Titel: Venier's Porzellanofen mit Gasfeuerung.
Autor: Hack, A.
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. XIX. (S. 42–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175019

XIX. C. Venier's Porzellanofen zum Betrieb mit Gasfeuerung; Bericht von A. Hack.

Aus den Verhandlungen und Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1864 S. 196.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Alle in Frankreich und anderwärts angestellten Versuche, die Gasfeuerung zum Behufe des Porzellanbrennens zu verwenden, haben aus Mangel an zweckmäßig construirten Brennöfen bisher zu keinem erheblichen Resultat geführt.

C. Venier, Director der gräflich Thun'schen Porzellanfabrik zu Klösterle in Böhmen, hat nun einen Ofen zum Porzellanbrennen mittelst Gasfeuerung construirt, welcher allen Anforderungen der Theorie entspricht |43| und in der Praxis bereits seit zwei Jahren mit einigen seither angebrachten Verbesserungen vollkommen entsprechend befunden worden ist, nach welchem Muster auch bereits die königl. sächsische Porzellanfabrik zu Meißen und die HHrn. Hardtmuth, Besitzer der Porzellan- und Steingutfabrik zu Budweis, Brennöfen gebaut und in Thätigkeit gesetzt haben.

Die äußerst sinnreiche Einrichtung des Venier'schen Brennofens ist aus den beigegebenen Abbildungen desselben nach dem Querschnitte und den Horizontal-Durchschnitten von drei Abtheilungen desselben ersichtlich.

Der Plan des Ofens ist dazu bestimmt, die Construction des Systems zu veranschaulichen, ohne Beschränkung auf die Anzahl gewisser einzelner Theile. So können z.B. anstatt der drei Etagen A, B, C deren mehr oder weniger seyn. Dasselbe ist der Fall bei den Feuercanälen e und deren Zuführungsschläuchen f, deren hier im Grundrisse sechs gezeichnet sind. Eben so gut können nach Bedürfniß mehr oder weniger angebracht werden, je nachdem ihr Durchschnitt im Lichten enger oder breiter gemacht wird. Gleiche Theile sind mit gleichen Buchstaben bezeichnet.

Fig. 4 zeigt den Vertical-Durchschnitt des Ofens;

Fig. 5 den Grundriß des untersten Ofenraumes nach der Linie EF;

Fig. 6 den horizontalen Durchschnitt in der Höhe der Feuerableitungscanäle nach der Linie CD;

Fig. 7 den Grundriß der Ofensohle nach der Linie AB;

Fig. 8 den senkrechten Durchschnitt der Gas- und Luftzuleitungscanäle nach der Linie GH der Fig. 6.

Durch den Canal a werden die Gase aus dem Generator zum Ofen zugeleitet. Knapp vor letzterem befindet sich oben auf dem Canale ein gußeiserner Rost, ersichtlich in Fig. 6 und 8.

Bei diesem Roste kommen die durch a gehenden Gase mit der atmosphärischen Luft in Berührung und werden hier entzündet. Das entzündete Gasfeuer geht sodann in den unteren Ofenraum b (Fig. 5), von da zwischen aufgekastelten Ziegelschichten in den inneren Ofenraum c, hier mit jener erwärmten Luft zusammentreffend, welche durch die beiden Seitenöffnungen β kalt einströmte und von da abwärts unter den Gascanal a streichend in dem Luftcanal δ erwärmt wird, wo sie dann vor Austritt gegen eine auf sechs Füßchen ruhende runde Platte γ trifft und gezwungen wird, nach allen Seiten hin gegen das hereinströmende Gas zu stoßen, dadurch die sichere Vereinigung der Gas- und erwärmten |44| Luftmassen, so wie die vollständige Zersetzung und Verbrennung beider bewirkend.

Das hierdurch sehr intensiv gewordene Feuer geht durch die Oeffnung d in den Ofenraum A (Fig. 4), wo es durch den in den Kapselstößen gelassenen Raum bis an das Deckengewölbe anprallt und von da nach abwärts durch die in der Sohle des Ofens angebrachten Oeffnungen e (Fig. 7) den zur zweiten Etage B führenden Canälen f zugeleitet wird, wo es durch die im oberen Gewölbe angebrachten Canäle g in die dritte Etage C gelangt und von da aufwärts durch den Kamin in's Freie abgeht.

