Titel: Latry's Fabrication von Zinkweiß und Zinkweiß-Kartenpapier.
Autor: Chevallier,
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. XVIII. (S. 40–42)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175018

XVIII. Latry's Fabrication von Zinkweiß und Zinkweiß-Kartenpapier; Bericht von Chevallier.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, August 1864, S. 455.

Zinkweiß. – Nach vielen fruchtlosen Versuchen ist es dem Fabrikanten Latry in Grenelle bei Paris gelungen, Zinkoxyd von vorzüglicher Beschaffenheit herzustellen. Das Zink wird nach seiner neuen Arbeitsmethode zuerst in einem Flammofen erhitzt und dann in einen Ofen mit sechs Tiegeln gebracht, welche mit Retortendeckeln versehen sind, so daß die Oxydation des Zinks nur außerhalb der Tiegel erfolgen kann. – Der sehr kleine Ofen wird von unten mittelst einer durchbrochenen steinernen Sohle erhitzt. Das Feuer wirkt von zwei Seiten zugleich ein und wird durch zwei Seitencanäle überwacht, durch welche auch das Einsetzen der Tiegel geschieht. Jeder Tiegel nimmt einen Raum von 80 auf 50 Centimeter ein und enthält etwa 35 Kilogr. Zink; die Löcher der Sohlplatte lassen die Flamme von beiden Seiten zutreten, worauf sie durch seitliche Oeffnungen abzieht. Wenn ein Tiegel zerbricht, so fällt das Metall in ein unter der Feuerung befindliches Gefäß mit Wasser.

Der Hauptvorzug dieses Ofens liegt in der gleichmäßigen Erhitzung aller Tiegel und in der Ausnutzung der strahlenden wie der directen Hitze. Dabei ist die Wirkung um so regelmäßiger, als die Dicke der Tiegelwände keinen Wärmeverlust gestattet. Die Tiegel sind nämlich etwa 3 Kil. schwer und haben 6–7 Millimeter Wanddicke; oben haben sie einen Hals zum Aufsetzen des Retortendeckels.

Jeder Ofen mit sechs Tiegeln kann täglich 1500–2000 Kil. Zink verbrennen und erfordert auf je 100 Kil. Zink 50 Kil. Kohlen. Durchschnittlich liefern 100 Kil. Zink 120–123 Kil. Zinkoxyd, welche sich auf eurem sehr langen Wege absetzen. Diese geben im Mittel:

92–95 Kil. Schneeweiß (blanc de neige),
24–26 „ Weiß zweiter Sorte,
1–2 „ Schlacken etc.

Damit erhält man 114–115 Kilogr. zur Farbe geeignetes Weiß, 4–5 Kil. grauliches Weiß und 2–3 Kil. Unreinigkeiten.

Das Weiß zweiter Sorte wird nämlich wegen der darin vorkommenden festen Stücke in einem Kessel mit Wasser bis auf 100°C. erhitzt und während dieser Operation der Kesselinhalt durch ein Rührwerk in |41| Bewegung erhalten. Der Kessel wird dann entleert und aus der Flüssigkeit setzt sich das leichte Weiß ab. Mit demselben Wasser wiederholt man die Operation im Kessel so lange, bis alles Brauchbare gewonnen ist. 26 Kil. geringeren Products liefern hierbei 20 Kil. schönes Weiß, 5 Kil. Perlgrau und 1 Kil. Rückstände, welche man auf Chlorzink oder Zinkvitriol verarbeitet.

Das Zinkweiß wird in der Fabrik selbst mittelst sinnreicher Maschinen mit Oel angerieben und von der fertigen Waare werden jährlich 4 bis 500,000 Kil. in den Handel gebracht. – Die mit Oel angeriebene Farbe wird in Zinkbüchsen verpackt, worin sie sich am besten hält.

