Titel: Die Anfertigung der Graphitschmelztiegel in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 7 (S. 403–405)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi05_7

Die Anfertigung der Graphitschmelztiegel in England.

Auf der Londoner Ausstellung vom Jahre 1862 hatte auch die Patent Plumbago Crucible-Company eine Sammlung ihrer Producte ausgestellt, die sich in England und außerhalb täglich einen größeren Ruhm und Absatz verschafft haben. Bekanntlich werden die Graphittiegel bei uns in Deutschland vorzugsweise in Bayern angefertigt, wo bei Passau guter Thon und Graphit gegraben werden. Diese sogenannten Passauer Tiegel haben sich schon seit langer Zeit einen guten Namen erworben, indem sie durch die Beimengung des Graphits sehr starke Hitzegrade aushalten, nichleicht springen und vor Allem wegen der Glätte ihrer inneren Wände ein sehr vollständiges Ausgießen des Inhalts gestatten, was besonders bei edlen Metallen von Wichtigkeit ist. Man wendet daher die Graphittiegel vorzugsweise gern in Münzwerkstätten |404| an. Ungeachtet ihres ziemlich hohen Preises kommt ihr Gebrauch doch nicht zu hoch zu stehen, da sie eine ganze Anzahl Schmelzungen aushalten. Sie werden meist nur schwach gebrannt oder scharf getrocknet in den Handel gebracht, und erhalten ihre Festigkeit meistens bei ihrer ersten Verwendung zum Schmelzen. England, das einen Ueberfluß an den besten feuerfesten Thonen besitzt, bezog die Graphittiegel bis vor wenig Jahren fast ausschließlich aus Deutschland, da der in England vorkommende Borrowdaler Graphit, so ausgezeichnet er für Bleistifte sich erwies, für diese Verwendung zu theuer war. Jetzt importirt es sehr große Mengen des schönen Graphits von Ceylon und mit Hülfe desselben werden denn jetzt auch von der oben genannten Gesellschaft vortreffliche Graphittiegel in London selbst angefertigt.

Die betreffende Fabrik liegt an der Themse auf dem südlichen Ufer zu Battersea; die schmale Straße, die von der Batterseabrücke dorthin führt, zeigt, je näher wir kommen, einen immer dunkleren Glanz unter unseren Füßen.

Die Konsumtion des Ceylonischen Graphits in dieser Fabrik ist so groß, daß sie schon eine bedeutende Preissteigerung dieses Artikels hervorgebracht hat. Bei Gründung der Fabrik kostete er 10 Pf. St. per Tonne (3 Thlr. 10 Sgr. per Ctr.), jetzt mehr als noch einmal so viel. Dieß hat in Ceylon selbst eine rasche Vermehrung der Graphitgräbereien herbeigeführt, trotzdem daß eine Abgabe von 14 Shilling per Tonne erhoben wird. Im Jahre 1862 wurden von Ceylon 40,895 Centner Graphit verschifft, von denen 34,730 Centner nach England giengen. Im Jahre 1863 hat sich die Production, wenn man nach der erhobenen Abgabe schließt, auf das 2 1/2 fache gehoben. Die oben gedachte Fabrik ist jedenfalls der bedeutendste Abnehmer für den Ceylonischen Graphit in England.

Die Fabrik enthält zuerst einen Mahlraum für die Materialien zur Tiegelfabrication. In einem Winkel sehen wir zwei schwere Kollersteine, welche die harten Klumpen vom getrockneten Thon zermalmen. Auf einer anderen Mühle wird der Graphit mit dem Thon gemischt.

Vor dem Vermahlen wird der Graphit durch Handarbeit gesiebt und dabei gleichzeitig sortirt und von den gröberen Verunreinigungen befreit. Nach dem Mahlen wird er durch einen Elevator in den oberen Stock gehoben und dort in Cylindersiebe, wie das Mehl in Sorten von verschiedener Feinheit, gebracht. Man sieht dort auch ein Cylindersieb, das mit der feinsten seidenen Müllergaze bespannt ist. Was hier durchfällt, wird als Zusatz zu Schmieren zur Vermeidung der Reibung bei hölzernen Maschinentheilen (den Zähnen der Kammräder z.B.) benutzt.

