Titel: Ueber die Champagner-Fabrication in Ungarn, von Jul. Nentwich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 11 (S. 166–167)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi02_11

Ueber die Champagner-Fabrication in Ungarn, von Jul. Nentwich.

Gerbstoffreiche Weine werden mit Hausenblase versetzt und nach 14 Tagen abgezogen; wenn sie nicht ganz spiegelrein sind, so ist ein zweiter Zusatz von Hausenblase nothwendig, ganz reine können dann gleich zur Champagner-Erzeugung verwendet werden. Man kennt den Inhalt des Champagner-Cylinders und berechnet für jede Bouteille 6 Loth weißen Raffinat-Zucker, hackt ihn in kleine Stücke, welche dann im Weine kalt gelöst werden. Die Auflösung wird nun filtrirt, in den Cylinder gefüllt und Kohlensäure bei einer Temperatur

von + 5 Grad R. mit einem Drucke von 4 Atmosphären
+ 10 „ „ 5
+ 15 „ „ 6

eingepreßt. Die Filtration der Weine geschieht nach zwei Methoden. Man bedient sich eines Filzspitzbeutels, indem man weißes Filtrirpapier in dem gesüßten Weine erweichen läßt und die erweichten Bogen mit einem eisernen Schneeschläger so zerrührt, bis die Papierflocken ganz fein zertheilt darin schwimmen, dann wird der Hut damit |167| ganz voll gegossen und durch einige Zeit durch immerwährendes Zurückgießen voll erhalten, bis sich der Papierbrei an die Wände des Filzhutes angesetzt hat, und die Flüssigkeit ganz klar abläuft. Man ist im Stande, in einem halben Tage bei fleißigem Nachgießen 3 bis 4 Eimer (1 Wiener Eimer = 56,60 Liter) zu filtriren. Nach der zweiten Methode filtrirt man durch Flanellspitzbeutel, welche einen Durchmesser von 6 Zoll und die Länge von 12 Zoll besitzen. Diese werden über entsprechenden Tenakeln aufgehängt und ein gewöhnliches spitzes Papierfilter aus einem Bogen weißen Filtrirpapieres eingelegt. Um dieses Filter Tag und Nacht in Gang zu setzen, wird über demselben der zu filtrirende Wein in Töpfen von 10 Maaß Inhalt aufgestellt und diese mit Holzdeckeln versehen, worin ein runder Einschnitt am Rande angebracht ist, um einen gewöhnlichen Glasheber in den Einschnitt legen zu können, dessen längeres Ende mit einem kleinen Korkpfropf derart geschlossen wird, daß die Flüssigkeit nur stark in das Filter abtropft. Hierbei muß genau bemerkt werden, daß der längere Theil des Hebers mit seinem Ende an dem Filterpapier anliege, um nicht durch die Schwere des fallenden Tropfens das Papier zu durchlöchern. Unter dem Flanellbeutel steht eine Flasche mit einem Glastrichter, welche den filtrirten Wein aufnimmt. Solche Filter machen die geringste Mühe und sind leicht zu handhaben, nehmen aber viel Raum ein, indem man 6 bis 10 Stück täglich im Gange haben muß. Der so filtrirte Wein kommt dann in die Cylinder und wird mit Kohlensäure imprägnirt. Das Abziehen in die Bouteillen erfordert einige manuelle Geschicklichkeit und zwar betreffs des Korkens. Die Korke müssen insgesammt mit heißem Wasser gebrüht, mit einer Korkzange gedrückt und durch die Maschine 4 Tage früher den Bouteillen aufgepaßt werden. Nach 4 Tagen sind die Korke gewöhnlich zum Gebrauche genug trocken und können verwendet werden, indem man selbe von ihren Bouteillen abnimmt und die andere mit Champagner gefüllte Flasche damit verschließt. Da durch die Korke beim Eintreiben mittelst der Maschine die Bouteillen sehr verunreinigt werden, so hat man eigene Korkungsbouteillen, welche nie mit Wein gefüllt werden und nur dazu bestimmt sind, dem Korke die Form zu geben. Die mit Champagner gefüllte und gekorkte Bouteille kommt nun auf den Bindtisch. Dieser gleicht einer großen Siegelpresse, wo durch das Gewinde der Kork durch einen Messingstock, welcher unten halbrund abgedreht und in der Mitte einen 2 Linien breiten, nach oben 8 Linien tiefen Durchschnitt hat, niedergepreßt und dann mit in Oelfirniß getränktem dreifädigem Kordel festgebunden wird. (Zeitschrift des allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereins, 1864 S. 119.)

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