Titel: Reinigung des Alkohols aus Kartoffeln und Runkelrübenmelasse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 10 (S. 86–87)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi01_10
|87|

Reinigung des Alkohols aus Kartoffeln und Runkelrübenmelasse.

Menn auch der Weingeist aus Kartoffeln durch fractionirte Destillation, so wie durch Behandeln mit Kohle leicht und vollständig entfuselt werden kann, so erzielt man mit demselben Verfahren beim Spiritus aus der Runkelrübenmelasse nur sehr unvollkommene Resultate. Dieser Spiritus hält selbst nach vielfachen Depurationsmanipulationen einen Geruch bei, der ihn für die meisten Fälle der Anwendung unbrauchbar macht. Da specielle Reinigungsmethoden nicht bekannt worden sind, so mag folgende im Kleinen versuchte hier einen Platz finden, da sie nicht nur das beste Resultat, sondern auch einen Runkelrübenspiritus lieferte, welcher dem gereinigten Kartoffelspiritus des Handels nicht im geringsten nachstand. In sofern die Methode im Uebrigen unter gewissen Vorbedingungen nicht kostspielig ist, so dürfte sie sich vielleicht verbessert und modificirt in die Praxis einführen.

Der durch eine Schicht an der Luft zerfallenen gebrannten Kalkes filtrirte und hierauf rectificirte Runkelrübenspiritus wird mit einer Lösung des übermangansauren Kalis schwach tingirt. Sobald die bekannte rothe Farbe verschwunden ist, wird nochmals tingirt. In den meisten Fällen dürfte nach der zweiten Tinction die Zersetzung und Veränderung der vorhandenen Fermentole erreicht seyn. Nach einem speciellen Versuche waren zu dem vorliegenden Zwecke annähernd 1/3 Procent von der Menge des Spiritus krystallisirtes übermangansaures Kali erforderlich. Bei der Arbeit im Großen würde sich die völlige Zersetzung der Fermentole durch einen Destillationsversuch herausstellen. Nachdem man einen Tag hat absetzen lassen, filtrirt man den Spiritus zuerst für sich, um den Manganoxydabsatz zu sammeln, mischt ihn mit etwas kohlensaurer Kalkerde und filtrirt durch Knochenkohle. Das Filtrat wird aus dem Dampfbade bei 90° Cels. rectificirt.

Der fuselhaltige, durch an der Luft zerfallenen Aetzkalk filtrirte Kartoffelspiritus wird rectificirt, um ihn so weit als damit möglich vom Fuselöl zu befreien, dann in derselben Art, wie oben angegeben ist, zweimal mit der Lösung des Uebermangansauren Salzes schwach tingirt, nach erfolgter Entfärbung filtrirt, mit Kreide geschüttelt, durch Knochenkohle filtrirt und rectificirt. Das so erhaltene Product zeichnete sich durch Reinheit des Geruches und Geschmackes aus.

Wie aus den angestellten Versuchen hervorgeht, scheint die zersetzende Einwirkung des übermangansauren Kalis auf die Fermentole, welche ihrer Constitution nach meist der Alkoholreihe angehören, eher stattzufinden als auf den Aethylalkohol. (Hager's pharmaceutische Centralhalle, 1864 S. 243.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: