Titel: Ueber Schwefelabgüsse; vom Grafen F. G. von Schaffgotsch in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 10 (S. 406–407)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi05_10

Ueber Schwefelabgüsse; vom Grafen F. G. von Schaffgotsch in Berlin.

Der reine Schwefel ist wegen seiner großen Sprödigkeit zum Abformen und Abgießen wenig geeignet, wird es aber in hohem Grade durch innige mechanische Mischung mit allerhand pulverförmigen Stoffen, welche im geschmolzenen Schwefel selbst ungeschmolzen und ohne chemische Wirkung bleiben. Je dichter das Pulver zusammensinkt, d.h. je näher sein scheinbares Volumen dem wirklichen kommt, um so mehr davon läßt sich dem geschmolzenen Schwefel einverleiben, ohne dessen Dünnflüssigkeit zu beeinträchtigen.

Schon vor 300 Jahren benutzte J. B. Porta ein Gemenge von Schwefel mit Bleiweiß, zu Siegelabdrücken (man setze dessen: Magia naturalis unter der Ueberschrift: sigillum mentiri). In neuester Zeit hat man als Zusätze Eisenoxyd zum Festkitten der telegraphischen Isolirkappen, und Glas zum Bau der Schwefelsäurekammern |407| genommen, letztere Mischung auch eines besonderen griechischen Namens (Zeiodelit) gewürdigt und zu vielerlei plastischen Zwecken empfohlen, was sie auch wegen ihrer Gestaltsamkeit, Härte, Politurfähigkeit und Luftbeständigkeit gewiß verdient.

Vielfache Versuche, welche ich mit ähnlichen Schwefelgemischen anstellte, hatten, da es mit nicht sowohl auf Abformen durch Druck als auf Abgießen ankam, den Zweck, haltbare Massen von gutem Ansehen und einer Dünnflüssigkeit zu liefern, wie sie zum Eindringen in die Gußform, zum Guß dünner Platten und besonders auch zur Vermeidung eingeschlossener Luftblasen durchaus erforderlich ist; daher war die Gewichtsmenge des Schwefels verhältnißmäßig groß.

Als Gußform diente mit Stanniol, über eine Denkmünze oder ein Siegel gebürstet und je nach Benutzung der unteren oder, oberen Fläche einen positiven oder negativen Abguß liefernd. Das Zusammenschmelzen geschah über freiem Feuer in gestielten 1/8 Quart fassenden Gießkellen (Casserolen) von Gesundheitsgeschirr unter beständigem, nicht plätscherndem Rühren mit einem hakenförmigen starken Eisendraht; die gleichmäßig gemischte Masse wurde auf Eisenplatten zu dünnen, leicht zerschlagbaren Kuchen ausgegossen. Das Umschmelzen behufs der Abgüsse wurde ebenso vorgenommen und die bisweilen eintretende Entzündung des Schwefels durch Zudecken des Gefäßes sofort beseitigt. Da der überhitzte geschmolzene Schwefel steif wird, so muß man beim Guß die Erkaltung so weit abwarten, daß die Masse vom herausgehobenen Eisendraht dünn wie Wasser abtropft. Eine mäßige Ueberhitzung, namentlich der Gefäßwände, ist übrigens zur Beschleunigung des Schmelzens rathsam.

Folgende 4 Vorschriften haben sich mit nach vielem Probiren bewährt: 1) 25 Theile Schwefel, 15 Theile Quarzmehl (von der Josephinenhütte) und 4 Theile Zinnober, zusammen 44 Theile. 2) Ebenso, nur statt des Zinnobers Chromoxyd. 3) Gleiche Theile Schwefel und Braunstein. 4) 14 Theile Schwefel, 7 Theile Braunstein, 5 Theile beste Smalte und 2 Theile Zinnober, zusammen 28 Theile.

Mischung 1) ist hübsch roth, 2) dunkelgrün, 3) schwarzgrau, halbmetallisch, 4) chokoladenbraun, halbmetallisch und, wenn schwach benetzt, vollkommen brauchbar als Petschaft.

Außerdem habe ich noch eine lebhaft rothe geschmolzene Mischung aus gleichen Theilen Schwefel und Zinnober dargestellt, um damit den Abgüssen nach Vorschrift 2) eine gesprenkelte Oberfläche zu geben. Die gepulverte und fein gesiebte Mischung streuete ich ganz dünn und unregelmäßig in die noch leere, auf ein Kupferblech gelegte Stanniolform, schmolz sie darin durch vorsichtiges Erhitzen des Blechs fest und goß nach dem Erkalten die grüne Masse darauf. Dergleichen gesprenkelte Abgüsse ähneln dem Blutjaspis oder Heliotrop und zeigten sich einer echten Goldfassung, z.B. als Stockknopf oder Broche nicht unwerth.

Metallglänzende Schwefelmetalle, wie Bleiglanz, Schwefelkies, Kupferkies und Musivgold (Zinnsulfid) dürften wohl auch mit Schwefel brauchbare Gemenge liefern, doch weiß ich darüber nichts aus Erfahrung.

(Jacobsen's chemisch-technisches Repertorium, 1864, I. Halbjahr, S. 4.)

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