Titel: Verfahren zur Darstellung von Anilingrün.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 7 (S. 324–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi04_7

Verfahren zur Darstellung von Anilingrün.

Da das Aldehyd, welches zu der nachstehend beschriebenen, kürzlich in England patentirten Methode der Anilingründarstellung benutzt wird, für diesen Zweck nicht rein genug im Handel zu haben ist, so wird es zunächst dadurch dargestellt, daß 350 Th. Schwefelsäure mit 150 Th. Wasser gemischt und nach dem Abkühlen 320 Th. käuflicher Alkohol von 90° Tralles zugesetzt werden. Diese Mischung wird in ein gläsernes oder irdenes Gefäß gebracht, das am Boden mit einem Hahne versehen ist und aus dem man sie allmählich in ein Glasgefäß ausfließen läßt; letzteres ist mit einer Oeffnung zum Einführen eines Glastrichters versehen und enthält 300 Th. doppelt-chromsaures Kali in kleinen Stücken und 150 Th. Wasser. Es wird dann im Wasser- oder Sandbade oder über offenem Feuer erhitzt und die entweichenden Stoffe in ein Gefäß mit Wasser und einer Schlangenröhre geführt. Das so dargestellte Aldehyd wird zweimal rectificirt mittelst eines gläsernen oder irdenen, mit einem Hahne versehenen Gefäßes, aus dem die entweichende Masse ebenfalls in ein Gefäß mit kaltem Wasser und einer Schlangenröhre gelangt.

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Zur Darstellung der grünen Farbe wird dann in einem geradhalsigen Kolben 1 Th. krystallisirtes Fuchsin mit einer Mischung von 1 1/2 Th. Schwefelsäure und 1/2 Th. kaltem Wasser übergossen, unter mäßiger Hitze gelöst, abgekühlt und dazu 4 Th. von dem nach obiger Weise dargestellten Aldehyd zugesetzt. Die Lösung nimmt sofort eine violette Farbe an; der Kolben wird im Wasserbade erhitzt, indem man ihn am Halse hält; in wenigen Minuten nimmt die Flüssigkeit eine blaue Farbe an, worauf man den Kolben vom Feuer entfernt. Zur Prüfung wird nun ein Tropfen von der Flüssigkeit in etwas Wasser gebracht, das mit Schwefelsäure angesäuert ist; beim Daraufblasen muß eine schöne reine blaue Farbe entstehen. Erscheint das Wasser violett oder mit einer violetten Nuance, so muß der Kolben so lange in's Wasserbad zurückgebracht werden, bis die blaue Farbe erscheint. Ist dieß der Fall, so wird in den Kolben kochendes Wasser und gleichzeitig unterschwefligsaures Natron gegossen, das Ganze umgerührt und durch ein Zeugfilter filtrirt, welches, um die Berührung des Zeuges mit Unreinigkeiten zu vermeiden, mit Papier ausgefüttert ist. Die Rückstände werden bis zur völligen Lösung mit kochendem Wasser übergossen. Das Filtrat wird 24 Stunden ruhig gelassen, dann wird zum zweitenmale filtrirt und das Filtrat mit Chlorzink von 53° Baumé und einer Sodalösung von 17° B. gefällt. Hierauf wird nochmals filtrirt und die auf dem Filter zurückbleibende Masse ist der grüne Farbstoff, der in einem Ofen bei 30–58° C. getrocknet und dann gepulvert wird. (Deutsche Industriezeitung, 1864, Nr. 45.)

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