Titel: Ueber die Bereitung von sogenanntem Wassergas auf der Gasanstalt zu Elisabeth in New-Jersey.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 6 (S. 479–480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi06_6

Ueber die Bereitung von sogenanntem Wassergas auf der Gasanstalt zu Elisabeth in New-Jersey.

Hierüber erschien in New-York ein Bericht von Dr. J. Forey und C. Schulz in einer Broschüre, unter dem Titel History and Value of Water Gas Processes.“ Wir entnehmen diesem Bericht Folgendes:

Zwei Oefen der Gasanstalt zu Elisabeth sind in Wassergasöfen umgeändert worden. Jeder derselben enthält zwei Retorten zur Destillation gewöhnlicher bituminöser Steinkohlen und eine dritte getheilte Retorte, in welcher Wasserdampf mit Anthracit zersetzt wird. Das sich ergebende Wassergas geht in die Kohlenretorten, wo es mit den entgasenden bituminösen Kohlen zusammenkommt, und wo es bei einer sehr geringen Temperatur eine vollständigere Kohlung erhalten und sämmtlichen Theer in permanente Gase verwandeln soll. Der Proceß ist ein Patent von W. H. Gwynne aus New-York vom 4. August 1863. Für die in Rede stehenden Versuche wurden die Kohlen gewogen, die Kohks und der Theer gemessen, und das Gas auf seine Quantität und Qualität beobachtet. Die Kohlen waren halb Cannelkohlen, halb Backkohlen, die Ladung betrug 125 Pfund und wurde jede 2 1/2 Stunden erneuert.

Die erste Ladung von 250 Pfd. Kohlen (1 Ofen) lieferten 1,280 Kubikfuß Gas
zweite 500 „ (2 Oefen) 1,910
dritte 500 „ 900
vierte 500 „ 920
fünfte 500 „ 1,360
sechste 500 „ 1,700

Da diese Resultate sehr von einander abweichen, und behauptet wurde, daß der zweite Ofen nicht so gute Resultate gebe als der erste, so ließ man bloß den letzteren gehen und

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die siebente Ladung von 250 Pfd Kohlen lieferte 1,160 Kubikfuß Gas
achte 250 „ 1,140
neunte 250 „ 1,150
zehnte 250 „ 1,240
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1,000 Pfd. Kohlen lieferten, 4,690 Kubikfuß Gas
d. i. 1 Cntr. 469 Kubikfuß Gas.

Die Leuchtkraft des Gases betrug 18 Spermacetikerzen (Londoner Normalkerzen) für 5 Kubikfuß Gasconsum per Stunde.

An Kohks waren vom ersten Ofen allein im Ganzen (also mit 2500 Pfd. Kohlen) 54 Bushels (etwa 1350 Pfd.) producirt und 36 Bushels (etwa 900 Pfd.) d. i. 66 2/3 Procent verbraucht.

Eine spätere Beobachtung ergab mit demselben Ofen und der gleichen Ladung in je 3 Stunden 37,230 Kubikf. Gas aus 6,250 Pfd. Kohlen oder 595 Kubikf. per Centner von durchschnittlicher Leuchtkraft gleich 13,15 Spermacetikerzen auf 5 Kubikf. Consum per Stunde. An Kohks waren producirt 143 Bushels, und 129 Bushels oder 90,2 Proc. waren zur Feuerung verbraucht. Die Anthracitkohle in der Wassergasretorte wog ursprünglich 728 Pfd., und nach dreitägigem Betriebe waren noch 485 Pfd. übrig, also 243 Pfd. Kohlenstoff consumirt. Es sind somit auf je 1 Cntr. anderer Kohlen circa 5 Pfd. Anthracit erforderlich. An Theer fanden sich in der Vorlage 27 Gallons (1 Gallon = 4 1/2 Liter), oder nahezu 1/2 Gallon per Cntr. Kohlen.

Aus diesen Resultaten ergibt sich, daß dieser Wassergasbetrieb, abgesehen von der größeren Abnutzung des Apparats und den größeren Betriebskosten gegen den gewöhnlichen Steinkohlenbetrieb, schon deßwegen unvortheilhaft seyn muß, weil er unverhältnißmäßig viel Heizmaterial erfordert. Dieser Umstand des großen Heizmaterialverbrauches ist auch wohl hauptsächlich der Grund gewesen, weßhalb sich keines der vielen Wassergasprojecte, die im Laufe der Zeit aufgetaucht sind, halten konnte. (Schilling's Journal für Gasbeleuchtung, Juli 1864, S. 227.)

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