Titel: Bower's und Hollingshead's Apparat zur Reinigung des Leuchtgases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174, Nr. XXXVII. (S. 123–126)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/ar174037

XXXVII. Combinirter Vertheilungsapparat zur Reinigung des Leuchtgases, von G. Bower und Hollingshead zu St. Neot's in England.

Aus Armengaud's Génie industriel, Juli 1864, S. 19.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Diese neuen Einrichtungen an Gasapparaten sind für kleine Gasanstalten bestimmt, eignen sich aber auch für solche, welche in größerem Maßstabe betrieben werden; dieselben zeichnen sich besonders aus durch die Combination von mehreren Reinigern mit centralem Ventil, welches die beliebige Vertheilung des Gases gestattet, mittelst Aenderung der Richtung, in welcher das Gas den einen oder den anderen dieser Reiniger, oder mehrere derselben gleichzeitig durchströmt.

Fig. 8 bis 11 versinnlichen die Einzelheiten dieses Reinigungssystemes mit mehrfachen Abtheilungen.

Fig. 8 ist der verticale Längendurchschnitt des Apparats durch die Mitte.

Das aus den Retorten strömende Gas tritt zur Reinigung in das Rohr A, dann durch das Ventil B und gelangt hernach in eine Reihe verticaler, in gleichem Abstande von einander rings um den Blechmantel D des Apparats angebrachter Kammern C. Diese sind zu zwei und zwei an dem Mantel befestigt und stehen durch die bogenförmigen Canäle C' so mit einander in Verbindung, daß das Gas diese sämmtlichen kleinen Kammern durchströmen, in denselben erkalten und die mitgerissenen flüssigen Destillationsproducte, Theer, Ammoniak etc. absetzen kann, welche sich in dem Sockel D' des Apparates ansammeln.

Dieser Sockel, von viereckiger Form, umfaßt den ebenso geformten, in zwei Kammern E getheilten Mantel D. In diesen Kammern wird das aus den Condensationscanälen C heraustretende Gas vor feinem Eintritte in die Reiniger B gewaschen; solcher Reiniger sind vier vorhanden und durch Scheidewände, welche sich an den kreisförmigen Sitz des centralen Ventils G anschließen, von einander getrennt.

Das Gas durchströmt den mit Kohks gefüllten Condensator (Scrubber) E in der ersten Kammer von unten nach oben und in der zweiten in umgekehrter Richtung. Mittelst eines durchlöcherten Rohres e wird über die Kohks, welche sich in beiden mit Deckeln E' und hydraulischem Schlusse versehenen Kammern befinden, Wasser als feiner Regen vertheilt.

|124|

Das centrale Ventil G ist in einer quadratischen, mit den zum Eintritt des Gases in die Reiniger erforderlichen Oeffnungen versehenen Büchse angebracht. Es ist so eingerichtet, daß immer drei beliebige der vier Reiniger zugleich arbeiten können, indem der vierte abgeschlossen wird, um mit Kalk oder anderen Reinigungsmitteln, welche man auf den Horden k ausbreitet, von Neuem beschickt werden zu können. Um die Richtung des die Canäle durchströmenden Gases verändern zu können, ist das Ventil G mit einem mittelst des Handrades L zu regierenden Mechanismus versehen. Ueber jedem Reiniger sind die Stopfen N angebracht, um die Luft entweichen zu lassen, wenn der mit hydraulischem Schluß versehene Deckel K' abgehoben werden soll, um die Horden k mit den Reinigungsmitteln frisch zu beschicken.

Das mittelst eines, dem des Centralventils ähnlichen Mechanismus L' einstellbare Vertheilungsventil B hat eine solche Einrichtung, daß das durch das Rohr A zuströmende Gas entweder, wie schon erwähnt, in die Condensatoren C, oder sofort in die Kohkskammern der Waschapparate E, oder aber auch direct zu dem Centralventil G durch den unteren Canal T geleitet werden kann. Die Leitung des Gases zum Gasometer findet durch das Rohr U statt.

Zur Bedienung des Apparates kann ein beweglicher Krahn mit Haspel über dem gußeisernen Kasten M aufgestellt und auf dem zu diesem Behufe mit Randleisten zur Führung der Rollen versehenen Deckel hin und her geschoben werden.

