Titel: Hydraulische Hebevorrichtungen in englischen Hotels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 1 (S. 241–242)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi03_1

Hydraulische Hebevorrichtungen in englischen Hotels.

Die Maschinenfabrikanten Easton und Amos construiren jetzt in dem Brighton-Hotel hydraulische Hebevorrichtungen, wobei zwar nur geringe Lasten, aber auf eine beträchtliche Höhe gehoben werden sollen. Ein viereckiger Thurm von etwa acht Fuß Weite geht durch sämmtliche Stockwerke des Hotels, mit Oeffnungen, die jedem Flure |242| entsprechen. In diesem Thurme ist die zum Aufsteigen bestimmte Vorrichtung an einer Kette aufgehängt, welche an dem höchsten Punkte über eine Rolle läuft. Am anderen Ende der Kette sind Gegengewichte angebracht, welche das Gewicht des leeren Apparats ziemlich ausgleichen. Dieser sogenannte Treppen-Omnibus gleicht im Inneren einem Eisenbahncoupe, das mittelst einer an der Decke befindlichen Lampe erleuchtet ist. Die erste Anwendung dieser Vorrichtung finden wir in dem sogenannten Colosseum, einem Londoner Vergnügungsort (berühmtes Diorama). Später wurde sie in mehreren großen Hotels angewendet.

Die aufsteigende Bewegung wird im Brighton-Hotel auf folgende Art erhalten: In der Mitte des gedachten Thurmes ist ein enger Brunnen abgeteuft (oder abgebohrt), der so tief ist, als der Thurm hoch. In diesem Brunnen steht ein eisernes dichtschließendes Rohr, worin sich ein zweites, ebenfalls unten geschlossenes Rohr auf- und abbewegt. Das innere Rohr läßt zwischen sich und dem äußeren einen Spielraum, ist dagegen an der Mündung durch eine wasserdicht schließende Stopfbüchse geführt. Der Kopf dieses Preßkolbens trägt den erwähnten Treppen-Omnibus.

Das nöthige Preßwasser wird durch eine 120 Fuß hoch stehende Cisterne geliefert. Von hier aus geht ein enges Rohr nach dem erwähnten Preßcylinder, und genügt daher die Drehung eines Hahnes in diesem Rohr, um den Apparat zum Steigen zu bringen. Es sind 5 solche Hebevorrichtungen vorhanden. Die erste dient zur Beförderung der Passagiere vom Parterre bis in den 5. Stock, etwa 56 Fuß. Etwa 10 Centner oder 8 Personen können dadurch auf einmal gehoben werden, und zwar die ganze Höhe in einer Minute. Die Kosten dieser einen Hebevorrichtung, excl. Wassercisterne, betrugen 600–650 Pf. St. Die zweite Vorrichtung hebt vom Keller bis in den 5. Stock 77 Fuß hoch; sie wird auf andere Art, nämlich durch eine Seiltrommel gehoben, die wiederum durch einen horinzontalen Cylinder und Kolben mittelst Wasserdruck in Bewegung gesetzt wird. Eine dritte Vorrichtung hebt den Wein aus dem Keller, eine vierte die Speisen aus der Küche nach dem Speisezimmer, eine fünfte nach den verschiedenen Stockwerken. Mittelst Sprachröhren sind die verschiedenen Stockwerke mit einander verbunden, und dadurch werden auch die Hebevorrichtungen dirigirt. Wo in den öffentlichen Wasserleitungen hinreichender Druck vorhanden ist, lassen sich solche hydraulische Hebevorrichtungen mit der größten Leichtigkeit beschaffen. Auchin Waarenlagern, für Läden in den oberen Stockwerken u.s.w. wären diese Vorrichtungen sehr zu empfehlen. (Mechanics' Magazine; Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 21.)

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