Titel: Conservation von Eisen für Brücken etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 3 (S. 236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi03_3

Conservation von Eisen für Brücken etc.

Die große eiserne Balkenbrücke über den Menaicanal in England ist neuerdings, nachdem sie etwa 10–12 Jahre gestanden, von Rost gereinigt worden. Es wurden dabei etwa 40 Tonnen, d.h. 800 Ctr. Eisenrost beseitigt, obwohl alle möglichen Vorsichtsmaßregeln, Anstriche etc. angewendet worden waren, um das Rosten zu verhüten. Der Umstand, daß hier der Staub vom Meerwasser mit dem Eisen in Berührung kommt, mag das rasche Rosten einigermaßen erklären. Die Festigkeit der Brücke ist bis jetzt natürlich noch nicht beeinträchtigt, doch kann es nicht fehlen, daß, wenn die Oxydation so fortschreitet, in 20, 30, 40 Jahren die Brücke durch den bloßen Rost ihre Sicherheit verliert. Im Hinblick hierauf hat man bei der neuen eisernen Brücke zu Blakfriars (London) es für nöthig gefunden, jedes Stück Eisen einem besonderen Vorbereitungs- und Härtungsproceß zu unterziehen. Das fertig zugerichtete Eisen wird durch Abbeizen vollständig gereinigt, und dann in einem besonderen Ofen in einer Muffel stark erhitzt. Man bringt es dann dunkelrothglühend in ein geschmolzenes Gemisch von gelbem Blutlaugensalz und Chlorkalium. Letzteres Salz ist zugesetzt, um an Blutlaugensalz zu sparen und das Gemisch leichtflüssiger zu machen. Das Blutlaugensalz geht beim Schmelzen in Cyankalium über und dieses wirkt wie bekannt auf glühendes Eisen oberflächlich verstählend. Das Salzgemisch ist in einer starken gußeisernen Pfanne enthalten und wird von unten erhitzt. Das eingetauchte Eisen wird nach kurzem Verweilen wieder herausgezogen; das flüssige Salzgemisch läuft davon wie Oel ab. Man taucht das Eisen in kochendes Wasser, das das anhaftende Cyankalium auflöst, dann in reines Wasser und läßt endlich an der Luft trocknen. Ehe man dann das Eisen der Atmosphäre aussetzt, wird es zweimal nach einander mit Asphaltfirniß überzogen. Nach der Befestigung an Ort und Stelle wird dieser Anstrich auch noch zweimal wiederholt. Kleinere Eisentheile bleiben 1 Minute, die größeren Theile dagegen bis 5 Minuten in dem Bade von geschmolzenen Salzen. Obwohl die Methode sehr umständlich und kostspielig ist, indem der Unternehmer für jede Tonne (20 Centner) so präparirtes Eisen 4 Pfd. St., d.h. 26 2/3 Thlr., also für jeden Centner 1 Thlr. 10 Sgr. erhält, so scheint sie doch in der That geeignet, den vorgesetzten Zweck nach Möglichkeit zu erreichen. Der Patentinhaber erhält als seinen Antheil über 1000 Pfd. Sterl., während die ganzen Kosten circa 16,000 Pfd. St. betragen. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 14.)

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