Titel: Circular-Erlaß des königl. preußischen Ministers für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, vom 1. December 1864 – betreffend den Nachtrag zu dem Regulativ über die Anlage von Dampfkesseln vom 31. August 1861.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 1 (S. 458–459)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi06_1

Circular-Erlaß des königl. preußischen Ministers für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, vom 1. December 1864 – betreffend den Nachtrag zu dem Regulativ über die Anlage von Dampfkesseln vom 31. August 1861.

Der §. 14 des Regulativs, betreffend die Anlage von Dampfkesseln vom 31. Aug. 1861 (im polytechn. Journal Bd. CLXIII S. 71) schreibt vor, daß jeder Dampfkessel, bevor er eingemauert oder ummantelt wird, einer Druckprobe mittelst Wasser unterworfen werden soll, welche bei Kesseln von Locomotiven und den nach Art derselben gebauten Schiffsdampfkesseln mit dem zweifachen, bei allen anderen Dampfkesseln mit dem dreifachen Betrage des dem Drucke der beabsichtigten Dampfspannung entsprechenden Gewichts auszuführen ist.

Gegen die Angemessenheit dieser letzteren Bestimmung haben die inzwischen gemachten Wahrnehmungen Bedenken ergeben. Nach Anhörung von sachkundigen Fachmännern und Revisionsbeamten über die bei Anwendung der Vorschrift gewonnenen Erfahrungen, habe ich in Uebereinstimmung mit der, von der überwiegenden Mehrzahl derselben ausgesprochenen Ansicht beschlossen, eine Minderung des anzuwendenden Druckes auf den zweifachen Betrag des dem Drucke der beabsichtigten Dampfspannung entsprechenden Gewichts eintreten zu lassen, und demgemäß unter dem heutigen Tage den Nachtrag (a) zu dem Regulativ vom 31. August 1861 erlassen.

Um etwaigen Zweifeln bei der Ausführung der neuen Vorschrift über die Druckprobe der Dampfkessel zu begegnen, bemerke ich, daß die Probe sowohl mit heißem, als auch mit kaltem Wasser vorgenommen werden kann, und daß ein Dampfkessel für undicht zu erachten ist, wenn bei Ausübung des höchsten Probedrucks das Wasser in anderer Gestalt, als in derjenigen von Perlen, Nebel oder Staub durch seine Fugen dringt. Es versteht sich im Uebrigen von selbst, daß nicht die einzelnen Theile eines Dampfkessels (Siederohr, Dampfdom etc.) jeder für sich der Prüfung zu unterwerfen sind, sondern daß bei Ausführung der Wasserprobe der zu prüfende Dampfkessel in allen seinen Theilen vollständig zusammengesetzt seyn muß.

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Ich habe außerdem Veranlassung genommen, eine Aenderung des Regulativs vom 31. August 1861 eintreten zu lassen, um die aus der bisherigen Fassung dieses Paragraphen wiederholt entstandenen Zweifel darüber zu beseitigen, ob es zulässig sey, die Dampfkraft des Kessels selbst zum Betriebe der Speisevorrichtungen zu benutzen.

Die in dem Nachtrage enthaltenen Abänderungen des Regulativs vom 31. August 1861 finden Anwendung auf alle Kesselprüfungen, welche nach dem Tage der Ausgabe des Amtsblattes, in welchem der Nachtrag abgedruckt ist, vorgenommen werden.

Berlin, 1. December 1864.

Der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten.
Graf von Itzenplitz.

a.

Nachtrag zu dem Regulativ, betreffend die Anlage von Dampfkesseln vom 31. August 1861.

Auf Grund der §§. 12 und 15 des Gesetzes, betreffend die Einrichtung gewerblicher Anlagen vom 1. Juli 1861 wird unter Aufhebung der §§ 9 und 14 des Regulativs, betreffend die Anlage von Dampfkesseln, vom 31. August 1861, an Stelle derselben Nachstehendes bestimmt:

§. 9. An jedem Dampfkessel muß ein Speiseventil angebracht seyn.

Jeder Dampfkessel muß mit wenigstens zwei zuverlässigen Vorrichtungen zur Speisung versehen seyn, welche unabhängig von einander, sey es durch die Dampfkraft des Kessels selbst, sey es durch eine andere Kraft in Betrieb gesetzt werden können, und von denen jede für sich im Stande seyn muß, dem Kessel das zur Speisung erforderliche Wasser zuzuführen. Mehrere zu einem Betriebe vereinigte Dampfkessel werden hierbei als ein Kessel angesehen.

§. 14. Jeder Dampfkessel muß, bevor er eingemauert und ummantelt wird, nach Verschluß sämmtlicher Oeffnungen und Belastung der Sicherheitsventile, mittelst einer Druckpumpe mit Wasser mit dem zweifachen Betrage des dem Drucke der beabsichtigten Dampfspannung entsprechenden Gewichts geprüft werden. Die Kesselwände und die Wände der Feuerzüge müssen dieser Prüfung widerstehen, ohne eine Veränderung ihrer Form zu zeigen und ohne undicht zu werden.

Diese Druckprobe muß wiederholt werden:

  • a) nach Reparaturen, welche in der Maschinenfabrik haben ausgeführt werden müssen;
  • b) wenn feststehende Kessel an einer anderen Betriebsstätte aufgestellt werden.

Berlin, 1. December 1864.

Der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten,
(gez.) Graf von Itzenplitz.

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