Im ersten Stock finden wir ferner den Raum, wo die Masse (das Metall) zu den Tiegeln aus den verschiedenen Thon- und Graphitsorten gemischt wird. Rings um den Raum ziehen sich Verschläge, in denen die einzelnen Thon- und Graphitsorten enthalten sind. Das Verhältnis der Mischung, auf welches viel ankommt, wird als Fabrikgeheimniß betrachtet. Vorzugsweise der berühmte Thon von Stourbridge wird angewendet. Nachdem die Mischung im trockenen Zustande geschehen, wird sie mäßig angefeuchtet und behufs der gleichmäßigen Durchfeuchtung einige Zeit liegen gelassen. Man bringt sie alsdann in einen Thonschneider, in welchem sie sehr gleichmäßig durchgearbeitet wird, formt sie dann in Blöcke und läßt diese mehrere Wochen lang in einem Keller lagern. Man weiß von der Porzellanfabrication, wie viel dieses Lagern zur Erhöhung der Plasticität und zur Verbesserung der Masse beiträgt.

Der Drehraum, wo die Tiegel geformt werden, unterscheidet sich von dem jeder anderen Töpferei nur durch den gleichmäßigen dunkelgrauen Ton, den alle Gegenstände in demselben zeigen. Die Töpferscheiben, die auf beiden Seiten des Zimmers an der Wand stehen, werden mittelst Dampf getrieben. Der Arbeiter nimmt die nöthige Quantität Masse, schneidet sie in der Mitte (mittelst eines Drahtes mit zwei Knebeln) durch und schlägt die beiden Hälften nach dem Umkehren derselben wieder mit Gewalt auf einander. Auf diese Art kommen die abgetrockneteren äußeren Theile nach innen. Diese Operation wird so oft wiederholt bis die Masse durchaus gleichmäßig knetbar ist. Er schlägt sie dann auf die obere Scheibe und drückt sie mit seiner nassen Hand zu einem Conus. Durch das Ausziehen und Wieder-Zusammendrücken desselben sucht er alle Luftblasen zu entfernen, worauf die Masse endlich die Form des Tiegels unter seinen Händen annimmt. Ein querüber gespannter Draht gibt die genaue Höhe an, damit alle Tiegel gleichmäßig ausfallen. Andere Schmelztiegel werden nach oben zusammengezogen, nachdem das Innere derselben vollendet ist. Manche andere Gegenstände werden auch in Formen eingedrückt und so geformt. Zum Umschmelzen von |405| Zink, wahrscheinlich um Eisenbleche oder Draht zu verzinken, wurde ein Graphitgefäß angefertigt, das 5 Fuß lang und 1 1/2 Fuß breit war.

Die Tiegel kommen jetzt in die Trockenstube, durch welche, wie in den Porzellanfabriken, der obere Theil des Brennofens durchgeht, um so eine gleichmäßige Erwärmung zu erhalten. Sie müssen so lange trocknen, bis sie beim Anschlagen einen hellen metallischen Klang geben. Die Oefen ähneln den gewöhnlichen Steingutöfen, sie sind rund und laufen oben in eine Esse aus. Die Tiegel werden in Kapseln gebrannt, die in ganz ähnlicher Art, wie beim Porzellan oder Steingut in concentrischen Ringen im Ofen angeordnet sind, natürlich eine ganze Anzahl Kapseln übereinander, so daß der Boden der oberen Kapsel den Deckel der unteren bildet. Ohne diese Kapseln würde der Graphit an der Oberfläche verbrennen, und die Tiegel äußerlich weiß werden.

Ein nachträgliches Einreiben mit Graphit wird dadurch unnöthig gemacht.

Aus dem Ofen kommen die Tiegel in's Magazin oder zum Verpacken, was gewöhnlich in alten Zuckerfässern geschieht, die billig und haltbar sind. Sehr viele Tiegel gehen nach Turin und Wien in die dortigen Münzen. Kleinere Tiegel werden nicht gedreht, sondern über Formen von Buchsbaumholz geschlagen. Eine nicht geringe Menge Graphit wird auch unmittelbar zum Anstrich von Oefen, an die Eisengießereien zum Auspudern der Formen etc. verkauft. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 13.)

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