Titel: Ueber Dr. Bothe's neues Verfahren der Glasversilberung; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 5 (S. 84–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi01_5

Ueber Dr. Bothe's neues Verfahren der Glasversilberung; von Prof. Böttger.

Das Neue und Eigenthümliche dieser (bereits in diesem Journal Bd. CLXXIII S. 292 mitgetheilten) interessanten Methode besteht in der Benutzung eines merkwürdigen Reductionsmittels, nämlich eines von Dr. Bothe in Saarbrücken entdeckten Silbersalzes mit einer neuen organischen Säure, welche er Oxyweinsäure genannt. Dieses Reductionsmittel erhält man, wenn man gewöhnliches frisch gefälltes weinsaures Silberoxyd in einer hinreichenden Menge destillirten Wassers in der Siedhitze anhaltend behandelt, respective löst. Die erkaltete Lösung enthält dann das neue Silbersalz mit der erwähnten stark reducirenden Eigenschaft.

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Nach einer von uns ermittelten, etwas vereinfachten Weise, läßt sich das Bothe'sche neue Versilberungsverfahren des Glases folgendermaßen in Ausführung bringen: Die Reductionsflüssigkeit erhält man hiernach, indem man 1 Drachme (Quentchen) salpetersaures Silberoxyd (sogenannten Höllenstein) in circa 1 Unze destillirtem Wasser löst und diese Lösung in eine in's heftigste Sieden gebrachte Auflösung von weinsaurem Kali-Natron, sogenannten Seignettesalz, (bestehend aus 48 Gran dieses Salzes und 48 Unzen destillirten Wassers) nach und nach einschüttet, das Ganze circa 5 bis 10 Minuten im Sieden erhält, dann erkalten läßt und durch weißes Fließpapier filtrirt. Als Versilberungsflüssigkeit dient das salpetersaure Silberoxyd-Ammoniak, in welcher man jedoch kein Ammoniak vorwalten lassen darf. Man erhält dieselbe, indem man 1 Drachme Höllenstein in circa 1 Unze destillirtem Wasser löst, dazu so lange Aetzammoniakflüssigkeit tropfenweise hinzufügt, bis die hierdurch entstehende Trübung oder der Niederschlag eben wieder zu verschwinden beginnt, dann schließlich noch 12 Unzen destillirtes Wasser zusetzt und gleichfalls filtrirt. Will man nun ein Plan- oder Hohlglas versilbern, so vermischt man von dieser Versilberungsflüssigkeit und der erwähnten Reductionsflüssigkeit gleiche Raumtheile, überschüttet oder füllt in circa 1/2 Zoll dicker Schicht mit diesem vollkommen klaren ungefärbten Gemisch die Gläser, und hat dann die Freude, schon nach Verlauf von 19 Minuten (nicht, wie nach Dr. Bothe's Angabe, in 3 bis 4 Stunden) die Gläser mit einer spiegelglänzenden, festhaftenden Schicht Silbers bekleidet zu sehen. Wiederholt man diesen Proceß noch ein einziges Mal, so erlangt die Silberschicht eine solche Stärke, daß sie völlig undurchsichtig erscheint und nun die Rückseite derselben (insbesondere die der Planspiegel) zum Schutz mit einem aus in Benzol gelöstem Asphalt bestehenden Firniß überzogen werden kann. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1864, Nr. 19.)

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