Titel: Einiges über die Untersuchung der grünen Tapeten auf Arsenikverbindungen; von Dr. Wiederhold in Cassel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 6 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi05_6

Einiges über die Untersuchung der grünen Tapeten auf Arsenikverbindungen; von Dr. Wiederhold in Cassel.

Die mit grünen Arsenikfarben bedruckten Tapeten haben mit Recht schon seit geraumer Zeit die Aufmerksamkeit der Aerzte erregt, obwohl die Kenntniß von der Schädlichkeit solcher Tapeten erst in den letzten Jahren in weitere Kreise gedrungen ist. Es kann nicht bezweifelt werden, daß das Bewohnen von Räumen, welche mit arsenikhaltigen Tapeten ausgekleidet sind, oder in welchen man mit Schweinfurter Grün oder ähnlichen Farben bemalte Rouleaux101) verwendet, unter Umständen die Gesundheit in größerem oder geringerem Grade gefährdet. Die Art der Wirkung hat man in verschiedener Weise zu erklären gesucht. Es kann jetzt wohl als ausgemacht gelten, daß |397| die Arsenikfarben der Tapeten und Rouleau in der Form von Staub, welcher sich beim Einathmen auf die Schleimhäute des Mundes und der Athmungsorgane ablagert, ihre giftigen Wirkungen auf den menschlichen Körper ausüben. Bei dieser Annahme erklärt sich auch sehr einfach die Thatsache, daß man von manchen Tapeten selbst bei jahrelangem Bewohnen der Zimmer nicht die geringste schädliche Einwirkung wahrgenommen hat, während andere Tapeten schon nach kürzerer Zeit ihre gesundheitsschädliche Wirkung zu äußern begannen, je nachdem die Bedingungen für die Staubbildung mehr oder weniger günstig waren.102) Als die vorzüglichste Ursache des Stäubens muß der Zerfall oder die Zerstörung des Bindemittels angesehen werden, mit welchem die Farben auf die Tapeten befestigt wurden.

Bei der Untersuchung grüner Tapeten und Rouleaux, deren ich namentlich auf die Veranlassung unseres berühmten Arztes, Dr. Stilling, eine ziemliche Anzahl vorgenommen habe, kann man folgendes einfache Verfahren einschlagen.

Ein mäßig großes Stück Tapete wird in kleine Schnitzel geschnitten, in einem Probirglas mit erwärmter Salzsäure behandelt und die Lösung filtrirt. Von dieser Lösung bringt man 1–3 Tropfen in ein als Apparat von Marsh dienendes Reagensglas. Ist die Farbe eine reine Arsenikfarbe, Schweinfurter- oder Scheel'sches Grün, so erhält man augenblicklich große und zahlreiche Arsenspiegel. Verdünnt man die salzsaure Lösung mit Wasser und versetzt sie mit einigen Tropfen einer Auflösung von gelbem Blutlaugensalz in Wasser, so erhält man in diesem Falle sofort den charakteristischen rothen Niederschlag von Cyaneisenkupfer. Diese beiden Reactionen sind hinreichend, um die Gegenwart einer giftigen Arsenikverbindung darzuthun, dagegen beweist ihr Nichteintreten nicht die gänzliche Abwesenheit einer arsenikhaltigen Farbe. Wenn nämlich die grüne Farbe der Tapete nur eine Arsenikfarbe beigemischt enthält, namentlich das sogenannte Neuwieder Grün (ein Gemisch von arsenigsaurem Kupferoxyd mit Kalkblau), welches vielfach zum Nüanciren grüner Farben gebraucht wird, so erhält man wegen des starken Aufschäumens der Masse im Marsh'schen Apparat keine Arsenspiegel und durch Blutlaugensalzlösung keinen rothen Niederschlag. Falls man also bei dem erst beschriebenen Verfahren kein positives Resultat erhalten hat, so muß man entweder das für die gerichtlichen Untersuchungen auf Arsenik übliche Verfahren einschlagen, oder man trägt ein größeres Stück Tapete nach und nach in kleinen Partien in schmelzenden Salpeter ein. Nach geschehener Verpuffung versetzt man den Salpeterkuchen so lange mit concentrirter Schwefelsäure, bis sich keine rothen Dämpfe von Untersalpetersäure mehr entwickeln,103) löst darauf die Masse in wenig warmem Wasser und bringt diese Lösung in den Marsh'schen Apparat. Bei Verwendung einer giftigen Arsenikfarbe wird man alsdann deutliche Arsenspiegel erhalten. (Neue Gewerbeblätter für Kurhessen, 1864, Nr. 21.)

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Die grünen Rouleaux scheinen ganz besonders gefährlich zu seyn. Ich erinnere mich eines Falles, wo eine Trödlerfrau in einer Auction zu ihrem eigenen Gebrauch ein altes grünes Rouleau gekauft hatte und durch das bloße Befestigen desselben an ihrem Fenster, wobei ihr ein kleines Mädchen behülflich war, nebst dem Kinde unmittelbar nachher erheblich erkrankte W.

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Man sehe Fabian's Abhandlung „über chronische Arsenvergiftungen in Folge der Bewohnung von Localen die mit arsenhaltigen Farben ausgekleidet sind“ im polytechn. Journal Bd. CLVII S. 212.

A. d. Red.

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Die Zersetzung muß vollständig seyn, weil sich beim Zurückbleiben von Salpetersäure später im Marsh'schen Apparat statt Arsenikwasserstoffgas das feste braunrothe Wasserstoffarsen bildet. Ueber das letztere siehe meine Untersuchungen in Poggendorff's Annalen, Bd. CXVIII S. 615. W.

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