Titel: Walker's Verbesserung in der Handhabung schwerer Geschütze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 2 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi03_2

Walker's Verbesserung in der Handhabung schwerer Geschütze.

Der sicherste Platz in einem Schiffe während eines Gefechtes ist immer der unter der Wasserlinie. Walker schlägt daher vor, das Laden der Geschütze in dem unteren Schiffsraume vorzunehmen, und die Geschütze im Moment des Abfeuerns erst in die Batterieräume emporzuheben. Zugleich wird dadurch der Vortheil erreicht, daß, außer in kurzen Momenten des Gefechts, die schwere Geschützlast im unteren Raume des Schiffes ruht, seinen Ballast verstärkt und den Schwerpunkt nach unten verlegt, was bei den in der Höhe schon durch den Panzer sehr belasteten Schiffen von großer Wichtigkeit ist, falls sie schlechtes Wetter und hohe See zu bestehen haben. Zu diesem Ende legt Walker je zwei Geschütze neben einander. Dieselben sind mit ihren Laffeten und Zubehör jede auf der Plattform eines hinreichend langen Preßkolbens, einer Art hydraulischen Presse, aufgestellt. Beide hierzu gehörige Cylinder sind unten durch ein weites Rohr verbunden. Auf letzterem steht senkrecht ein engeres Rohr, mit einem eingeschaltenen Hahn absperrbar, das in einen zwischen den Kanonen liegenden Kasten führt, der dicht verschlossen ist. Für gewöhnlich nehmen die Preßkolben ihren tiefsten Stand ein; alle Flüssigkeit ist in dem mittleren Kasten enthalten. Wird das Schiff zum Gefecht bereit gemacht, so setzt die vorhandene Dampfmaschine die Preßpumpen in Bewegung, welche die Flüssigkeit nach Absperrung des oben erwähnten Hahnes durch ein zweites angesetztes Rohr unter die Preßkolben drücken und so beide Geschütze auf halbe Höhe heben. Jetzt wird der Wasserraum vollständig abgeschlossen, und der ganze Apparat fungirt alsdann fast in der Art einer gleichschenkeligen Waage, etwa einer Tafelwaage, deren Waagebalken die Preßcylinder mit dem verbindenden Rohre herstellen.

Wären die Geschütze, Plattform und Kolben gleich schwer, und fiele auch die (jedenfalls sehr bedeutende) Reibung hinweg, so genügte vielleicht die Kraft eines Kindes, um das eine Geschütz bis in die Gefechtsbatterie zu heben, das andere bis in die ursprüngliche Stellung hinabzudrücken, indem dabei die Wassersäule aus dem einen in den anderen Cylinder übergeht. Die Reibung und das ungleichmäßige Gewicht des geladenen und des abgeschossenen Geschützes verlangt etwas größere Kraft, die indessen |236| leicht durch Flaschenzüge etc. zu erzielen ist. Während das eine Geschütz abgefeuert wird, wozu nur 1 Mann gehört, wird das andere in voller Sicherheit geladen, um dann seinerseits emporgehoben zu werden. Auch der Rückstoß kann durch hydraulischen Druck vermindert, das Vorschieben durch denselben leicht bewirkt werden. Die Analogie mit den hydraulischen Krahnen leuchtet ein, neu ist nur die gegenseitige Ausgleichung des Gewichtes durch die Anwendung zweier Kolben und Geschütze. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 14.)

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