In den Schläuchen f befindet sich bei h (Fig. 4) ein Schuber, der zum beliebigen Reguliren des abgehenden Feuers bestimmt ist und dadurch einen beständigen Ausgleich des Temperaturgrades im Ofenraume A ermöglicht.

Die Vortheile, die sich aus der neuen Brennmethode gegen die früher übliche, aus der neuen Ofen-Construction gegen die ältere ergeben, sind ihrer Wesenheit nach doppelter Natur, nämlich 1) technische und 2) ökonomische.

1) Technische Vortheile.

a) Was die technischen Vortheile anbelangt, so ist es wohl unzweifelhaft, daß die Wärmequelle, d. i. der Generator, den Wärmestoff (Gase) gleichförmig, mit Sicherheit und gereinigt von effecthemmenden Bestandtheilen, als Theer, Wasserdämpfe, Flugasche etc. an den Brennofen abzugeben im Stande ist. Derselbe wird jedoch noch vor seinem Eintritte in den eigentlichen Brennraum mit atmosphärischer Luft unter Absorbirung von Sauerstoff gemischt und gelangt als ganz homogene Heizmasse, welche der größtmöglichsten Intensität fähig ist, dahin.

b) Durch das gerade Aufsteigen der Feuersäule in Mitte des Ofenraumes, so wie durch Refraction von der Deckenwölbung nach abwärts, um nach den Ausgangsöffnungen zu gelangen, sind wesentlichen Gebrechen in der Einrichtung der älteren Brennöfen abgeholfen. Nach der bisherigen Art der Pultfeuerung entstehen an fünf und mehr Seitenöffnungen eben so viele löthrohrartige Angriffspunkte auf die an den Feueröffnungen stehenden Kapselstöße. Werden aber die untersten Kapseln, welche die ganze Schwere der auf ihnen ruhenden Last zu tragen haben, durch die Concentrirung der Flamme am Eingangspunkte, d. i. an der untersten Sohle des Ofens fortwährend getroffen und zum Schmelzen gebracht, so sinken nicht nur diese Stöße, sondern nicht selten ganze Reihen ein. Deßwegen pflegt man auch die dem Feuer-Eingange zunächst stehenden |45| zwei Kapselsäulen mit Sand auszufüllen, um an solchen gefahrvollen Punkten keine werthvollen Geschirre zu opfern, womit aber andererseits für die Besetzung des Ofens ein Raum von zehn Kapselsäulen verloren geht.

Durch die neue Einrichtung beim Venier'schen Ofen ist durch die gerade Aufsteigung der Feuersäule in der Mitte des Ofens nach dem Gewölbe hin und durch die Retorsion derselben nach unten, diesem Uebelstande vollständig entgegengetreten. Die Vertheilung der Feuermasse im Ofen ist eine gleichförmige; nur die obersten Kapseln, welche ganz unbeschwert sind, werden weit weniger gefährlich und nur anfänglich von der Streichflamme getroffen, es ist demnach eine größere Schonung und ein öfterer Gebrauch der Kapseln ganz natürlich.

c) Durch die gleichmäßigere Vertheilung der Hitze, welche durch die an fünf Stellen eintretenden Flammen der Pultfeuerung nie vollkommen erreicht worden ist und stets ein Nachgehen des einen oder des anderen Feuerkastens nothwendig machte, wird auch ein gleichmäßigerer Brand erzielt, d.h. es werden an allen Stellen des Ofens die Geschirre gehörig ausgebrannt, die Glasur gleichmäßig ausgeschmolzen seyn und das lästige Wiedereinsetzen matt gebliebener Stücke nicht leicht eintreten können.

Eine der ersten Autoritäten im Fache der Poterie, der geh. Bergrath und Director der königl. sächsischen Porzellanfabrik in Meißen, Kühne, sagt in seinem Berichte nach Einführung der Venier'schen Brennmethode über die hiemit erzielten Resultate Folgendes:

„Die Brände gelingen nun tadellos, man kann sehr scharf ausbrennen, die Glasur ist spiegelnd, das Geschirr ohne Spur von Gelbem oder Räucherigem, das Verglühen erfolgt gleichzeitig sehr vollkommen und gleichförmig; zugleich ist der große Vortheil damit verbunden, daß man die Leitung des Feuers so vollständig in der Hand hat, daß es nicht möglich ist, fehl zu gehen.“

2. Oekonomische Vortheile.

Bekanntlich werden Porzellan-, Steingut- und Glasfabriken wegen ihres großen Verbrauches von gutem Brennholze nur in holzreichen Gegenden angelegt, aber auch da sind einer übermäßigen Consumtion endlich Grenzen gesteckt. Deßwegen ist man den Förderern der Gasfeuerung zum größten Danke verpflichtet. Venier's zur Gaserzeugung verwendetes Material besteht aus bisher gering verwertheten Tannenzapfen; denselben Nutzeffect würde er aber auch erreichen, wenn er schlechte Braunkohle, Kohlenklein, Torf, Holzabfälle verwenden wollte.

