Titel: In England getroffene Vorsichtsmaßregeln bei der Leuchtgasfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 4 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi04_4

In England getroffene Vorsichtsmaßregeln bei der Leuchtgasfabrication.

Die in Berücksichtigung der Gesundheit in England getroffenen Maßregeln umfassen a) die Reinigung des zum Verbrauch zu liefernden Gases und b) die Beseitigung der üblen Gerüche, welche sich bei der Reinigung der Apparate verbreiten.

Die Verfahren zur Reinigung des Leuchtgases unterscheiden sich wenig von den auf dem Continent üblichen, indessen hat man in letzter Zeit einige neue Mittel versucht. Eines derjenigen, welche die besten Resultate zu geben scheinen, ist eine Lösung von Bleiglätte in caustischem Natron. Man tränkt darin Sägespäne, mit denen man die letzten Spuren Schwefelwasserstoff entfernt. Dieses Pulver nimmt in der Luft einige Stunden nach dem Gebrauch seine Farbe und seine ursprünglichen Eigenschaften wieder an und kann so für eine Campagne von acht bis zehn Monaten dienen. In Littleborough, einer kleinen Stadt bei Manchester, wo jene Substanz von Newall angewendet wird, geht nach den Angaben des Dr. Angus Smith das Gas unabhängig von den Kühlapparaten und dem Condensator 1) durch eine Mischung von schwefelsaurem Eisenoxydul und Soda, 2) durch Kalk, 3) durch neun auf einander folgende, je vier Centimeter dicke Schichten Sägespäne, die in oben angegebener Weise präparirt sind. Die Reinigung schien uns vollkommen zu seyn, obgleich durch den letzten Kasten schon 20,000 Kubikmeter Gas pro Quadratmeter Fläche seit der letzten Wiederbelebung gegangen waren.

Bezüglich der Reinigung der Apparate ist das interessanteste Verfahren, welches wir sahen, das der City gazworks-Comp. zu London. Dieses Etablissement, welches während des Winters täglich mehr als 100,000 Kubikmeter Gas erzeugt, mußte große Vorsichtsmaßregeln anwenden, damit es zu Blackfriars-Bridge, einem der volkreichsten Stadttheile, geduldet wurde. Durch Erwägungen, die den Rücksichtnahmen auf die Gesundheit fern liegen, wurde man dahin geführt, das Gas mittelst einer durch Dampf getriebenen Saug- und Druckpumpe in Circulation zu setzen. Der geschickte Director, Herr Mann, benutzt diese Einrichtung seit einigen Jahren zur Desinficirung der Reinigungsapparate; dieselben bestehen aus zwei großen Cylindern (man stellt noch drei auf), die mit nassen Kohks gefüllt sind, und aus fünf großen Kästen mit Kalk und Eisenoxyd. Wenn man die erschöpften (ausgenutzten) Substanzen aus den Kästen herausnehmen will, läßt man erst einen Strom gereinigten Gases durchgehen, den die Maschine aus den Gasometern entnimmt und in dieselben durch einen besonderen kleinen Kasten mit frischem Oxyd wieder zurücktreibt.76) Nach etwa fünf Stunden einer solchen Reinigung |323| mittelst Gas überzeugt man sich, ob der Strom aus den Reinigungsapparaten eben so rein herauskommt als er hineingegangen ist, und kann dieselben alsdann ohne die geringste Unannehmlichkeit entleeren, da jeder Geruch verschwunden ist. Das Verfahren zur Desinficirung der Cylinder ist zwar ein anderes, jedoch eben so einfaches. Am oberen Theil befindet sich eine Oeffnung, in deren Mitte ein vom Dampfkessel kommender Dampfstrahl eintritt. Die hierdurch zuströmende äußere Luft durchstreicht den Cylinder von oben nach unten, geht dann durch ein Rohr in einen Kasten mit Eisenoxyd und gelangt endlich oberhalb der Nachbardächer in die Atmosphäre. Unter dem doppelten Einfluß der Luft und des Dampfes werden die Kohks erwärmt und von Ammoniak, von Schwefelwasserstoff, wie von den übrigen Unreinigkeiten befreit. Dieser Einrichtung ist es zu danken, daß die Fabrik seit mehreren Jahren durchaus keinen Anlaß zu Klagen gegeben hat, obgleich sie von den anderen Häusern nur durch sehr enge Straßen getrennt ist. (Aus dem Bericht des Ingenieurs de Freycinet an den französischen Minister für Handel etc. „über die in England angewendeten Mittel zur Beseitigung der für die Gesundheit nachtheiligen Einflüsse einzelner Fabriken und Gewerbe“, in den Annales des mines, 1864, t. V p. 1; übersetzt in den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1864 S. 153.)

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Man hat versucht, mittelst eines Stromes atmosphärischer Luft zu desinficiren; die Oxydation des Schwefels erzeugte aber in den Kästen eine für die Erhaltung derselben nachtheilige Temperaturerhöhung.

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