Zinkweiß-Visitenkarten. – Im J. 1827 wurde die Verwendung von Bleiweiß zu Visitenkarten durch Lorget von Frankfurt a. M. nach Paris gebracht; 1832, als das Patent erlosch, wurden höchstens 50 Ries Papier so verarbeitet. Biard, Velin und Boudon u.a. versuchten das Zinkweiß zu Visitenkarten zu verwenden, man konnte aber noch nicht die gewünschte Glätte erhalten, das Papier war matt und schmutzte sehr rasch. Noch 1849 war das Verfahren nicht sehr vorgeschritten, man zog das Bleiweiß vor, weil das Zinkoxyd zu wenig deckte, sich unregelmäßig lagerte, und weniger weiß und glänzend war. Das Visitenkartenpapier (sogen. Porzellanpapier, carte-porcelaine) kostete damals 50 Francs pro 100 Blätter.

Im J. 1854 begann Latry in Paris sich mit diesem Gegenstande zu beschäftigen; er suchte statt der Hausenblase Gelatine zu verwenden, welche mit Alaun, Ammoniak und Weingeist zubereitet war. Die sortirten Papiere werden mit dem Leimteige überstrichen, durch Pressen von der überschüssigen Masse befreit und mittelst emaillirter Zangen, die mit Kautschuk überzogen sind, auf Fäden aufgehangen. Nach dem Trocknen wird nochmals gepreßt. Das nöthige Zinkweiß wird mit Wasser gemahlen und mit dem mittelst Dampf zubereiteten Leime in einem Troge gemischt; die Mischung läßt man durch ein Sieb laufen und erhält sie auf einer gewissen Temperatur. Die so vorbereiteten Papiere werden bei 40°C. Zimmerwärme mittelst eines großen Pinsels und eines Abputzpinsels emaillirt; die Schwierigkeit bei dieser Arbeit liegt in der Regelmäßigkeit, womit die Schicht je nach der gewünschten Dicke aufgebracht werden muß. Nach dem Emailliren bringt man die Papiere in rotirende Kästen, wo sie trocknen und erzeugt dann auf ihnen mittelst einer kräftig gehandhabten Bürste den gewünschten Glanz. Das Papier liegt dabei auf einem sehr glatten Steine; die Bürste sitzt an einer langen beweglichen Stange, die eine mehr oder weniger rasche hin- und hergehende Bewegung erhält.

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Neuerdings hat Latry eine Maschine eingeführt, welche die Arbeit sehr erleichtert und durch Dampf getrieben wird; das Papier liegt auf einer Platte, welche, um die Berührungspunkte zu vermehren, eine excentrische Bewegung hat; 12 Bürsten bewegen sich rasch um sich selbst und in entgegengesetzten Richtungen; die Platte kann mittelst eines Trittes gehoben oder gesenkt werden, so daß der Arbeiter ein Blatt wegnehmen und durch ein anderes ersetzen kann.

Nach dem Bürsten reinigt eine Arbeiterin das Blatt von etwa darauf befindlichen Punkten und Strichen, worauf dasselbe, damit der Glanz mehr hervortritt, unter starkem Drucke gewalzt wird.

Die Blätter haben gewöhnlich 0,64 Meter auf 0,49 Meter und werden in Packeten von je 100 Stück verkauft. 100 Blätter, die früher 50 Francs kosteten, kosten jetzt nur noch 30 Francs. Der Absatz beträgt jährlich 150,000 Francs.

Das Zinkweißpapier druckt sich leicht und hat den großen Vortheil, daß es nicht, wie das Bleiweißpapier, der Gesundheit der Arbeiter schädlich ist.

Die einzige Medaille, welche die Jury der allgemeinen Londoner Industrie-Ausstellung von 1862 für Zinkweiß-Kartenpapier ertheilte, wurde Latry zuerkannt, da seine Fabrik die einzige ist, welche diesen Artikel in großartigem Maaßstabe erzeugt.

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