Titel: Englisches Verfahren, das Reißen der Thonwaaren zu vermeiden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 174/Miszelle 9 (S. 463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj174/mi174mi06_9

Englisches Verfahren, das Reißen der Thonwaaren zu vermeiden.

Um beim künstlichen raschen Trocknen von Thonwaaren, besonders von solchen, die aus ziemlich fettem Thon gemacht und daher dem Reißen sehr unterworfen sind, diesen Uebelstand zu vermeiden, verfährt man folgendermaßen. Die Gegenstände werden nämlich in eine möglichst eng damit zu füllende Kammer (in die man nöthigenfalls noch einige Gefäße mit Wasser bringt) gesetzt, die vollständig verschlossen wird. Man erwärmt nun die Kammer von außen und setzt dieß so lange fort, bis die sämmtlichen Gegenstände darin durch und durch eine ziemlich hohe Temperatur angenommen haben. Alsdann erst läßt man den in der Kammer enthaltenen Wasserdampf langsam austreten, und führt schließlich noch etwas trockene, warme Luft ein, um das Austrocknen zu vollenden. Da das Reißen solcher Thonwaaren dadurch bedingt ist, daß der Thon in Folge der höheren Temperatur an der Oberfläche zuerst trocknet und sich zusammenzieht, während er im Inneren, wohin die Wärme nicht so leicht dringen kann und wo durch die Verdunstung an der Oberfläche noch Wärme entzogen wird, noch feucht und voluminöser ist, so will man dadurch, daß man die Gegenstände in einer mit Wasserdampf bei der gegebenen Temperatur vollkommen gesättigten Luft (die also kein Wasser mehr aufnehmen kann) längere Zeit einer höheren Temperatur aussetzt, erreichen, daß das Innere ebenfalls die höhere Temperatur annimmt, ohne daß die Oberfläche in der (feuchten) Luft trocknen kann. Ist dieß einmal erreicht, so erfolgt das Trocknen in höherer Temperatur eben so gefahrlos in Bezug auf das Reißen und weit rascher, wie bei niedriger.

Bewährt sich dieses Verfahren, das theoretisch richtig ist, in der Praxis, d.h. stellen sich der Ausführbarkeit nicht technische oder ökonomische Hindernisse entgegen, so wäre damit eine sehr wünschenswerthe Unabhängigkeit von Jahreszeit und Witterung für die Fabrication erreicht und das im Winter bis jetzt sehr unangenehme Trocknen sehr erleichtert. (Monatsblätter des Gewerbevereins zu Cöln, Mai 1864, S. 136.)

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