Titel: Neue Wäschereinigungsverfahren und Waschmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 8 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi04_8

Neue Wäschereinigungsverfahren und Waschmittel.

Von Zeit zu Zeit werden neue Verfahrungsweisen der Wäschereinigung empfohlen und versucht; unsere deutschen Hausfrauen versuchen sie auch, kehren aber gewöhnlich wieder zu ihrer geübten Handwäsche zurück, weil sie in der Art der Gewebesubstanz der Wäsche und dem Grade des Unreinseyns einen wenig begrenzten Unterschied machen. Während die gröbere Wäsche im Allgemeinen ein starkes Tractiren mit der Hand nöthig macht, so ist dieselbe Behandlung der feineren Wäsche nachtheilig, und gerade für die feinere Wäsche sind die in den letzten Jahren empfohlenen Reinigungsmethoden von ökonomischem Werthe. Wir werden diese hier anführen und beurtheilen.

Vor ungefähr 12 Jahren empfahl der Apotheker Chapoteaut in Decise folgendes Verfahren. 2 Pfd. Seife werden in einigen Pfunden heißem Regenwasser gelöst und die Lösung bis auf 100 Pfd. (45 preuß. Quart) mit lauwarmem Regen- oder anderem weichen Wasser verdünnt. Dann soll eine gut durchschüttelte Mischung aus 1 Loth Terpenthinöl und 2 Loth Salmiakgeist unter Umrühren zugemischt werden. In das noch warme Gemisch wird die Wäsche 4–6 Stunden hindurch eingeweicht. Dann wird Stück für Stück Wäsche zwischen den Händen gerieben und in weichem Wasser ausgespült. Außer der bekannten Wirkung der Seife soll das Terpenthinöl die eingetrockneten fettartigen Unreinigkeiten erweichen, der Salmiakgeist die Farbstoffe und Fettsäuren des Schweißes neutralisiren und löslicher in der Seifenlösung machen. Diese chemische Berechnung hat sich auch bewahrheitet, jedoch ist das Maaß des Zusatzes von Terpenthinöl und Salmiakgeist nur für eine wenig schmutzige Wäsche ausreichend und muß für eine schmutzigere und schweißigere Wäsche vermehrt werden. Wirksamer hierbei soll in Stelle des Terpenthinols ein gutes nicht stinkendes Benzin (Benzol) oder Erdöläther seyn.

Dieses Wäschereinigungsverfahren kann, richtig angewendet, nicht verworfen werden, weil es in der That ganz vortreffliche Resultate liefert.

Als ein Seife ersparendes Reinigungsmittel der Wäsche wurde das Wasserglas, eine wässerige Auflösung des kieselsauren Natrons, empfohlen; es hat jedoch nicht den Anklang gefunden, welchen man erwartete, weil es im Ganzen nicht mehr leistete, wie die Soda, ohne dem Verhältniß nach billiger im Einkauf zu seyn.

In neuerer Zeit ist eine Substanz zum Waschen der Weißwäsche empfohlen worden, welche alle Beachtung verdient und der vielgebrauchten Soda vorzuziehen ist. Es ist dieselbe der Borax. Für grobe Weißwäsche angewendet ist er jedoch nicht wirksam genug und auch zu theuer, aber für feine Weißwäsche vorzüglich, besonders weil er die Wäsche nicht gelb macht, wie die Soda. 1 Pfd. Borax wird in circa 150 Pfd. (70 |326| Quart) heißem Regenwasser gelöst und in der warmen Lösung die Wäsche 5–10 Stunden eingeweicht, dann Stück für Stück mit der Hand und Seifenwasser durchwaschen. Die Wirkung des Borax besteht darin, fettige und harzähnliche Substanzen, die von der Soda kaum angegriffen werden, zu lösen, im übrigen aber wie Soda zu wirken, ohne dabei auf die Zeugfaser im geringsten einen schädlichen Einfluß auszuüben. Die Wirkung des Borax ist überraschend und er unterstützt eine bedeutende Ersparniß an Seife und Handarbeit. Ein Pfund Borax kostet ungefähr 10–12 Sgr.

Für die Wäsche gefärbter baumwollener, wollener und seidener Stoffe ist weder das eine noch das andere der oben angeführten Waschverfahren zu empfehlen, sogar im Allgemeinen abzurathen; aber auch für diese Stoffe hat die neuere Zeit zwei Reinigungssubstanzen aufgefunden, welche ein vorzügliches Resultat liefern und weder das Gewebe noch die Farbe alteriren.

Die beiden Reinigungssubstanzen sind das Glycerin und die Quillayrinde. Das Glycerin eignet sich nur für staubschmutzige Gewebe, besonders solche mit sehr zarten und empfindlichen Farben, die Quillayrinde aber, wegen ihres Reichthums an Seifenstoff, für schweißige, fett- und harzschmutzige Gewebe, besonders aber auch für alle Seiden-, Wollen- und Perlenstickerei.

Das Glycerin, welches man je nach seiner Reinheit zu 6–8 Sgr. das Pfund kaufen kann, hat die Eigenschaft, das Gewebe wie ein flüssiges Fett zu durchdringen, und dem Wasser, in welchem es wiederum leicht löslich ist, das Eindringen in das Gewebe und die Zeugfaser zu erleichtern. Man tränkt das Gewebe unter Drücken mit den Händen mit dem Glycerin, läßt es mehrere Stunden stehen und wäscht es dann mit weichem Wasser aus.

Quillay oder Quillayarinde oder südamerikanische Seifenrinde, die Rinde von Quillaja, saponaria Mol., ist mit schwärzlicher Borke bedeckt, innen gelblich und enthält dreimal mehr Seifenstoff als die bis jetzt angewendete Seifenwurzel. Sie ist deßhalb auch dreimal kräftiger in ihrer reinigenden Wirkung als letztere, und bietet den Vortheil, daß die aus ihr durch kaltes oder warmes Wasser ausgezogene Brühe wenig gefärbt ist. Diese Rinde (durch größere Drogueriehandlungen – das Pfund circa 12 Sgr. – zu beziehen) wird zerstückelt, mit kaltem oder lauwarmem Wasser (ungefähr der 20fachen Menge) übergossen, und 12–16 Stunden unter bisweiligem Umrühren stehen gelassen. Mit der dann abgeseiheten Brühe geschieht nun die Reinigung des Gewebes jeder Art oder der Stickerei. Je nach Beschaffenheit des zu reinigenden Stoffes weicht man entweder bloß ein und spült dann mit Wasser aus, oder man weicht ein und reinigt dann mit Hülfe einer Bürste oder durch Reiben zwischen den Händen und spült zuletzt mit reinem Wasser aus. Die Wirkung dieser Seifenrinde ist überraschend. (Aus den in Berlin erscheinenden „Industrie-Blättern.“)

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