Der vorstehenden Beschreibung zufolge besteht der Apparat in der Vereinigung einer Reihe von Condensationskammern mit einem doppelten Kohkswaschapparate und vier Reinigern, welche mit zwei, nach mehrfachen Richtungen führenden Ventilen combinirt sind. Das eine der letztern, das Vertheilungsventil, dient zur Leitung des den Retorten entströmenden Gases in den Apparat; das zweite, das Central- oder Mittelventil, führt das gereinigte Gas dem Gasometer zu.

Bei kleineren Gasanstalten kann das eine dieser Ventile, nämlich das erstere, in Wegfall kommen; der Apparat besteht dann aus einem Condensator, einem Waschapparat, zwei oder mehreren Reinigern und einem Centralventile mit den erforderlichen Communicationen. Die Büchse dieses Ventils ist in der Mitte, an der Seite der Reiniger, angebracht, und der zur Aenderung der Richtung der Canäle dienende Mechanismus befindet sich an der Vorderseite des Apparates.

Fig. 9 ist der verticale und Fig. 10 der horizontale Durchschnitt dieses Centralventils.

|125|

Fig. 11 ist ein Grundriß des zur Uebertragung der Bewegung dienenden Mechanismus.

Das Gas strömt durch den Tubulus A ein und tritt durch das in den Wasserkasten S eintauchende Rohr T in den Hahn B, dessen Sitz oder Büchse mit einem Mantel umgeben ist, an welchem oben und unten durch die Platten c und c' geschlossene Scheider D befestigt sind.

An der oberen Platte c dieser beweglichen Scheider ist die durch die Stopfbüchse g geführte hohle Achse e befestigt, durch welche die an der Büchse des Hahnes befestigte Stange l geht. Eine Verlängerung dieser Stange geht durch die Schraube m, und diese wird durch das Handrad M bewegt, so daß der Hahn gehoben werden und eine veränderte Stellung erhalten kann.

An dem erwähnten Handrade ist ein Index q angebracht, welcher auf dem Limbus p die Stellung des Hahns anzeigt. An der Stange l ist unterhalb der Schraube ein zweites Handrad O festgekeilt, mittelst dessen sich die Büchse des gedachten Hahnes drehen läßt.

Die hohle Achse e vermittelt die zur Richtungsänderung der beweglichen Scheider D erforderliche Drehbewegung durch das Zahnrad h, welches mittelst des Triebs i (Fig. 11), durch eine aufgesteckte Kurbel in Bewegung versetzt wird.

Sollen die vier Reiniger in Thätigkeit treten, so erhalten die Scheider die durch die punktirten Linien angegebene Stellung, mit Hülfe der gedachten auf die Achse des Triebes i aufgesteckten Kurbel, nachdem der Hahn mittelst des Handrades O seinem Sitze gehoben ist. Soll aber das Gas von einem dieser Reiniger abgesperrt werden, so hebt man den Hahn ein wenig und dreht hernach das Rad M, bis der Zeiger q auf die dem abzusperrenden Reiniger entsprechende Nummer zeigt. Dann haben die Scheider die in Fig. 9 und 10 angegebene Stellung und der Hahn wird mittelst des Handrades O in seinen Sitz wieder niedergeführt. Soll dieser Hahn gedreht werden, so verhindert ein durch die beiden Achsen gehender Schlüssel den die Scheider D verbindenden Mantel sich zu bewegen.

Wenn nur ein Reiniger functioniren soll, so wird das Ventil auf folgende Weise gehandhabt: nachdem die beweglichen Scheider die Stellung erhalten haben, in welcher die Communication mit den vier Reinigern hergestellt ist, wird die Eintrittsmündung des Hahns an die Ausströmungsöffnung des Reinigers, welcher in Thätigkeit gesetzt werden soll, gedreht, anstatt gegen die Einströmungsöffnung dieses Reinigers gerichtet zu seyn.

Sollen nur zwei Reiniger thätig seyn, so müssen die beweglichen |126| Scheider in eine Stellung gedreht werden, welche drei Reinigern entspricht und die Eintrittsmündung des Hahns muß an die Ausströmungsöffnung des ersten der beiden in Thätigkeit zu setzenden Reiniger gedreht werden.

Wird nur mit einem oder zweien der Reiniger gearbeitet, so nimmt das Gas den entgegengesetzten Weg von dem bei der Anwendung von drei oder vier Reinigern erforderlichen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: