht von circa 12 Pfd., von welchem man aber nur 8000 bis 9000 Karat oder circa 4 bis 5 Pfd. geschliffenen Diamant erhalte. Die Kunst, Diamanten zu schleifen, sey im Jahre 1476 durch Louis de Berguen erfunden.

In der Amsterdamer Schleiferei von Gebr. Coster würden jährlich circa 30,000 Karat Diamanten geschliffen; dieselben würden zuerst mittelst natürlich krystallisirter Diamanten, welche in Oktaedern und Dodekaedern vorkommen, der Flächenrichtung des Krystalles nach auf hölzernen Unterlagen, auf welche dieselben mittelst Schellack befestigt würden, gespalten und zwar in sogenannte Rosetten und Brillanten. Die ersteren seyen auf einer Seite flach, auf der anderen zu Facetten geschnitten, die letzteren auf beiden Seiten mit Facetten versehen. Zum Schleifen sey die Befestigung mit Schellack nicht hinreichend, da die hierbei entstehende Wärme den Schellack weich mache, und man bediene sich hierzu einer Metalllegirung aus Zinn und Blei, die in |235| kleine Futter mit Stielen eingegossen wird, in welche man dann vor dem Erkalten die Diamanten eindrückt und ringsherum feststemmt. Das Schleifen erfolge sodann auf Stahlscheiben von 10 Zoll Durchmesser, welche 3000 Umdrehungen per Minute machen, mittelst eines kleinen Quantums Diamantstaub, mit Oel vermengt. Zur Handhabung des Diamanten bediene man sich einer Zange, in welcher man das Futter zuvor mit seinem Stiele festklemmt, und die man einerseits auf ihren zwei Füßen aufruhen läßt, während sie andererseits, mit noch etwas Gewicht beschwert, das Fulter auf die rotirende Stahlscheibe drückt. Da man das Futter nach allen möglichen Richtungen in die Zange einklemmen könne, so sey es klar, daß man auch den Steinen Flächen nach beliebigen Richtungen hin anschleifen könne. Bei diesem Schleifen sey eine zeitweise Abkühlung der Futtermasse immerhin noch nothwendig, da die hierbei entstehende Wärme einen ziemlich hohen Grad erreicht; ebenso sey dabei zu beobachten, daß etwaige trübe Stellen rein abgeschliffen würden.

Zum Schleifen eines Brillanten mit gewöhnlich 64 Flächen sey ein halber Tag Arbeitszeit erforderlich, und derselbe kostet circa sechs Gulden zu bearbeiten. Die Amsterdamer Schleiferei arbeite mit einem jährlichen Umsatz von 20 bis 25 Millionen Gulden, beschäftige 400 Mann, meistens Israeliten, die eine Maschine von 36 Pferdekräften beanspruchen. Die Schleifstühle seyen ordnungsmäßig in allen Etagen des Etablissements aufgestellt und würden durch aufrechte Wellen betrieben, auf Verlangen auch gegen einen Preis von 8 Gulden per Stuhl und per Tag vermiethet.

Als die größten und schönsten der im Etablissement geschliffenen Diamanten bezeichnete der Vortragende den Kohi-Nur und den Stern des Südens, beide in London ausgestellt gewesen, und machte gleichzeitig die Mittheilung, daß er in der Amsterdamer Schleiferei einen grünen Diamanten von der Größe eines Taubeneies gesehen habe, der aber seiner allzugroßen Härte wegen nicht geschliffen werden konnte. (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. VII S. 479.)

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