Titel: E. Schultze's weißes Schieß- und Sprengpulver.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 6 (S. 323–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi04_6

E. Schultze's weißes Schieß- und Sprengpulver.

Mit dem von dem königl. preußischen Artillerie-Hauptmann E. Schultze erfundenen, in Deutschland, Frankreich, England, Italien und Amerika patentirten und in Potsdam fabrikmäßig angefertigten weißen Schieß- und Sprengpulver sind vielfache Versuche durch die königl. Bergwerke in Oberschlesien, im Sächsischen, am Rhein, sowie bei den Durchbruch-Arbeiten des Mont Cénis vorgenommen, welche die Thatsache geliefert haben, daß das neue Pulver die Concurrenz mit dem bisher gebrauchten alten schwarzen Pulver nicht allein aufnehmen kann, sondern auch im Stande ist, durch seine bedeutenden Vorzüge, die es vor dem schwarzen Pulver hat, dasselbe mit der Zeit vollständig zu verdrängen. – Die Vorzüge des neuen Sprengpulvers, im Vergleich zu dem alten Pulver, bestehen in Folgendem: 1) Bei gleichem Krafteffect ist das Gewicht des neuen Sprengpulvers bedeutend geringer als das des alten, und zwar beträgt ersteres 2/5 bis 1/3 des letzteren. Wo, beispielsweise, zur Sprengladung im Gestein 20 Loth vom schwarzen Pulver erforderlich sind, reichen 6 bis 8 Loth von dem neuen Sprengpulver aus. 2) Die aus dem alten schwarzen Pulver entstehenden und der Respiration so wie überhaupt der menschlichen Gesundheit so sehr nachtheiligen dicken und die Atmosphäre verfinsternden Dämpfe entwickeln sich aus dem neuen Pulver nicht, und können die beim Verbrennen des letzteren sich erzeugenden Gase, die allein Sauerstoff, Stickstoff, Wasserdampf und Kohlensäure in kaum bemerkbaren Quantitäten enthalten, um so weniger in Betracht kommen, als solche durchsichtig sind und keinen nachtheiligen Einfluß auf den menschlichen Körper haben, Vortheile, die namentlich bei Grubenarbeiten von hoher Wichtigkeit sind. 3) Der Rückstand beim Verbrennen des neuen Pulvers ist höchst gering. Dieß ist besonders wichtig für die Sprengarbeiten in den Salzbergwerken, da die Salzwände bei Anwendung des neuen Sprengpulvers |324| ohne schwarzen Belag bleiben, das verarbeitete Salz also reiner ausfällt. 4) Ein wesentlicher Vortheil des neuen Pulvers gegen das schwarze ist ferner der, daß der Transport sowie das Aufbewahren desselben ohne Gefahr bewerkstelligt werden kann. Es ist nur nöthig, dasselbe anzufeuchten, und jede Gefahr der Explosion wird dadurch vermieden. Soll dasselbe sodann verbraucht werden, so hat man es nur zu trocknen; die gehörige Kraft ist wieder da, und durch Berührung eines Funkens tritt wiederum die Explosionsfähigkeit ein. Wiederholtes Anfeuchten und Trocknen einer und derselben Quantität des Pulvers entzieht demselben durchaus nicht die ihm eigenthümliche Kraft; im trockenen Zustande ist die Kraft unverändert gleich stark. Das Trocknen selbst ist mit gar keinen Schwierigkeiten verknüpft. In einem geschlossenen, durch Dampfröhren bis zu 40 bis 50° R. erhitzten Raume kann dasselbe mit Leichtigkeit geschehen, sogar an der freien Luft kann das Trocknen vor sich gehen. Dadurch sind einerseits die Consumenten in den Stand gesetzt, größere Vorräthe von Pulver ohne jede Gefahr aufzubewahren und nur den alltäglichen oder wöchentlichen Bedarf daraus zu entnehmen und zu trocknen; andererseits sind dieselben davor sicher gestellt, daß das Pulver bei längerem Lagern total seine Kraft und seinen Werth verlieren kann, wie dieß beim schwarzen Pulver der Fall ist, wenn übermäßige Feuchtigkeit eindringt.

All' diese angeführten Vorzüge des neuen Pulvers, die thatsächlich sich erwiesen haben, sind allein schon im Stande, dem schwarzen Pulver den Rang streitig zu machen. Der Preis des Pulvers, für jetzt 34 Thaler per Centner Netto, ist an und für sich ein höherer, als der des schwarzen Pulvers; doch wird bedeutende Ersparniß dadurch erzielt, daß bei der Verwendung ein beträchtlich geringeres Quantum dieses Pulvers nöthig ist, um ganz gleiche Kraft, wie die des schwarzen Pulvers hervorzubringen. Würde man z.B. zu einer Sprengung 1 Centner altes schwarzes Pulver nöthig haben, so gebraucht man von dem neuen Pulver nur höchstens 33 1/3 bis 40 Pfund und die Wirkung ist eine ganz gleiche. Während der Centner des schwarzen Pulvers circa 15 Thaler kostet, stellt sich der Preis für das Quantum des gleichen Krafteffects beim chemischen Pulver nur auf 11 bis 13 Thaler. Durch die bisher vorgenommenen Versuche hat sich sehr oft sogar noch ein weit günstigeres Resultat für letzteres herausgestellt. Es wurden mitunter nur gegen 30 Pfund statt eines Centners schwarzen Pulvers verwendet. Was das Verfahren beim Gebrauch des Pulvers betrifft, so gelten dafür dieselben Regeln, wie beim schwarzen Pulver. Es bedarf keiner Kosten veranlassenden Umwandlung, noch Anschaffung anderer Zündmassen oder besonderer Vorsichtsmaßregeln.

Vorstehendes wolle der Leser als den Inhalt eines von den Fabrikanten Eduard Schultze und Comp. zu Potsdam ausgegeben Circulars betrachen. Die Fabrikanten fügen übrigens die Offerte hinzu, daß sie zu Versuchen kleinere Quantitäten des neuen Pulvers zu überlassen bereit seyen, wie auch andere Erleichterungen beim Gebrauch des Pulvers – als Bau des Trockenraumes, Trocknen des Pulvers etc. – gewähren wollen.

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