Titel: Ueber mögliche Arsenverflüchtigung bei der Buttersäuregährung organischer Gemenge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 7 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi05_7

Ueber mögliche Arsenverflüchtigung bei der Buttersäuregährung organischer Gemenge.

Mischt man eine 30 procentige Rohrzuckerlösung behufs der Einleitung der Buttersäuregährung mit verrottetem Casëin (zerriebenem Quarkkäse), das man früher mit arsenigsaurem Kalke gut abgerieben hat, so tritt nach 48–50 Stunden bei circa 30° C. Temperatur eine reichliche Arsenwasserstoff-Entwickelung auf, die längere Zeit anhält und ebenso bei jener Buttersäuregährung sich einstellt, die in Milchsäure-Lösungen beim Eintragen von sogenannten Saitlingen verläuft, wenn |398| arsenige Säure eingeschaltet wird. Dieser in forensischer Beziehung berücksichtigungswerthe Proceß spielt sich nach folgendem Schema ab:

3 (C¹²H¹¹O¹¹ + aq.) + 2 (AsCaO⁴) = C³⁶H³⁶O⁴⁴Ca²As²
Rohrzucker arsenigsaurer
Kalk
= 2 (C⁸H⁷CaO⁴),
12 CO²,
8 aq.
2 AsH³
buttersaurer Kalk Kohlensäure Wasser Arsenwasserstoffgas.

Somit ist der Arsenik, wenn er auch die Fäulniß als solche beschränkt und verhindert, doch erfahrungsgemäß nicht im Stande die reducirende Buttersäuregährung hintanzuhalten, zu welcher anderseits die Bedingungen in organischen Gemengen selten fehlen, wodurch eine stete Quelle möglicher Arsenverflüchtigungen oder Arsenverluste verbürgt ist.

Zur gänzlichen Verflüchtigung des Giftes scheint es aber nie zu kommen, da die mehrmals mit neuen Zucker- und Käsemengen vergohrenen Rückstände sich dennoch stets erheblich arsenhaltig erwiesen. V. Kletzinsky, k. k. Landesgerichts-Chemiker in Wien. (Jahresbericht des chemischen Laboratoriums der Wiedner Oberrealschule, 1864.)

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