Titel: Parry's Verfahren zum Raffiniren des Roheisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174, Nr. XI. (S. 32–35)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/ar174011

XI. Verbessertes Verfahren zum Raffiniren des Roheisens, von G. Parry.

Aus dem Mechanics' Magazine vom 10. Juni 1864, S. 381.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Diese Erfindung, welche sich George Parry, Hüttendirector auf den Ebbw Vale-Eisenwerken (Wales) in England patentiren ließ, soll die Mängel des bisherigen Verfahrens beseitigen, nämlich eine bestimmte Temperatur bei geringerem Verbrauch an Gebläseluft als bisher, und mit bedeutender Brennmaterialersparniß zu erzeugen und zu unterhalten gestatten. Nach dem Erfinder werden diese Vortheile erreicht: 1) mittelst einer neuen Flammofen-Einrichtung und 2) durch Einleiten eines von einem Strome atmosphärischer Luft umgebenen oder mit solcher gemischten Wasserdampfstroms in das geschmolzene Eisen, wodurch der Dampf als Raffinirmittel größere Wirksamkeit erhält, als bei der alten Anordnungsmethode.

Die neue Construction des Raffinirofens ist in Fig. 2729 abgebildet. Zum ununterbrochenen Betriebe wendet man einen Doppelofen von dieser Art an, so daß, wenn der eine Ofen ausgebessert werden muß, der zweite in Betrieb genommen wird.

Fig. 27 ist ein theilweiser Längendurchschnitt eines solchen Doppelofens mit gemeinschaftlicher, in der Mitte stehender Esse. Fig. 28 ist der theilweise Grundriß desselben und Fig. 29 der verticale Querschnitt nach der Linie 1, 2 in Fig. 27.

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A ist die centrale Esse; B, B sind die Herde der Feinöfen; C ist der Feuerraum des einen dieser Oefen, D die mit einem Wasserkasten D¹ versehene Feuerbrücke. E ist ein ähnlicher Wasserkasten oder Sumpf über dem Herdgewölbe von B, ein dritter ist in dem Fuchse bei F angebracht. Die 50 Fuß hohe Esse mißt 2 Fuß im Quadrat und ist wie gewöhnlich mit einem Schieber oder Register versehen. Im Essengemäuer ist ein schraubenförmig gewundenes Rohr G angebracht, welches von einem gußeisernen Kasten umgeben ist, und zur Aufnahme des in das flüssige Metall zu injicirenden Dampfes bestimmt ist, welcher in diesem Rohre auf seinem Wege vom Kessel zu der Düse H überhitzt wird. Durch den gußeisernen Mantel wird jenes Rohr vor der unmittelbaren Einwirkung des Feuers geschützt. Der Dampf strömt am heißesten Theile des Ofens, nämlich unmittelbar hinter der Feuerbrücke ein, so daß seine abkühlende Einwirkung auf das flüssige Eisen möglichst neutralisirt wird. l, l sind die beiden Düsen, durch welche dem Ofen B Gebläseluft zugeführt wird. Der Raffinirofen wird dem Hohofen gegenüber angebracht, und aus letzterem das Roheisen in Chargen von 30 bis 40 Centner in ihn abgestochen; seine Dimensionen sind etwas größer als die eines gewöhnlichen Puddelofens, dem er übrigens in der Form ziemlich ähnlich ist, nur mit dem wichtigen Unterschiede, daß sowohl die Feuerbrücke, als auch der Fuchs höher sind als gewöhnlich, eine Einrichtung, durch welche die Wirkung der Flamme des Brennmaterials bedeutend verstärkt wird, indem dieselbe gezwungen ist in beinahe senkrechter Richtung auf das zu feinende Eisen zu wirken, anstatt über die Oberfläche des Metalls hinwegzustreichen, wie dieß der Fall ist, wenn die Feuerbrücke nur die sonst übliche Höhe erhält. Anstatt, wie bei den älteren Raffiniröfen, sechs gewöhnliche Wasserformen mit Düsen von 1 1/4 Zoll Durchmesser zur Windführung anzuwenden, findet der Patentträger für seinen verbesserten Weißofen zwei Formen mit Düsen von 1 bis 1 1/8 Zoll Durchmesser genügend. Der zur Zuleitung des Dampfes zu dem flüssigen Eisen dienenden Düse H gibt er, bei einem Drucke von etwa 10 Pfund per Quadratzoll, ungefähr 3/8 Zoll, bei stärkerem Drucke einen noch geringeren Durchmesser. Der Dampf wird auf etwa 260° bis 315° C. erhitzt, was sich mittelst Hindurchleitens desselben durch das gewundene Rohr G leicht bewerkstelligen läßt. Er strömt dann durch eine gewöhnliche Wasserform aus, welche so eingerichtet ist, daß eine ringförmige oder hohle Säule von atmosphärischer Luft zugeleitet werden, gleichzeitig mit dem Strom von überhitztem Wasserdampfe niedergehen und sich mit dem letzteren mischen kann, bevor er mit dem geschmolzenen Eisen in Berührung kommt. Der Durchmesser dieser Form muß etwa 1 1/8 Zoll betragen |34| und die Düsenspitze muß bis ungefähr 2 bis 3 Zoll vor das innere Ende des Formmaules reichen.

