Titel: Ueber Nobel's Nitroglycerin-Pulver als Sprengmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 4 (S. 313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi04_4

Ueber Nobel's Nitroglycerin-Pulver als Sprengmittel.

Ueber das neue Nitroglycerin-Pulver, worüber im polytechn. Journal Bd. CLXXI S. 443 berichtet wurde, enthält das Stockholmer Aftonblad folgende Bemerkungen.

Ueber die zu Carlsborg mit Granaten angestellten Versuche wird bemerkt, daß 30pfündige Rundkugeln dreimal weiter geschleudert werden, als mit gewöhnlichem Kanonenpulver.

Später glückte es dem Erfinder, Hrn. Nobel, ein Mittel zu ersinnen, um das Nitroglycerin, ohne mit Pulver gemischt zu werden, zu entzünden. Die ganze Ladung besteht gegenwärtig aus dieser Flüssigkeit. Dem Gewichte nach soll sich die Kraft dieses neuen Sprengmittels zu der des gewöhnlichen Pulvers mindestens wie 6 zu 1 verhalten, dem Volum nach aber sogar wie 9 zu 1. Dieses so modificirte Sprengmittel wurde bei Sprengarbeiten in der Nähe von Stockholm mit dem günstigsten Erfolg versucht.

In ihrem jetzigen Zustande ist die Erfindung sehr einfach und praktisch. Das Pyro- oder Nitroglycerin wird direct in das mit Letten verdichtete Bohrloch gegossen, der Zünder wird eingesteckt und der Schuß ist fertig. Man braucht nicht den geringsten Besatz und geschieht das Laden sehr schnell.

Das Nitroglycerin entwickelt weder Gase noch Rauch, ist also sehr passend für Grubenbaue; es mischt sich nicht mit Wasser, sondern entwickelt unter Wasser eine außerordentliche Kraft. Eine Wassermine, bestehend aus diesem Pulver, soll mindestens dreimal weniger Sprengmasse erfordern, als von gewöhnlichem Pulver.

Der große Nutzen dieses neuen Sprengmittels besteht keineswegs in Pulverersparniß, wiewohl auch diese in gewisser Hinsicht stattfindet, sondern in Arbeitsersparniß. Die wahre Ursache, weßhalb man, um eine große Gesteinmasse loszusprengen, z.B. ein 3 Ellen tiefes und 2 Zoll weites Loch bohren muß, besteht darin, daß man Platz für eine hinreichende Pulverladung, z.B. für 3 Pfd. erhält, um die Masse loszubrechen. Aber bei Anwendung des Nitroglycerins kann man in ein Loch von kaum 1 Zoll Weite eine weit größere Kraft schaffen, als die, welche jenen 3 Pfd. Pulver entspricht. Um jenes Loch zu schlagen, wird gewöhnlich 6 1/3 Frcs. bezahlt, während dieses nur 2,11 Frcs. kostet. Somit werden 2/3 erspart.

Nitroglycerin kostet nur das Doppelte des gewöhnlichen Bergpulvers.

Die Ansprüche des Erfinders sollen sehr bescheiden seyn. Die Bereitung des Nitroglycerins ist leicht zu lernen. Gegenwärtig hält der Erfinder selbst das Sprengmittel zur Abnahme für die Interessenten bereit. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1864, Nr. 32.)

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