Titel: Bessemer's neueste Verbesserungen seines Stahlbereitungsprocesses.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 5 (S. 402)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi05_5

Bessemer's neueste Verbesserungen seines Stahlbereitungsprocesses.

Bei dem bisher üblichen Verfahren wird das zu entkohlende Roheisen zuvor in einem Flammofen umgeschmolzen, wobei, wie beim Feinen des Roheisens, ein Theil Kohlenstoff verloren geht, während sich ein Schwefelgehalt anreichert.

Die erste Verbesserung bezweckt nun eine vollständigere Entfernung des Schwefels, Verminderung des Kohlenverlustes und Ersparung an Brennmaterial beim Umschmelzen des Roheisens. Man wendet einen Flammofen von der allgemeinen Construction eines Roheisenumschmelzofens an, nur daß das Ende, welches dem Schornstein am nächsten, noch mit einem zweiten Herde mit flachem Boden versehen ist, durch welchen die Flamme und die Feuergase zum Schornstein gelangen. Dieser zweite Herd bildet eine einfache Verlängerung der Bank, auf welcher ein Theil des Metalles geschmolzen wird; durch Herabziehen des Gewölbes ist der Fuchs zwischen beiden Herden verengt. Die Sohle des zweiten Herdes wird beweglich gemacht, um das Metall mit Leichtigkeit in den Bessemerofen entleeren zu können. Wenn das auf dem ersten Herde befindliche Roheisen geschmolzen ist, so muß das auf dem zweiten befindliche nur in starker Hitze seyn. Letzteres wird sodann noch fest in den Bessemerofen gebracht und ersteres gleichzeitig in denselben abgestochen. Man richtet die Birne alsdann auf und leitet in gewöhnlicher Weise Luft zu.

Soll Stahl erzeugt werden, so hört man auf zu blasen, wenn der gewünschte Entkohlungsgrad eingetreten, oder man entfernt den Kohlenstoff ganz oder fast ganz und fügt je nach dem Härtegrade des Stahles eine größere oder geringere Menge flüssiges Roheisen zu. Hierzu eignet sich besonders Franklinitroheisen oder Spiegeleisen, dem man eine geringe Menge graues Roheisen mit 4–5 Proc. Silicium beigemengt.

Der andere Theil der Verbesserung soll auf eine Ersparung an Brennmaterial zielen und gleichzeitig die Abnutzung der Oefen vermindern, indem man die bewegliche Frischbirne selbst als Glüh – oder Schmelzapparat benutzt. Man bringt auf deren Sohle festes Brennmaterial, zündet es an, läßt die zum Verbrennen erforderliche Windmenge hinzu, setzt die Roheisenstücke entweder im rohen oder theilweise gefeinten Zustande auf den Brennstoff und bläst so lange, bis das Metall hinreichend stark erhitzt ist. Dann dreht man die Birne um und fügt etwas geschmolzenes Roheisen aus einem benachbarten Schmelzofen oder aus einer Gießkelle hinzu. Sodann wird etwa unverbrannt gebliebenes Brennmaterial aus der Mündung der Birne ausgeräumt, diese aufgerichtet und Gebläseluft in gewöhnlicher Weise hinzugeleitet. (Mining and smelting Magazine, vol. VI, No. 32, p. 85; berg- und hüttenmännische Zeitung, 1864, Nr. 42.)

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