Titel: Voß'sche Rotationspumpe.
Autor: Schmidt, Robert
Fundstelle: 1864, Band 174, Nr. C. (S. 409–412)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/ar174100

C. Beschreibung der continuirlich wirkenden Voß'schen Rotationspumpe; von Dr. Robert Schmidt, Civilingenieur in Berlin.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Unlängst haben wir in diesem Journal (Bd. CLXXII S. 241) die von dem Ingenieur Voß construirte und in allen Staaten patentirte Rotations-Dampfmaschine besprochen, deren Mechanismen und Wirkungsweise sehr wesentlich von den bisherigen Dampfmaschinen abweichen; hier wollen wir nun eine von demselben construirte Pumpe beschreiben, deren Construction ganz ähnlich derjenigen jener Dampfmaschine und als eine Anwendung derselben auf Pumpen zu betrachten ist.

Als Merkmale ihrer Eigenthümlichkeit im Vergleich zu den bisherigen Saug- und Druckpumpen lassen sich von derselben zunächst folgende angeben:

1) wird dieselbe durch eine rotirende Welle in Thätigkeit erhalten, wodurch zu ihrer Bewegung weniger Kraft erforderlich wird;

2) wirkt dieselbe ohne Anwendung eines Windkessels continuirlich, also ähnlich wie eine doppeltwirkende Pumpe;

3) arbeitet die Pumpe ganz ohne Ventile, deßhalb mit größerer Sicherheit als die gewöhnlichen Pumpen;

4) läßt sich eine solche Pumpe auch als Flüssigkeitsmesser, sowie als hydraulischer Motor benutzen.

Diese Pumpe eignet sich sowohl für Hand- als Maschinenbetrieb, und liefert im ersteren Falle bequeme Hof- und Schiffspumpen, im anderen Falle Pumpen für alle technischen Anwendungen, zumal sie auch für dickflüssige Körper ihre Dienste thut.

In Fig. 13 haben wir zunächst eine Hof- oder Schiffspumpe dargestellt, und zwar gibt:

Fig. 1 eine Ansicht der Pumpe,

Fig. 2 einen horizontalen Durchschnitt derselben, und

Fig. 3 einen Querschnitt derselben nach der Linie xy der Fig. 2, mit der Ansicht nach Links und Rechts.

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Hiernach ist die Pumpe in folgender Weise zusammengesetzt:

A ist eine hohle, gußeiserne Säule, welche über dem Wasserreservoir, aus dem gesogen werden soll, aufgestellt und befestigt wird, und welche die eigentliche Pumpe trägt, die äußerlich aus zwei, durch Manischen verbundenen hohlen Cylindern B und C gebildet ist.

An dem Boden des Cylinders B ist einerseits die Stopfbüchse a, anderseits der Ring b angegossen; beide sind durch einen horizontalen Steg c mit einander verbunden, so daß dadurch zwei halbe ringförmige Räume gebildet werden, die von dem Erfinder die Steuerung der Pumpe genannt werden. Der obere ringförmige Raum, der Saugraum, geht in das Saugrohr D über, welches zuerst senkrecht sich erhebt, dann ein Stück außerhalb des Cylinders in horizontaler Richtung, und weiter auf den inneren Mantel des Cylinders C fortgeht, von wo ab es in den Verbindungstheil C' des Cylinders C mit der Säule A, übergeht und mündet. Von hier ab wird das Saugrohr weiter durch ein Bleirohr D' gebildet, welches in dem Wasserreservoir mündet. Der untere ringförmige Raum der Steuerung communicirt dagegen, durch einen in dem Ring b angebrachten Schlitz, mit dem hohlen Raum der Pumpe.

An dem Boden des Cylinders C ist ein Putzen E angegossen, der in horizontaler Richtung, die aber schief zur Achse des Cylinders steht, durchbohrt ist. In diese Bohrung, als Zapfenlager, ist die Scheibe F drehbar gemacht, die in der Ansicht von vorn noch in Fig. 4 besonders gezeichnet ist. Die Scheibe F enthält in der Mitte d eine halbkugelförmige Vertiefung, außerdem in drei Punkten f, f, f, die gleichweit von der Drehachse entfernt sind, Kugellager, welche, wie wir später sehen werden, die Endpunkte von drei Kolben aufnehmen.

Die Arbeitswelle G geht durch die bei a gebildete Stopfbüchse und endigt im Inneren der Pumpe in der Kugelaushöhlung d, wo sie selbst kugelförmig gestaltet, sowie ein Stück derselben von zwei Seiten geebnet ist. Damit bei Drehung der Welle G auch die Scheibe F mit herumgenommen wird, ist mit G der Mitnehmer H verbunden, welcher bei der Bewegung der Welle sich gegen einen an F befestigten Bügel g legt, von welchem eine zweite Ansicht auch in Fig. 4 angegeben ist.

