Titel: Anwendung des Magnesiumdrahtes zur Beleuchtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 7 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi03_7

Anwendung des Magnesiumdrahtes zur Beleuchtung.

Die Darstellung des Magnesiums, des Metalles, welches in Verbindung mit Sauerstoff die bekannte Magnesia bildet, wird jetzt in England von Sonstadt zu Salford in größerer Ausdehnung betrieben. Wir haben in diesem Journal (Bd. CLXIX S. 442 und Bd. CLXX S. 115) seine Darstellungsmethode mitgetheilt. Professor Roscoe legte neuerdings in der Londoner Royal Institution ein Stück Magnesium von 2 1/2 Pfd. Gewicht vor, bei dessen Darstellung er selbst zugegen gewesen, und das binnen einer halben Stunde hergestellt worden war. Der Preis des Magnesiums ist schon ziemlich gesunken. Feinen Draht erhält man, indem man das Magnesium in einen hohlen Stahlcylinder bringt, dessen Boden eine feine Durchbohrung besitzt. Indem man einen genau schließenden Stempel aufsetzt, den Stahlcylinder mäßig erhitzt und dann eine sehr kräftige hydraulische Presse auf den gedachten Stempel wirken läßt, wird das Magnesium als feiner Draht zu der erwähnten Oeffnung herausgetrieben. 1 engl. Fuß dieses feinen Drahtes kostet jetzt in der Fabrik 3 Pence oder 2 1/2 Sgr. Man bedient sich desselben zur künstlichen Beleuchtung behufs des Photographirens bei Nacht oder an Plätzen, wie Katakomben, unterirdische Gewölbe etc., wohin kein Tageslicht dringt. Zu diesem Ende ist der Draht auf einer Spule aufgewickelt, die |238| durch ein Uhrwerk langsam umgedreht wird. Das Ende des Drahts ist durch ein Drahtnetz geführt und wird durch die Bewegung der Spule langsam vorgeschoben. Unterhalb desselben ist ein Gaslöthrohr angebracht, wodurch sich der Magnesiumdraht entzündet und nun ein glänzend weißes mildes Licht ausstrahlt, das dem Mondlichte sehr ähnelt.

Vor allen anderen Lichtquellen zeichnet sich das Magnesiumlicht dadurch aus, daß es ungemein viel chemisch wirksame, actinische Strahlen enthält. So liefert die Sonne, wenn sie nicht durch Nebel oder Wolken verhüllt ist, nur 34mal mehr chemisch wirksame Strahlen als ein Magnesiumlicht, das scheinbar dieselben Dimensionen als die Sonne hat. Die Lichtstärke der Sonne ist dabei dem Magnesiumlicht unendlich überlegen.

Solch dünner Magnesiumdraht verbrennt sehr rasch und ist daher, trotz des erniedrigten Preises die Beleuchtung durch Magnesium immer noch kostspielig. Wenn man auch mit etwa 5 Loth Magnesium so viel Licht erzielt als mit 20 Pfund Stearinkerzen, so kosten diese 5 Loth Magnesium immer noch bedeutend mehr, als die erwähnte Menge Stearin. Es ist indessen zu hoffen, daß die Fortschritte der Technik und die Concurrenz das Magnesium bald noch bedeutend billiger machen werden, da ja das Rohmaterial in unendlicher Menge vorhanden ist. Man muß sich erinnern, daß das Pfund Aluminium, das 1854 noch mit 55 Pfd. Sterl., also 367 Thlrn. bezahlt wurde, im Jahre 1858 nur noch 5 Pfd. St., also 33 1/3 Thlr. kostete, jetzt aber von Gebr. Bell in Newcastle mit 3 Pfd. St. oder 20 Thlrn. verkauft wird.

Aus dem geringen spec. Gewicht 1,74 des Magnesiums und seiner großen Festigkeit und Zähigkeit hat eine kühne englische Phantasie sogar den Gedanken abgeleitet, künftig die gepanzerten Kriegsschiffe aus Magnesium zu bauen oder wenigstens mit Magnesiumplatten zu wappnen; das kann indessen noch einige Zeit dauern.

Dagegen liegt von einem sehr geachteten englischen Gelehrten, Mr. Phipson, eine kurze Notiz vor, worin er angibt, er habe bei der Einwirkung von Magnesium auf Kieselsäure, Borsäure und Kohlensäure nicht allein wie Wöhler und St. Claire Deville durch Aluminium, krystallisirten Kiesel und Bor, sondern auch krystallisirten Kohlenstoff in der Form von Diamant erhalten. Das Element Bor steht chemisch dem Kohlenstoff so nahe, und ist bei der Reduction durch Aluminium in Krystallen erhalten worden, die dem Kohlenstoff-Diamant so sehr ähneln (s. polytechn. Journal Bd. CLXXII S. 376), daß die Entdeckung von Phipson in der That nicht unmöglich ist. Wenn dagegen Hr. Dr. A. Rabe in Hamburg behauptet, er habe Diamanten aus Holzkohlen erhalten, indem er sie unter einem Druck von 12 Atmosphären mit Wasser behandelte, so gehört das wahrscheinlich zu den kühnen Phantasiespielen, durch welche sich dieser moderne chemische Wunderthäter auszeichnet. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 14.)

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