Titel: Ueber die zur Fruchtbildung des Weizens nothwendigen anorganischen Stoffe; vom Fürsten zu Salm-Horstmar.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 10 (S. 482–483)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi06_10

Ueber die zur Fruchtbildung des Weizens nothwendigen anorganischen Stoffe; vom Fürsten zu Salm-Horstmar.

Der Verfasser glaubt in dem Lepidolith von Rozena das Specificum gefunden zu haben, welches die zur Fruchtbildung des Weizens, wenigstens des Sommerweizens, erforderlichen Stoffe enthält. Das Bodenmedium bestand bei den Versuchen des Verfassers aus reinem Bergkrystall, der so fein zerschlagen war, daß die größten Splitter 1,5 Millim. Durchmesser hatten; die feinsten Theile wurden durch Schlämmen entfernt, der Rest getrocknet, mit Salzsäure gekocht, vollständig ausgewaschen, in Platin geglüht und nochmals gewaschen. Alle Pflanzen wurden Anfangs mit destillirtem Wasser begossen, wenn sie aber das dritte Blatt hatten, mit einer Lösung von 0,01 Grm. |483| salpetersaurem Kali und je 0,002 Grm. Chlornatrium und Chlorkalium in 100 Grm. destillirtem Wasser.

A. Versuch mit Lepidolith. 65 Grm. Bergkrystall, 0,07 Lepidolith, fein gerieben, 0,04 drittel-phosphorsaurer Kalk, nicht geglüht, 0,01 Kieselsäurehydrat, 0,02 kohlensaure Magnesia, 0,05 kohlensaurer Kalk, 0,02 schwefelsaurer Kalk, 0,002 drittel-phosphorsaure Magnesia, 0,001 kohlensaures Manganoxydul, 0,02 basisch-phosphorsaures Eisenoxyd, geglüht, 0,02 salpetersaures Kali, 0,003 salpetersaures Natron, 0,001 Chlornatrium, 0,0003 Chlorkalium, die letzten vier Salze in 15 Grm. destillirtem Wasser gelöst. Die Pflanze wuchs normal; der Halm wurde 17 Zoll lang; die Aehre hatte 4 Blüthen und trug drei vollständig ausgebildete reife Körner.

B. Die gleiche Bodenmischung, aber unter Zusatz von je 0,001 Grm. schwefelsaurem Baryt und Strontian. Halm schwächer und etwas niederliegend, 12 Zoll lang; Blüthen mit Staubbeuteln, aber ohne Frucht. Der Verfasser vermuthet, daß Baryt oder Strontian, oder beide nachtheilig gewirkt haben.

C. Bodenmischung wie bei B, aber statt des Lepidoliths 0,12 Grm. grüner Glimmer. Normaler Wuchs des Halms, der 12 Zoll lang war, aber eine Aehre ohne Frucht.

D. Mischung wie bei B, aber ohne Lepidolith und Glimmer, dafür 0,00002 Grm. salpetersaures Lithion, von Rubidium gereinigt, 0,00001 Grm. Chlorrubidium, 0,00002 Grm. Fluorkalium. Abnorme Vegetation, Verkümmerung der Halmbildung, die Basis des zweiten Blattes in gleicher Höhe mit der des ersten, beide Blätter sehr kurz, das dritte fadenförmig und noch kürzer; die Pflanze starb ab.

E. Es wurde in D, ohne die todte Pflanze zu entfernen, ein neues Weizenkorn eingelegt, welches eine sehr schmächtige Pflanze, aber mit normal gebildetem, 5 Zoll langem Halm gab, der eine verkrüppelte Aehre ohne Frucht trug. Der Verfasser vermuthet, daß ein giftig wirkender Zusatz durch die Wurzeln der ersten Pflanze so weit entfernt worden sey, daß der Rest die Halmbildung von E nicht mehr habe hindern können, und gibt dem Chlorrubidium die Schuld.

F. Mischung wie bei D, aber ohne Chlorrubidium und Fluorkalium; völlig unterdrückte Halmbildung; beim vierten Blatte starben alle Blätter an der Spitze ab; im fünften Blatte starb die Pflanze.

G. Mischung wie bei D, nur ohne Rubidium. Normale Halmbildung, 9 Zoll lang, mit kleiner Aehre, aber ohne Frucht.

H. Mischung von D, aber mit je 0,00001 Grm. salpetersaurem Lithion und Fluorkalium, 0,000001 Grm. Chlorrubidium und 0,0005 Grm. schwefelsaurem Strontian. Normal gebildeter Halm, 13 Zoll lang, ganz entwickelte Aehre, aber ohne Frucht.

I. Mischung von D, aber ohne Strontian und mit je 0,00001 Grm. salpetersaurem Lithion, Fluorkalium, Fluornatrium und Kupfervitriol, 0,000001 Grm. Chlorrubidium und 0,001 Grm. Fluorcalcium. Halm 10 Zoll lang, eine Aehre aber ohne Frucht.

K. Mischung von D ohne Lithion, Rubidium und Strontian, aber mit 0,00001 Grm. Fluorkalium. Halm 7 Zoll lang, Aehre verkrüppelt, ohne Frucht.

L. Mischung D ohne Lithion, Rubidium und Fluorkalium, mit Zusatz von 0,001 Grm. Fluorcalcium und 0,00001 Grm. Kupfervitriol. Halm 3 Zoll, ohne Aehre; nach Entwickelung des dritten Blattes starben die drei ersten Blätter ab, dann erschien ein kurzes, abnormes viertes und zuletzt ein fadenförmiges fünftes, und als diese auch abgestorben waren, ein zolllanger Nebentrieb an der Wurzel, worauf die Pflanze starb. (Journal für praktische Chemie, März 1864, Bd. XC S. 75.)

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