Zwischen den bereits beschriebenen Theilen b, a und F ist nun auf der Welle G ein Gußstück K befestigt, dessen Form man am besten aus dem Querschnitt Fig. 3 erkennt. Dasselbe besteht nämlich aus drei richtig ausgebohrten Cylindern M, M, M, deren Achsen parallel der Drehachse G sind. Die einen Enden der Cylinder sind offen, die anderen dagegen mit rechteckigen Oeffnungen h versehen, welche beim Arbeiten |411| der Pumpe in Communication mit den bei b, a gebildeten Kammern treten. Jeder Cylinder hat außerdem einen Kolben m, der aus zwei Theilen gebildet ist. Die Kolbenstangen dieser Kolben sind mit letzteren durch Kugelscharniere verbunden, wie auch die zweiten Enden der Kolbenstangen in derselben Weise mit der Scheibe F verbunden sind.

Noch ist erwähnenswerch, daß das Gußstück K an seinem linksgelegenen Ende scheibenförmig gestaltet ist, und daß die äußere Fläche dieser Scheibe genau gegen die Ränder von b und a geschliffen ist. Damit hier immer ein dichter Verschluß erzielt werden kann, ist noch die Welle G bei n mit einem Stellring versehen; gegen diesen arbeitet die Hülse p, auf welcher sich ein zweiter Stellring q befindet, der gegen die Brille r der Stopfbüchse arbeitet. Am Ende G' der Arbeitswelle wird die Kurbel auf die Welle gesteckt.

Das Ausgußrohr N beginnt am oberen, rechtsgelegenen Ende des Cylinders C, geht ein Stück horizontal fort, und biegt sich dann abwärts, um das Wasser in einen Eimer oder eine Rinne zu leiten.

Die Wirkungsweise der Pumpe wird sich jetzt, wenn man die Kurbel in der Richtung des Pfeils (Fig. 3) bewegt denkt, leicht übersehen: Beim Vorbeipassiren der Cylinderöffnungen h vor dem Saugraum werden die Kolben in denselben herausgezogen, der Saugraum also vergrößert, wodurch das Saugen des Wassers bewirkt wird; beim Vorbeipassiren der Cylinderöffnungen h vor dem unteren Theil des ringförmigen Raumes b, a werden dagegen die Kolben in die Cylinder hineingeschoben, wodurch zunächst Luft und später Wasser in den Pumpenraum gefördert wird. Sobald aber der Pumpenraum ganz mit Wasser gefüllt ist, wird auch alsbald der Ausfluß erfolgen, der sich beim weiteren Drehen der Kurbel continuirlich fortsetzen wird. Wenn übrigens das untere Ende des Saugrohres mit einer Klappe versehen wird, wird der Pumpenraum auch bei Außerbetriebsetzung der Pumpe mit Wasser gefüllt bleiben und beim ferneren Drehen der Kurbel wieder sofort Wasser geben.

Die Einrichtung einer Voß'schen Pumpe für Maschinenbetrieb wird sich aus den Fig. 5 und 6 ergeben, von welchen Fig. 5, wie oben Fig. 2, einen horizontalen, Fig. 6 einen verticalen Querschnitt nach der Linie xy darstellt, zumal da hier dieselben Theile mit denselben Buchstaben wie oben bezeichnet sind.

Das Saugrohr D, wie auch das Steigrohr N geht hier nur senkrecht aufwärts und endigt in einem Flantsch. Zur Befestigung der Pumpe am Boden sind hier an den Enden derselben zwei Manischen L angegossen, welche sich in den Ansichten zeigen. Zur besseren Unterstützung der Betriebswelle G ist an den Theil B der Pumpe noch ein Bügel R. |412| geschraubt und außerhalb desselben die Betriebsriemscheibe 8 auf der Welle befestigt. Uebrigens ist auf der Welle G, um die Pumpe als Flüssigkeitsmesser benutzen zu können, noch eine Schraube ohne Ende v befestigt, welche das Schneckenrad w in Umdrehung setzt, von dem aus ein Zählapparat in Thätigkeit gesetzt wird, der sich in dem Gehäuse Z befindet.

Es ist einleuchtend, daß wenn in das Saugrohr D Wasser von einer gewissen Höhe fällt, dasselbe die Welle G, ganz wie bei der früher beschriebenen Dampfmaschine, in Umdrehung setzen wird, die Pumpe also als hydraulischer Motor wirken wird. Daß übrigens in diesem Falle, wie in demjenigen wo die Pumpe Wasser aus einem tiefer gelegenen Reservoir saugt, dieselbe als Flüssigkeitsmesser benutzt werden kann, ergibt sich ohne Weiteres.

Schließlich bemerken wir noch, daß auch diese Pumpe in fast allen Staaten patentirt worden, und daß der Erfinder, Herr Ingenieur W. H. Chr. Voß in Berlin, sowohl die Ausführung dieser Pumpe zu jeglichem Zwecke übernimmt, als auch Patente für einzelne Staaten abzulassen gewillt ist.

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