Er bewirkt durch seine Feuerungsmethode nicht nur eine höchst |46| wünschenswerthe Schonung der besseren Holzgattungen, sondern erzielt auch durch den Verbrauch minder werthvoller oder solcher Brennstoffe, die bisher an Ort und Stelle gar keine Verwerthung gefunden, eine Ersparung von mindestens 20 Procent.

Die k. k. Aerar-Porzellanfabrik hat im Jahre 1862 zu den Starkbränden 1523 1/2 Klafter guten weichen Brennholzes verbraucht, welche mit Anschaffungs- und Bearbeitungskosten eine Summe von 21,588 fl. 56 kr. in Anspruch genommen haben. Die 20procentige Ersparung würde sonach beim Holzverbrauche allein schon eine Summe von mehr als 4000 fl. betragen haben, nicht zu gedenken der großen Ersparung an Cassetten, welche speciell für diese Anstalt nicht in Rechnung gebracht werden darf, weil die einmal gebrauchten gebrannten Cassetten als Chamotte zur Erzeugung feuerfester Ziegeln verarbeitet werden und hier gute Verwendung finden; aber ein anderer Umstand darf nicht vergessen werden, der bei der Beurtheilung der beiden Methoden zu Gunsten der Venier'schen in's Gewicht fällt; es ist dieß die Guterhaltung aller jener Geschirre, die durch Eingehen oder Reißen der Kapsel nach der bisherigen Brennmethode verloren gehen. Man kann die Höhe ihres Werthes ungescheut mindestens auf 5 Procent der ganzen Erzeugung anschlagen.

Angesichts dieser augenfälligen Vortheile der Venier'schen Brennmethode mußte die Direction der ärarischen Porzellanfabrik sehr bedauern, daß ihr das Offert Venier's wegen Einführung seiner Gasfeuerung zu einer Zeit gemacht wurde, wo die theilweise Einstellung der Fabrication an dieser Anstalt bereits angeordnet und man hiervon Gebrauch zu machen nicht in der Lage war; sie nimmt jedoch keinen Anstand dieselbe als sehr nutzbringend zu erklären.

Das von Seite der Section des Gewerbevereins für Chemie und Physik abverlangte Gutachten des Hrn. Hardtmuth zu Budweis, lautete für Venier's Ofen außerordentlich günstig und zwar folgendermaßen:

„Nachdem die Anwendung der Gasheizung nicht nur für Steingutfabrication, sondern für die ganze Töpferei vom größten Interesse ist, so dürften Ihnen die Mittheilungen meiner Erfahrungen in dieser Richtung nicht unangenehm seyn und ich erlaube mir dieselben hier in Kürze bekannt zu geben:

„Bei der Anwendung der indirecten Holzgasfeuerung nach der Methode des Hrn. Venier werden in meiner Fabrik in Budweis im Vergleiche mit der directen Holzfeuerung an 20 Procent Brennstoff erspart. Die günstigsten Resultate erzielte ich bei Anwendung von Torfgas, auf welchen Brennstoff ich in jüngster Zeit übergegangen bin.“

„Die erwähnte Brennstoff-Ersparung ist aber bei weitem nicht der |47| größte Vortheil, der durch die indirecte Heizung erzielt wird und besteht derselbe vielmehr darin, daß durch diese Brennmethode die Regulirung des Feuers ganz in der Hand des Fabrikanten liegt und dadurch nicht nur fast eine vollkommene Gleichförmigkeit des Hitzegrades im ganzen Ofen erzielt, sondern auch alle durch den Rauch herbeigeführten Uebelstände leicht vermieden werden können.“

„Ich bin fest überzeugt, daß die von Hrn. Venier in Anwendung gebrachte indirecte Feuerung für die ganze Porzellan- und Steingutfabrication von der größten Wichtigkeit ist und daß sich dieser Mann durch dieselbe ein bleibendes Verdienst um diesen Industriezweig erworben hat.

Wien, 5. April 1864.

A. Hardtmuth.“

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