Titel: Girard's Verfahren zum Verzinnen, Verbleien etc. der Metalle.
Autor: Girard, F.
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. XXXV. (S. 146–147)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175035

XXXV. Verfahren zum Ueberziehen der Metallbleche mit Zinn, Zink, Blei etc.; von F. Girard in Paris.

Aus Armengaud's Génie industriel, November 1864, S. 257.

Mit einer Abbildung auf Tab. II.

Eine Verbesserung der bisherigen Methode zum Verzinnen, Verbleien, Verzinken etc. von Metallblechen, Tafeln u.s.f. ist namentlich durch folgende Verhältnisse geboten: 1) die Verzinnung, welche bisher 30–50 Proc. des Werthes der Weißbleche betrug, hat diese Grenze überschritten seit die Handelsfreiheit die Preise erniedrigt hat; 2) die Bedürfnisse der Industrie haben sich in demselben Grade gesteigert, wie die Preise fielen; 3) der hohe Preis des Zinns, welches jetzt 30 Proc. theurer ist als vor zehn Jahren, kann sich nicht so weit steigern, daß dadurch der Verbrauch an diesem Metall vermindert würde.

Es erschien demnach nothwendig, das Verfahren der Verzinnung dahin zu verbessern, daß die Handarbeit verringert, das Zinn gespart und möglicherweise durch geringere Sorten ersetzt würde.

Bisher geschah das Verzinnen in zwei getrennten Operationen: die erste begriff die Anwendung verschiedener Mittel zur Herstellung der Vereinigung der Metalle, die zweite bezweckte die Erzielung der gleichen Vertheilung und der glatten Oberfläche des Ueberzuges.

Die (in Frankreich patentirte) Erfindung von Girard bezweckt namentlich die Vermeidung aller Handarbeit, indem er dieselbe durch eine mechanische Arbeit ersetzt, welche sowohl die Menge des Metalls genau regulirt, als auch seine Oberfläche ebenso schnell wie sicher glatt und glänzend macht.

Fig. 11 stellt im verticalen Durchschnitt den Apparat dar, welcher zum Verzinnen von Eisen- oder Kupferblech und Bandeisen dient.

Der gußeiserne Kessel oder die Pfanne A enthält das Zinnbad a; er ruht auf dem gemauerten Ofen A' mit der Feuerung b, c, d.

An jeder Längenseite des Kessels sind zwei starke Wangen e angegossen, in deren Nuth die Zapfen der Cylinder f, f' liegen, zwischen welchen der mit Zinn überzogene Metallstreifen hindurchgehen muß, um zur Ebnung des Ueberzugs gewalzt zu werden.

Diese Cylinder, welche gleichzeitig den Zug, das Walzen und das Verzinnen bewirken, können aus Guß- oder Schmiedeeisen bestehen.

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Die Dicke des Zinnüberzuges kann man durch Verstellen der Cylinder reguliren, indem man das Gewicht g ändert, welches mittelst des Hebels h' auf das Lager des oberen Cylinders wirkt.

Das Reservoir i, welches den Kessel seiner Länge nach in zwei Theile theilt, dient zur Aufnahme des zu schmelzenden Metalls.

Die Achse des oberen Cylinders ist auf der einen Seite des Kessels verlängert und trägt hier das Zahnrad k, welches in ein auf der Welle m aufgekeiltes Rad eingreift. Die Welle m trägt eine lose und eine feste Scheibe, sowie ein Schwungrad, so daß sie nöthigenfalls von einer Dampfmaschine getrieben werden kann.

Das Niveau des geschmolzenen Metalls muß bis zur Berührungslinie der beiden Cylinder reichen.

In dem vorderen Theile a des Kessels bedeckt man das geschmolzene Metall mit Chlorzink, um die Verbindung der Metalle zu erleichtern; in dem hinteren Theile a' ist das Zinn dagegen mit Harz oder Fett bedeckt, damit keine Oxydation eintreten kann.

Endlich befindet sich im Innern des Kessels eine Führung, welche aus zwei Eisenstangen mit darauf liegender, sich durch die ganze Kesselbreite erstreckender Metallplatte besteht, die noch mit Zwischenwänden versehen werden kann, um beim Verzinnen von Bandeisen die Berührung der einzelnen Streifen zu verhindern.

Die Wirksamkeit dieses Apparates ist nach dem Vorstehenden klar: das mit geschmolzenem Zinn oder Blei überzogene Metallblech wird gewalzt und erhält dadurch einen gleichmäßigen und vollkommen ebenen und glänzenden Ueberzug. Außerdem bildet sich in Folge der Kapillarität oberhalb der Berührungslinie der Cylinder eine Schicht reinen Metalls, welche sich beim Austritt des Bleches auf dasselbe legt und dessen Glanz erhöht; die Cylinder verhindern die Bleche überschüssiges Metall mitzunehmen.

Die Zapfen des oberen Cylinders liegen ganz in der das Zinnbad bedeckenden Fettschicht und sind also stets gut und wohlfeil geschmiert.

Wenn man verzinken will, so muß der untere Theil des Kessels geschmolzenes Blei enthalten, welches bis über die Zapfen des untern Cylinders reicht; denn da das Zink das Eisen des Kessels angreift, so darf man davon nur die eben nothwendige Menge anwenden. Auch kann man auf diese Weise Bleche darstellen, welche auf der einen Fläche verzinkt, auf der anderen verbleit sind, und die einen gesuchten Handelsartikel bilden.

Ein besonderer Vortheil dieses Systems der Verzinkung ist der, daß die Zinkschicht dünner als nach der alten Methode wird und sich daher nicht so leicht abblättert.

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