Titel: In England angewendete Vorsichtsmaßregeln bei der Düngerfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 11 (S. 328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi04_11

In England angewendete Vorsichtsmaßregeln bei der Düngerfabrication.

Der größte Theil der künstlichen Dünger Englands wird gewonnen, indem man ein Gemenge von Knochen und natürlichen Phosphaten (Bakerguano, Koprolithen, Apatit, Sombrero, Phosphorit etc.) oder seltener ein Gemenge von thierischen Abfällen mit Schwefelsäure behandelt.

Die gasförmigen Producte, welche sich bei der Arbeit entwickeln, bestehen aus organischen Dämpfen und aus anorganischen Säuren, wie Kohlensäure, schweflige Säure, salpetrige Säure und in gewissen Fällen Salzsäure und Flußsäure.78) Eine bloße Verbrennung der Gase würde zu ihrer Unschädlichmachung nicht ausreichen; um diesen Zweck zu erreichen, verdichtet man die Dämpfe erst und verbrennt dann die nicht verdichteten. Wird diese doppelte Operation gut geleitet, so entweichen fast nur Kohlensäure und schweflige Säure in den Schornstein, welche beide die am wenigsten schädlichen Gase sind.

Die Einrichtungen zur Erreichung dieses Zweckes haben wir am verständigsten bei Lawes zu Deptford gesehen. Alle Gase werden durch einen energischen Luftstrom aus der Mischtrommel in ein Bleirohr gerissen, in welches man Wasserdampf einblasen läßt. Eine beträchtliche Menge derselben und besonders die salpetrige Säure, Salzsäure und Flußsäure werden condensirt und fließen in einen Arm der Themse, die bei der Fabrik vorbeigeht. Die nicht condensirten (meist organischen) Gase treten unter den Rost des Feuerherdes, wo die brennende Kohle die Arbeit des Wasserdampfes vollendet. Diesen Mitteln ist es zu danken, daß die 50,000 Tonnen (1 Million Centner) Dünger, welche Lawes jährlich in den Handel bringt, inmitten einer volkreichen Stadt fabricirt werden, ohne Beschwerden hervorzurufen. Man trifft in der Fabrik von Lawes nur jenen schwachen Geruch, welcher bei der Behandlung animalischer Substanzen unvermeidlich ist, und man kann annehmen, daß er ohne Nachtheil für die Gesundheit ist.

Die Fabrication von künstlichen Düngern anderer Art ist ganz unbedeutend. Wir kennen nur einen einzigen Ort, nämlich Hyde bei Asthon, wo Excremente einer chemischen Behandlung unterworfen werden. Man mischt sie mit ölhaltigen Abfällen und gewöhnlichem Salz, und unterwirft sie einer trockenen Destillation. Der feste Theil wird den Landwirthen verkauft, während die hinreichend concentrirte Flüssigkeit zur Bearbeitung der rohen Wolle, des Flachses etc. benutzt wird. An verschiedenen Punkten fabricirt man auch geringe Quantitäten Dünger aus den flüssigen Abgängen der Abzugscanäle.79) (Aus dem Bericht des Ingenieurs de Freycinet a. a. O.)

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Die salpetrige Säure rührt von der unreinen Schwefelsäure her, welche große Mengen Salpetersäure in Lösung enthält, während die Salzsäure und die Flußsäure sich aus den Chlor – und Fluorverbindungen entwickeln, die häufig den natürlichen Phosphaten beigemengt sind.

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Uebrigens werden in England auch große Mengen von Ammoniaksalzen als Dünger verwendet, s. polytechn. Journal Bd. CLXX S. 231.

A. d. Red.

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