Titel: Giffard's Dampfstrahlpumpe und deren Verbesserung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 1 (S. 477)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi06_1

Giffard's Dampfstrahlpumpe und deren Verbesserung.

Erfunden wurde dieser merkwürdige Apparat vor 6 oder 7 Jahren durch den Luftschiffer Giffard zu Paris, indem derselbe nach einem einfachen Apparat experimentirte, mit dem das Gas in seine Ballons gebracht werden könne. Es mag demselben hierbei der englische Dampfstrahl-Ventilator vorgeschwebt haben, mit welchem man schon seit einer Reihe von Jahren in England die Bewegung von Gasen oder Wettern in Bergwerken ausgeführt hatte. Man ließ nämlich einen Strahl von Dampf aus einem feinen Rohr in einer etwas größeren Oeffnung irgend einer Wandung ausströmen und es riß dieser die umgebenden Luftarten mit gutem Erfolge durch diese Oeffnung. Ganz ähnlich wirkt die Dampfstrahlpumpe auf flüssige Körper und zwar ist der Hergang in der von dem Ingenieur H. Koch zu Düsseldorf verbesserten Pumpe folgender:

Das zu hebende Wasser communicirt mit einem kleinen Raum, in welchen ein zugespitztes Dampfrohr mündet und welcher vor diesem Rohr in eine kegelförmige Oeffnung ausläuft; vor letzterer Oeffnung liegt wieder ein kleiner Hohlraum, der mehrere seitliche Oeffnungen hat, so daß die freie Luft in ihm spielt und in welchem sich die gleichfalls kegelförmige Oeffnung des Wassersteigerohrs vorlegt. Indem man nun den Dampf durch das Dampfrohr in den ersten Raum strömen läßt, reißt er das Wasser aus demselben durch den zweiten Raum und stößt es in das Steigrohr hinein, welches mit einem Ventil versehen ist. Das Oeffnen und Stellen des Dampfrohrs geschieht durch zwei sehr zweckmäßig angebrachte Schrauben und irgend eine andere Manipulation des Maschinisten ist nicht erforderlich. Der ganze Apparat zum Heben von 5 bis 10 Kubikfuß pro Minute ist nur 1 Meter lang und hat 0,20 bis 0,28 Meter Durchmesser; er ist aus Eisen und Messing angefertigt. Der Preis beträgt 42 bis 195 Thlr.

Betrachten wir nun die Leistungen des Apparats z.B. auf der Steinkohlengrube Iduna bei Bochum, nachdem er sich schon so vielfach für die Speisung von Dampfkesseln bewährt hat. In dieser Grube teuft man einen tonnlägigen Schacht in dem mit 50° nach Süden einfallenden 48 Zoll mächtigen Kohlenflötze von Tage wieder ab und trifft mit demselben in 33 Met. Tiefe einen Stollen, welcher die Wasser abführt. Bei 20 Met. Tiefe unter diesem Stollen hatte man einige Quellen von 3–4 Kubikf. pro Minute angetroffen und diese behinderten das weitere Fortschreiten sehr, da man keine Pumpen, sondern nur eine kleine Fördermaschine von circa 15 Pferdekräften besitzt. Man hatte sich entschlossen, ein Vorgelege sowie ein Feld- und Schachtgestänge an diese kleine Maschine zu legen und damit eine 12zöllige Pumpe im Schachte zu betreiben, deren Einbau mit großen Kosten, Zeitverlust und Umständen verbunden war, und welche die Maschine überlastet haben würde. Als schon der Anfang mit diesem Bau gemacht war, da ließen sich die Eigenthümer der Zeche durch den Bergassessor v. Dücker am 5. Juli bestimmen, die von Hrn. Koch gratis offerirte Dampfstrahlpumpe im Schachte aufzustellen. An die Stelle der vorerwähnten schwerfälligen, complicirten Einrichtung kam nun nichts als ein Dampfrohr von 0,076 Met. Durchmesser in Form zierlicher Gasröhren und ein Wasser-Steigerohr von wenig größeren Dimensionen. Zwischen diesen Röhren wurde bei 54 Meter Schachttiefe die obige Pumpe eingesetzt und schon am 24. Juli sprudelte das Grubenwasser 20 Met. höher auf der Stollensohle aus. In 12 Stunden war die Ansammlung von 38 Stunden gehoben und das Abteufen des Schachtes konnte mit unbelästigter Fördermaschine weiter gehen. Der angewandte Dampf hatte 2 Atmosphären im Kessel; das gehobene Wasser erhöht seine Temperatur von 10 auf 25° Celsius. (Essener Zeitung.)

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