Titel: Pintus, Teigknetmaschine für Bäckereien.
Autor: Pintus, Isidor
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. XLVII. (S. 187–189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175047

XLVII. Neue Patent-Teigknetmaschine für Bäckereien und Brodfabriken, aus der Maschinenfabrik von J. Pintus und Comp. in Brandenburg a. d.h. bei Berlin.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, daß während auf allen anderen gewerblichen Gebieten die Handarbeit von der Maschine nach und nach so viel als möglich verdrängt worden ist, das Bäckergewerbe bei uns heutzutage noch mit denselben mechanischen Mitteln, in derselben Art und Weise arbeitet wie in den ältesten Zeiten.

Alle Verrichtungen geschehen lediglich und direct durch die menschliche Hand.

Wenn die Hand nun auch das geschickteste und vollendetste Werkzeug ist, so hat die Maschinenarbeit doch außer dem allgemeinen der Billigkeit, für das Bäckereigewerbe noch einen ganz besonderen Vorzug; sie ist nämlich für das Teigkneten viel appetitlicher. Selbst beim besten Willen können oft die Meister die Reinlichkeit nicht controliren; das Publicum aber selbst, wenn es manche Zustände der Backstube nicht kennt, leidet unwissend durch die fremden Stoffe, welche es häufig mit dem unentbehrlichsten Nahrungsmittel, mit dem täglichen Brode, verschlucken muß. Dem Bäckermeister kann es außerdem nicht gleichgültig seyn, wenn ihm durch eine Maschine die Möglichkeit geboten wird, den Lohn für einen oder mehrere Gesellen zu ersparen.

Diese Betrachtungen liegen so sehr auf der Hand, daß man sich füglich wundern könnte, weßhalb nicht schon längst jeder Bäcker eine Maschine angeschafft hat, sowie dieß ja von Anfang an in den sogenannten Brodfabriken geschehen ist; das Brod dieser letzteren findet bekanntlich wegen der Billigkeit und Reinlichkeit schnellen Absatz.

Der Grund ist einfach der, daß man bisher in Deutschland die zur Bäckerei nöthigen Maschinen nur in solcher Größe anfertigte, daß sie |188| nur durch Dampfkraft betrieben und demnach von ganz großen Etablissements angewendet werden konnten.

Die Unterzeichneten haben nun nach dem in England seit einer Reihe von Jahren bewährten Principe von Richmond und Chandler (Hodgkinson) zunächst die vorliegende, für die wichtigste Operation, das Teigkneten, bestimmte Maschine construirt, welche in Größe, Leistungsfähigkeit und Preis dem Bedürfnisse fast aller Bäckermeister in großen und kleinen Städten angepaßt ist.

Die Abbildung, Fig. 22, stellt die Maschine dar. Sie ist ganz aus Eisen hergestellt; nur das Knetwerk ist mit Zinn, der Knettrog dagegen mit Zinkblech überzogen.

Die Maschine besteht aus einem geräumigen, oben offenen Troge, welcher unten durch eine, mittelst Hebeldruck zu öffnende Klappe geschlossen ist. In diesem Troge arbeiten zwei Paar helicoidal gewundene Flügel (siehe Fig. 23) gegen- und miteinander. Diese Flügelpaare sind augenblicklich leicht abzunehmen und aufzustecken; sie sitzen auf kurzen Zapfen, welche von Außen durch Rädervorgelege in Umdrehung versetzt werden. Ein Mann an der Kurbel des Schwungrades verrichtet die Arbeit des Drehens mit leichter Mühe und ist im Stande, binnen vier Minuten zwei bis drei Centner Mehl- und Wassergemisch in einen normalen, schönen Teig zu verwandeln.

Die zur Teigbereitung erforderlichen Materialien-Mehl, Wasser, Sauerteig oder Hefe etc. – werden in den Trog gethan; ein Arbeiter dreht an dem Schwungrade einige Minuten lang; sodann setzt er eine Mulde unter die Klappe, öffnet dieselbe mittelst eines einzigen Handgriffes und entleert die Maschine durch einige weitere Umdrehungen des Schwungrades.

Die Reinigung der Maschine ist ebenso einfach und leicht, wie die einer metallenen, blanken Schüssel; die Bauart derselben ist so solide und dauerhaft, daß Reparaturen und Abnutzung kaum in Anschlag zu bringen sind; das Räderwerk ist wegen des Mehlstaubes und der Feuchtigkeit durch zwei eiserne Kapseln verschlossen.

Eine einfache Rechnung, welche sich jeder Bäckermeister selbst anstellen kann, ergibt, daß sich in einer in gutem Gange befindlichen Bäckerei die Maschine binnen einem halben Jahre bezahlt macht.

Um gleichzeitig kleineren und größeren Bäckereien dienen zu können, haben wir zwei verschiedene Größen der neuen Maschine construirt und zwar

a) größere Maschine, jede Füllung = 2 1/2 Centner Teig. Preis complett 120 Thlr.

|189|

b) kleinere Maschine, jede Füllung = 1 Centner Teig. Preis complett 80 Thlr.

J. Pintus u. Comp.

Zeugniß.

Die von den Herren J. Pintus u. Comp. vor längerer Zeit erhaltene Teigknetmaschine erfüllt ihren Zweck vorzüglich. Ich benutze dieselbe täglich unausgesetzt und stellt sich der Gebrauch folgendermaßen. Es wird die Maschine mit Mehl, Wasser und Sauer zu einem Quantum Teig von 2 1/2 Centnern auf einmal gefüllt und kneten ein, auch zwei Mann diese Quantität in Zeit von vier Minuten fertig, besser als dieß mit den Händen möglich ist.

Die Reinigung ist einfach und leicht wie jeder Trog; eine Abnutzung der Maschine findet eigentlich gar nicht statt, wenigstens ist auch noch nicht das Geringste daran passirt, seit dem halben Jahre, während welchem ich die Maschine im Gebrauch habe. Bei jeder größeren Bäckerei wird eine Arbeitskraft von 1–2 Bäckergesellen erspart, während man zum Betriebe der Maschine jeden Arbeitsmann oder noch besser, wenn man es haben kann, Dampfkraft verwenden kann.

Aus diesem Grunde der Ersparniß, sowie wegen der Reinlichkeit und Schnelligkeit gegen Handarbeit, kann ich die Maschine nur empfehlen und bin gern bereit, Jedermann, der sich für die Sache interessirt, Auskunft zu ertheilen.

Potsdam, den 9. December 1864.

J. Behrend,
Bäckermeister.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: