Titel: Georg Egestorff's Fabrication von Gewehr-Zündhütchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 2 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi04_2

Georg Egestorff's Fabrication von Gewehr-Zündhütchen.

Zu den vielen gelungenen und blühenden Fabriken, womit der thätige Herr Georg Egestorff die hannoverische Industrie bereits bereichert hat, gehört auch ein neues Etablissement, welches sich die Herstellung von Zündhütchen für das sogenannte kleine Gewehr (im Gegensatze zu den Kanonen und Mörsern) zur Aufgabe macht und dessen vorzügliche Producte sich bereits einen Absatzmarkt weit über die Grenzen Deutschlands, ja Europa's hinaus, verschafft haben, so daß Jäger in Indien und China, Amerika und Australien, die G. Egestorff'schen Zündhütchen gern verwenden.

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Bei dem Interesse der Sache überhaupt, dürfte es unter solchen Umständen nicht unwerth seyn, den Gang der Fabrication kennen zu lernen, wobei wir allerdings bedauern müssen, die zu den verschiedenen Arbeitsstufen erforderlichen höchst sinnreichen Werkzeuge und Instrumente nicht beschreiben und besprechen zu können, da wir befürchten müssen, mit einer derartigen Veröffentlichung der Fabrik Eintrag zu thun.

Die von einem Kupfer-Walzwerke bezogenen Platten von vorgeschriebener Länge, Dicke und Breite werden zunächst in mit Wasser sehr verdünnter Schwefelsäure gebeizt und mit Sägespänen rein und trocken geputzt. Dann wird die Platte vermittelst einer Walze ganz gerade gerichtet und nachdem mit Oel bestrichen. Hierauf schneidet man sie mittelst einer Zirkel-Schere in Streifen, deren Breite den speciellen Sorten Zündhütchen entspricht und welche zwischen 3/8'' und 3 1/2'' variiren. Diese Streifen werden zwischen gehärteten Gußstahlwalzen zu der für jede Sorte Hütchen genau passenden Dicke gewalzt.

Sowie die ganze Fabrication der Zündhütchen eine genaue Arbeit erfordert, ist besonders das Walzen und Schneiden der Streifen auf die größte Genauigkeit angewiesen. Es geht dieses schon daraus hervor, daß zum Messen dieser Streifen Instrumente gebraucht werden, die den Millimeter in 240 Theile getheilt genau ablesen lassen.

Nachdem die Streifen gewalzt sind; werden dieselben aufgerollt, in einem eigens dazu construirten Glühofen geglüht und dann wieder gleich der rohen Platte gebeizt und mit Sägespänen rein und trocken geputzt. Vermittelst eines Walzenpaares werden sie hierauf eingeölt; um das Oel ganz gleichmäßig auf den ganzen Streifen zu vertheilen und die durch Glühen, Putzen und sonstige Umstände entstandenen Unebenheiten auszugleichen, geht der Streifen noch durch eine Maschine, um jede Spur von Schmutz zu entfernen und ihn sauber zu glätten.

So vorgerichtet, wird der Streifen der Kapselmaschine übergeben, die in der Minute 400 Stück gewöhnliche Jagd-Zündhütchen liefert. Die dazu verwendeten Stempel erfordern eine sehr behutsame Behandlung, sind aus Gußstahl gearbeitet und in ihren Dimensionen von der größten Genauigkeit.

Um die Schärfe von der offenen Seite des Hütchens wegzunehmen, dient eine andere Maschine, welche auf ganz einfache Weise diesen Grath in sehr kurzer Zeit entfernt. Nachdem dieß geschehen, werden die Hütchen verlesen, d.h. etwa sich vorfindende schlechte Hütchen von den guten gesondert, dann in Wasser, dem etwas Weinstein zugesetzt ist, gekocht, um dieselben von allen fettigen Theilen zu säubern. Nachdem dieselben nun durch geeignete Vorrichtungen von Wasser befreit sind, werden sie in der Polirmaschine sauber polirt, um ihnen einen schönen Glanz zu geben.

Die Zündhütchen sind jetzt bis zum Laden fertig, d.h. es kann jetzt die Füllung derselben mit Zündmasse vorgenommen werden. Dieses erfordert nun wegen der leichten Entzündbarkeit der Zündmasse große Vorsicht und sind daher alle nur denkbaren Vorkehrungen getroffen, um Explosionen, die in ihren Wirkungen schrecklich sind, zu verhüten. Die sehr sinnreich construirte Lademaschine ist von dem Arbeitsraume des die Maschine bedienenden Arbeiters durch eine sehr starke schmiedeeiserne Brustwehr getrennt, so daß bei einer möglichen Explosion, die jedesmal die gänzliche Zerstörung der Maschine zur Folge hat, eine Verletzung des Arbeiters nicht zu befürchten ist.

Nachdem die Hütchen die entsprechende, genau abgemessene Quantität Zündmasse von der Maschine empfangen haben, werden sie in einem eigenthümlich construirten Walzwerke gepreßt, was den doppelten Zweck hat: die Zündmasse festzupressen und den Firmastempel aufzuprägen.

Die Hütchen, jetzt zum Gebrauch geeignet, werden nun in geeigneten Vorrichtungen genau nachgesehen, etwa schadhafte entfernt und vermittelst der Zählmaschine gezählt. In Dosen oder Schachteln, die eine bestimmte Zahl Zündhütchen fassen, verpackt und emballirt, sind dieselben zum Versandt im Handel fertig, nachdem 18 Manipulationen erforderlich waren, um von der rohen Kupferplatte dem Schützen und Jäger ein fertiges Zündhütchen zu liefern.

Die Darstellung und Zubereitung der Zündmasse erfordert sehr viel Aufmerksamkeit und Vorsicht, und es sind hierbei alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um sowohl den Arbeiter vor der Gefahr des Explodirens zu sichern, als auch gegen schädliche Einwirkungen auf den menschlichen Organismus zu schützen. (Monatsblatt des hannoverischen Gewerbevereins, 1864, Nr. 5 und 6.)

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