Nach der Angabe des Patentträgers wird durch die Vermischung des überhitzten Dampfes mit der zugeführten Gebläseluft die feinende Wirkung des ersteren bedeutend erhöht, wie die stärkere Hitze und die vermehrte Helligkeit der Form, welche sich bei dieser Einrichtung in weit höherem Grade zeigt, als bei der gewöhnlichen Anwendungsweise des Dampfes, zur Genüge beweisen. Die vom Herde der Oefen nach der gemeinschaftlichen Esse führenden Füchse sind mit Schiebern oder Registern K, K versehen, welche zum Reguliren des Feuers dienen und durch deren Verschluß der betreffende Ofen rasch außer Betrieb gesetzt werden kann.

Bevor die Charge aus dem Hohofen in den Feinofen abgestochen wird, bringt man 2 bis 3 Centner Puddelschlacke auf die Herdsohle des letzteren und wärmt dieselbe, nachdem sie zu einer ebenen Schicht gerade gezogen, gehörig an, doch nicht zu stark, damit sie nicht ganz in Fluß gerathen und die Sohle zu stark angreifen kann; dann wird das Eisen aus dem Hohofen abgestochen und nun das Gebläse angelassen. Sobald die Temperatur des flüssigen Metalls rasch zuzunehmen beginnt, wird Dampf zugelassen, und zwar so lange, als das erstere hinlänglich dünnflüssig und heiß genug bleibt; sobald es dickflüssig wird und sich abzukühlen beginnt, muß der Dampf abgesperrt werden.

Nach einiger Uebung wird der den Proceß leitende Arbeiter die zum Feinen nöthige Dampfmenge selbst richtig zu beurtheilen im Stande seyn und er wird auch bald bemerken, daß verschiedene Eisensorten verschiedene Dampfmengen vertragen. Im Allgemeinen steht fest, daß das Eisen um so stärker und vollkommener gefeint wird, je mehr Dampf in dasselbe eingeblasen werden kann, ohne daß es sich in einem für das Gelingen des Processes nachtheiligen Grade abkühlt. Der Dampf hat auch eine kräftig feinende Wirkung auf die in den Ofen gegebene Schlacke, so daß dieselbe dadurch zur Verwendung bei der Beschickung des Hohofens geeignet wird. Die Wasserkästen D¹, E und F tragen, wie leicht einzusehen, zum Schutze des Mauerwerks gegen die zerstörende Wirkung der Hitze bei.

Mittelst dieser Erfindung ist Parry, seiner Angabe zufolge, im Stande, die Tonne Roheisen mit einem Steinkohlenverbrauch von nur 2 bis 2 1/2 Centner zu feinen, während bei Anwendung der gewöhnlichen Raffinirmethode 6 bis 8 Centner Kohks, also ein bedeutendes Mehr eines weit kostspieligeren Brennmaterials, dazu erforderlich sind. Die zum Feinen in diesem Ofen am besten geeigneten Roheisensorten |35| sind die als bright grey mottled (stark halbirtes) und very fluid white (leichtflüssiges Weißeisen) bekannten Sorten.

Ist das Eisen in genügendem Grade gefeint – was der Arbeiter mittelst Einbringens eines eisernen Rengels oder einer Brechstange durch eine zum Probenziehen in der Arbeitsthür angebrachte Oeffnung zu erkennen vermag – so wird es durch den Stich L in Formen von der gewöhnlichen Einrichtung abgestochen.

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