Titel: Ueber eine neue Verzierung von Glasscheiben; von Professor Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 4 (S. 84)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi01_4

Ueber eine neue Verzierung von Glasscheiben; von Professor Böttger.

Ein sowohl in wissenschaftlicher wie in industrieller Hinsicht recht interessantes, dabei außerordentlich leicht in Ausführung zu bringendes Verfahren, Glasgefäße aller Art, insbesondere Glasscheiben mit einem festhaftenden krystallinischen Ueberzuge zu versehen, ward mit jüngst von Hrn. F. Kuhlmann jun. in allgemeinen Umrissen mitgetheilt und hiernach von mit weiter experimentell verfolgt. Ich habe dabei die überraschendsten Resultate erlangt, die nicht mehr zweifelhaft lassen, daß das erwähnte Verfahren in Kurzem schon bei der Decoration z.B. von Pavillon- und Vorplatz-Fenstern u. dergl. werde eine praktische Anwendung finden.

Man löse zu dem Ende in möglichst concentrirten wässerigen Salzsolutionen, z.B. schwefelsaurem Zinkoxyd, schwefelsaurer Magnesia u.s.w. eine entsprechende Menge Dextrin (weniger gut eignet sich arabisches Gummi und Traganth) auf, filtrire das Gemisch durch weißes Fließpapier, bestreiche mit dem klaren Filtrate (unter Mitanwendung eines feinen breiten Pinsels) Glasscheiben gleichförmig dünn, und lasse dieselben dann bei gewöhnlicher mittlerer Temperatur etwa eine Viertelstunde lang ruhig in waagrechter Lage liegen. Bei der langsam erfolgenden Verdunstung des Wassers sieht man nun innerhalb dieser kurzen Zeit, nach gehöriger Ausführung, allmählich auf den Glastafeln wundervoll schöne Krystallgruppen (den Eisblumen auf gefrorenen Fensterscheiben frappant ähnlich) sich bilden, die dem Glase so fest anhaften, daß sie eine starke Reibung vertragen, übrigens aber auch durch nachträgliches Bestreichen mit einer alkoholischen Schellacklösung dauernd fixirt werden können. Einen besonders schönen Effect geben bei durchfallendem Lichte farbige Glasscheiben, weßhalb solche in vielen Fällen auch zur Ausschmückung z.B. von Corridoren u. dergl. eine recht nützliche Anwendung finden dürften.

Für wissenschaftliche Zwecke, z.B. um Krystalle auf ihr optisches Verhalten, unter anderen auf ihr Verhalten zu polarisirtem Lichte zu prüfen, genügt es, die erwähnten mit krystallinischen Gebilden versehenen Glasscheiben mit einer Auflösung von Collodium zu überschütten und das trockene Collodiumhäutchen dann vorsichtig davon abzuheben. Verfährt man behutsam dabei, dann gelingt es leicht, die ganze Krystallgruppe von der Glastafel abzuziehen und sie dem glashellen dünnen Collodiumhäutchen einzuverleiben. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1864, Nr. 19.)

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