Titel: Bildung von Eisenerzen durch Thiere.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 6 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi05_6

Bildung von Eisenerzen durch Thiere.

Der Naturforscher Herr Syogrun hat in Schweden (Provinz Laland) eine interessante Bildung von Eisenerzen durch kleine im Süßwasser lebende Thierchen (Gallionella ferruginea) |403| in einem See, dessen Wasserspiegel bedeutend unter sein gewöhnliches Niveau gefallen war, beobachtet.

Er bemerkte nämlich in einer kleinen Vertiefung des Seegrundes Thierchen von verschiedener Größe, theils mit freiem Auge, theils nur unter dem Vergrößerungsglase sichtbar. Aehnlich dem Seidenwurme, waren sie eifrigst damit beschäftiget, sich durch Absonderung einer Substanz aus Fäden von schwarzer und weißer Farbe ein Gehäuse zu bilden, welches in der Mitte eine Oeffnung hatte, aus deren Centrum das Thierchen die Fäden strahlenförmig bis zur Vollendung des Gehäuses absonderte. Nahm man eines dieser Kügelchen mit etwas Wasser auf die Hand, so konnte man das Thierchen deutlich arbeiten sehen, ließ man jedoch das Wasser abfließen, so nahm es eine flache Form an, und die schwachen Bewegungen hörten nach einigen Augenblicken für immer auf.

Diese flach geformten Massen, an denen man bei sorgfältiger Beobachtung das versteinerte Thierchen leicht an Form und Farbe erkennen kann, bilden das sogenannte „See-Erz,“ welches in regelmäßigen Schichten von circa 660 Fuß Länge, 17 bis 33 Fuß Breite und 8–33 Zoll Dicke, an ruhigen Stellen des Seegrundes (ohne Strömung) vorkommt.

Es besteht aus 20–60 Procent Eisenoxyd und Manganoxyd, 10 Procent Chlor, etwas Phosphorsäure, außerdem kieselsaurer Thonerde und etwas Quarzsand mechanisch beigemengt.

Es ist einleuchtend, daß diese Thierchen den Eisengehalt aus den im Wasser gelösten Eisenverbindungen und erdigen Bodenbestandtheilen entlehnen, weßhalb sie nur dort vorkommen, wo diese Salze in hinreichender Menge gelöset sind und außerdem das Wasser ruhig ist.

Ihrer chemischen Bestandtheile wegen, die beim Schmelzprocesse wesentlich zur Bildung einer dünnflüssigen Schlacke beitragen, werden diese Erze gerne als Zuschlag zum eigentlichen Erzsatze verwendet und sind bei schwedischen und russischen Eisenwerken sehr geschätzt.

Die Gewinnung dieser Erze geschieht im Spätherbste, wenn das Wasser des Sees mit einer 2–3 Zoll dicken Eisschichte bedeckt ist. Man sticht kleine Löcher in das Eis an Stellen wo das Wasser am niedrigsten ist, und sondirt den Grund mit einer langen Eisenstange, wobei man nach dem Klange derselben, den sie beim Aufstoßen von sich gibt und nach dem an die Oberfläche geschafften Gemenge erkennt, ob an dieser Stelle des Seegrundes Erze vorhanden sind. Die Grenze des Erzlagers wird auf diese Weise untersucht und mit Zweigen markirt.

Einige Monate darauf, wenn das Eis hinreichend dick geworden ist, wird durch eine Oeffnung von circa 3 Fuß Durchmesser mit einem Haken das Gemenge von Erz, Sand und Thon gelockert und in einem an einer langen Stange befestigten Siebe herausgezogen.

Ein Arbeiter kann eine halbe Tonne Erz per Tag gewinnen, wobei jedoch viel auf seine Geschicklichkeit und Erfahrung ankömmt.

In manchen Seen ersetzt sich das Erz nach Verlauf von etwa 26 Jahren zu einer ebenso mächtigen Schichte. (Practical Mechanic's Journal, Juli 1864; Zeitschrift des österreichischen Ingenieurvereins, 1864 S. 201.)

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