Titel: Vorschlag zur Speisung von Dampfkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 1 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi05_1

Vorschlag zur Speisung von Dampfkesseln.

Bei den allgemein angewendeten Hochdruckkesseln ist die Speisung mit Wasser nur durch Speisepumpen, die leicht aus der Ordnung kommen, oder durch den Giffard'schen Injector zu bewirken, der nur bei verhältnißmäßig kaltem Speisewasser gut fungirt, leicht durch Kesselstein verstopft wird und bei Locomotiven besonders während der Fahrt oft seine Dienste versagt. Bei den alten Dampfkesseln mit Niederdruck wandte man früher etwas hoch gelegene Wasserbassins an, aus welchen das Wasser einfach durch Drehen eines Hahnes im Verbindungsrohre in den Kessel abfloß. Häufig war sogar die Vorkehrung getroffen, daß dieser Hahn oder ein Ventil sich von selbst öffnete, sobald der Schwimmer im Dampfkessel einen zu niedrigen Wasserstand anzeigte, sich aber sofort wieder schloß, sobald die richtige Höhe des Wassers im Kessel wieder erreicht war. Bei Kesseln neuerer Art, die mindestens mit 45 Pfund Dampfdruck per Quadratzoll arbeiten, müßte dieß Bassin ungebührlich hoch (mindestens 96 Fuß höher als der Kessel) angelegt werden, um durch den Wasserdruck den Dampfdruck zu überwinden.

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Mein Vorschlag geht nun dahin, diesen hohen Wasserdruck statt durch eine hohe Aufstellung des Speisewasser-Bassins durch einen belasteten Kolben zu ersetzen, wie er schon in Wasserwerken im Gebrauche ist. Denke man sich ein hinreichend geräumiges, cylinderförmiges Bassin, in dem sich dichtschließend ein Kolben bewegt, der mit Gewichten so beschwert wird, daß die Wassersäule, auf der er ruht, den Druck erhält, der zum Speisen des Kessels nöthig ist. Ein Theil des Drucks könnte, falls es nöthig, durch Wasser, das man in den hohlen Kolben hineinpumpte, ersetzt werden. Dieses Wasser würde beim Aufziehen des Kolbens durch ein nach unten sich öffnendes Ventil von selbst in den gedachten Wasserbehälter hineinlaufen. Die Maschine hat natürlich mittelst ihrer Speisepumpe das Bassin von unten mit Wasser zu füllen, und den Kolben auf die nöthige Höhe zu heben. Man spart also dadurch keine Arbeit, hat aber den Vortheil, daß man jederzeit durch einfache Drehung eines Hahnes dem Kessel Wasser zuführen kann, daß man die Speisepumpe nur zeitweilig und zwar zu Zeiten, wo die Maschinenkraft sonst nicht gebraucht wird, also früh vor Beginn der Arbeit, Mittags u.s.w. in Thätigkeit zu setzen braucht, daß man endlich jederzeit durch das Steigen des Belastungskolbens controliren kann, ob die Speisepumpe richtig fungirt, daß man endlich die Thätigkeit des Kessels nicht zu unterbrechen braucht, wenn die Speisepumpe kurzdauernden Reparaturen unterworfen ist.

Bei den Tendern von Locomotiven könnte man die Belastung des Kolbens durch das Zuggewicht selbst ersetzen. Es würde dann in dem cylinderförmigen Tender sich ein Kolben befinden, an dessen Kolbenstange man den Zug anhängte. Diese Kolbenstange müßte natürlich durch eine Stopfbüchse am hinteren Ende des Tenders durchgeführt werden, oder einen Kreuzkopf und seitliche Zugstangen tragen, die sich hinter dem Tender wieder vereinigten. Die nöthige Elasticität des wirkenden Zuges könnte man sehr einfach dadurch erreichen, daß man an dem Tender-Cylinder einen geräumigen Windkessel anbrächte, welcher als vortreffliche Luftfeder wirken würde. Beim Anhalten an einer Wasserstation hakt man den Zug ab, und füllt dann den Tender von einem erhöht stehenden Reservoir durch eine dicht anschließende Röhre, um den vorhandenen Wasserdruck zum Zurückschieben des Kolbens in seine anfängliche Stellung zu benutzen. Bei der Construction mit Kreuzkopf wäre dieß nicht einmal nöthig. Man bremst den Tender, hängt den Zughaken der Locomotive, statt an das Tendergestell an den Kreuzkopf der Kolbenstange an, und zieht dann den Kolben in die ursprüngliche Lage zurück. Man kann dann den Tender durch ein angesetztes mit Ventilen versehenes Rohr aus einem tiefer gelegenen Bassin wie eine Saugpumpe füllen. Dr. H. Schwarz. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 15.)

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