Titel: Ueber das Heilbronn'sche Verfahren, Lack- und Oelfarben auf Zinkblechgefäßen dauerhaft zu fixiren; von Dr. Wilhelm v. Schwarz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 9 (S. 245–247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi03_9
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Ueber das Heilbronn'sche Verfahren, Lack- und Oelfarben auf Zinkblechgefäßen dauerhaft zu fixiren; von Dr. Wilhelm v. Schwarz.

Die Wohlfeilheit und leichtere Bearbeitung des Zinkbleches im Verhältnisse zu dem verzinnten Eisenbleche, der Umstand ferner, daß das letztere bei schlechter Verzinnung rostet, haben der Verwendung des Zinkbleches zur Verfertigung von Gefäßen und Hausgeräthen der mannichfaltigsten Art ein ausgedehntes Feld eröffnet.

Dasselbe hat sich in den jüngsten Jahren in Paris in noch höherem Maaße erweitert, seitdem man dahin gelangt ist, Lack- und Oelfarben derart auf Zinkblech zu befestigen, daß sie sich nicht mehr abblättern, wie es bei den gewöhnlichen Anstrichen der Fall ist.

Dieses Verfahren wurde in den Pariser Werkstätten von Alex. Heilbronn sen. aus London eingeführt und hat seiner Vorzüge und Solidität wegen eine so außerordentliche Verbreitung gefunden, daß man gegenwärtig in allen Magazinen, Bazars und Kaufläden von Metallwaaren ausschließlich nur Heilbronn'sche Anstriche findet.

Es besteht im Principe in der Anwendung von Säuren und Verbindungen von Säuren mit anderen Substanzen, welche auf die Oberfläche des Zinkbleches eine chemische Wirkung ausüben.

Die chemischen Agentien, welche vorzugsweise angewendet werden, sind die gewöhnlich im Handel vorkommende Salzsäure (Chlorwasserstoffsäure), mit Wasser bis zum specifischen Gewichte von 144 verdünnt. Diese verdünnte Salzsäure wird entweder rein angewendet oder mit verschiedenen Substanzen gemengt, wie z.B. chromsaurem Bleioxyd, Schwefelblüthe etc.; auch können diese Mischungen noch mit verschiedenen anderen Farben, wie Berlinerblau, Schweinfurtergrün etc. versetzt werden.

Bei der praktischen Anwendung sind in den Pariser Werkstätten drei verschiedene Verfahrungsweisen in Uebung.

Die erste ist l'aspersion (die Besprengung) genannt. Die reine oder mit der Farbe gemischte Säure wird gegen die Oberfläche des Zinkbleches gerade so gespritzt, wie es bei gewöhnlichen Oelfarben-Anstrichen behufs der Darstellung der sogenannten Granit-Imitation der Fall ist.

Die zweite nennen die Arbeiter le chiquetage (die Zerfaserung). Sie besteht darin, die Oberfläche des Zinkbleches mit einem in die Säurepräparationen getauchten Schwamm zu betupfen.

Bei der dritten, le revêtement genannten Methode, werden die Mischungen mittelst eines Pinsels oder einer mit rauhen Wollstoffen überzogenen Walze aufgetragen.

Bei jeder dieser Methoden ist es wesentlich, das Zinkblechgefäß nach Auftrag der Säuremischungen den Einwirkungen dieser letzteren durch einige Zeit ruhig zu überlassen.

Die erste Methode, der sogenannte Granit-Anstrich, wird am häufigsten angewendet, und zwar derart, daß man die Zinkgefäße mit der verdünnten Salzsäure bespritzt und die Oberfläche nach erfolgter Einwirkung der Säure und vollkommener Trocknung an der atmosphärischen Luft in gewöhnlicher Weise mit Oelfarben durch das Beklopfen des Pinsels bespritzt und diesen Anstrich später firnißt.

Vielseitige vergleichende Versuche haben gezeigt, daß ein nach dem Heilbronn'schen Verfahren dargestellter Anstrich von vollkommener Solidität ist und äußerst fest auf dem Zinkbleche haftet, während die Farbe auf gewöhnlichem Zinkbleche aufgetragen, nach kurzer Zeit sich abblättert und abfällt.

Die Theorie erklärt auch vollkommen die Ursachen. Die Oberfläche des gewalzten Zinkbleches ist nämlich so glatt, daß zwischen dem Metalle und der Farbe keine Cohäsion stattfinden kann. Bei dem Heilbronn'schen Verfahren hingegen wird die Metalloberfläche einerseits durch die Einwirkung der Salzsäure rauh und runzelig, während sich anderseits Chlorzink bildet, welches sich unter dem Einflüsse des Sauerstoffes der atmosphärischen Luft in unlösliches Oxydchlorür umwandelt und äußerst fest an dem Metalle adhärirt, zwischen dem Metalle und der Farbe gleichsam eine rauhe Zwischenlage bildend, auf welcher die Farbe dauernd haften bleibt.

Die Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale hat Hrn. Heilbronn in Anbetracht der Nützlichkeit seines Verfahrens für die Pariser Gewerbe die |247| Bronze-Medaille verliehen. (Verhandlungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1864 S. 284.)

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