Titel: Dr. Robinet's Verfahren zum Concentriren von Mineralwässern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 7 (S. 164–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi02_7

Dr. Robinet's Verfahren zum Concentriren von Mineralwässern.

Wenn Seewasser gefriert, so bilden sich in demselben Eisstücke, welche aus fast vollkommen reinem Wasser bestehen, und in einer stark salzhaltigen Flüssigkeit schwimmen. Diese letztere wird in nördlichen Ländern auf Seesalz arbeitet. Ein Pariser Arzt Dr. Robinet, hat gefunden, daß sich mittelst desselben Processes auch Süßwasser reinigen läßt. Indem er Seinewasser, sowie Wasser aus verschiedenen Brunnen und Quellen gefrieren ließ, fand er das entstandene Eis bei näherer Untersuchung so ganz frei von den im Wasser vorhandenen Kalk- und Magnesiasalzen, daß es nach dieser Reinigung destillirtem Wasser fast ganz gleich war (s. polytechn. Journal Bd. CLXV S. 146). Demzufolge ist nun jetzt der Vorschlag gemacht worden, an Bord von Schiffen das Süßwasser nicht mehr durch Destillation, sondern durch Gefrierenlassen oder Eisbildung mittest des Carré'schen Apparates darzustellen.

Auch zur Concentration von Mineralwässern wird der Gefrierungsproceß in der neuesten Zeit angewendet, somit zur Erfüllung einer Aufgabe, die schon seit langer Zeit gestellt ward, allein durch Anwendung von Hitze nicht gelöst werden konnte, indem dadurch ein großer Theil der in den Wässern gelöst enthaltenen Gase verjagt |165| wird. Kälte ist ein weit besseres Mittel zu diesem Zwecke. Dr. Ossian Henry zu Paris hat mit vierzig verschiedenen Mineralwässern Versuche angestellt, und bei denselben gefunden, daß es möglich ist Mineralwässer mittelst des Gefrierungsprocesses auf ein Achtel, ein Zehntel, ein Fünfzehntel, ja selbst auf ein Zwanzigstel ihres ursprünglichen Volums zu reduciren, ohne ihren Gasgehalt zu verändern.

Somit lassen sich 100 Liter Mineralwasser auf 5 Liter concentriren, wodurch bedeutend an Transportkosten gespart wird; außerdem ist auch das Eis nicht ohne Werth. Wir glauben aber nicht, daß solche Extracte dieselben therapeutischen Eigenschaften besitzen, wie die Mineralwässer in ihrem ursprünglichen Zustande, und zwar in Folge der Umsetzungen in der Constitution der ursprünglich vorhandenen Salze, welche so bedeutend sind, daß schon Balard ein Verfahren zur Glaubersalzfabrication darauf gründete, indem er die Chlornatrium und schwefelsaure Magnesia enthaltenden, bei der Gewinnung von Seesalz durch Verdunstung von Meerwasser zurückbleibenden Mutterlaugen einer genügend niedrigen Temperatur aussetzte.

Die Bekanntmachung des im Obigen kurz skizzirten Verfahrens gab dem Apotheker Tichon zu Aix-les-Bains in Savoyen Anlaß zu einem Proteste, demzufolge er denselben Proceß schon seit 1856, in Gemeinschaft mit Hrn. Melsens, welcher sich damals seiner Gesundheit wegen in Aix aufhielt, angewendet hat. Da das schwefelhaltige Mineralwasser, welches der Letztere hier trank, einen ihm widerwärtigen Geruch hatte, so suchte er demselben seinen Geruch theilweise zu nehmen, indem er es mit einer Kältemischung behandelte. Es gelang ihm auch, auf diese Weise nicht allein den unangenehmen Geruch zu maskiren, sondern auch die Mineralbestandtheile zu concentriren.

Nach Tichon's Versicherung eignet sich das Verfahren keineswegs für alle Mineralwässer, insofern dadurch die in vielen derselben gelöst enthaltenen organischen Bestandtheile verändert werden. (American Journal of science, November 1863, S. 404.)

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