Titel: Böttger's Verfahren, Baumwolle in weißen Leinengeweben nachzuweisen.
Autor: Böttger, Rudolph
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. LVI. (S. 223–225)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175056

LVI. Ueber ein neues, höchst einfaches Verfahren, eine Beimischung von Baumwolle in weißen leinenen Geweben nachzuweisen; von Prof. Böttger.

Aus Böttger's polytechnischem Notizblatt, 1865, Nr. 1.

Bekanntlich existiren eine Menge von Vorschriften, Leinwand auf eine Beimischung von Baumwolle zu prüfen, die jedoch, mit wenigen Ausnahmen, besonders in der Hand des Laien, sich bei ihrer Ausführung theils als zu complicirt, theils in ihren Endergebnissen ungenügend erweisen. Ich möchte selbst das eigene von mir früherhin mitgetheilte Verfahren,46) sowie das von Hrn. Apotheker G. C. Kindt empfohlene47) hiervon nicht gänzlich ausschließen. Was das letztere anbetrifft, das sich bekanntlich auf ein ungleiches Verhalten der concentrirten Schwefelsäure zur Leinen- und Baumwollfaser gründet, und im Ganzen genommen immer noch die besten Resultate gibt, so läßt dasselbe doch den in chemischen Arbeiten weniger Geübten, besonders bei der Untersuchung von mit dick versponnenen Baumwollfäden untermischten Leinwandproben nicht selten insofern im Stiche, als nach der vorgeschriebenen, |224| eine Minute langen, Einwirkung der Säure auf den gehörig entschlichteten und theilweise ausgefaserten Leinwandstreifen in diesem immer noch einzelne von der Säure wenig angegriffene Baumwollfäden zurückbleiben können. Ja selbst das mikroskopische Prüfungsverfahren, abgesehen davon, daß dasselbe in der Hand völlig erfahrener Experimentatoren ganz unzweifelhafte Resultate gibt, ist nicht ganz frei von Mängeln. Hat man es z.B. mit einer Leinwand zu thun, deren Einschlagfäden nicht ganz aus Baumwolle, sondern theilweise aus Baumwollfäden theilweise aus Leinenfäden bestehen, so nimmt die mikroskopische Untersuchung derselben eine ganz ungewöhnlich lange Zeit in Anspruch, indem man genöthigt ist, eine Menge einzelner Fäden nach einander zu untersuchen; dasselbe ist daher für die gewöhnliche Praxis gleichfalls nicht besonders zu empfehlen.

Das von mir nun jüngst ermittelte Verfahren zeigt sich frei von diesen Mängeln, dasselbe ist von Jedermann leicht und in wenig Minuten in Ausführung zu bringen, und gibt überdieß zu keiner Täuschung irgend einer Art Veranlassung, indem es auf eine so auffallende Farbenreaction basirt ist, daß an ein Zweifeln oder an eine Ungewißheit über den endlichen Befund einer darnach angestellten Untersuchung gar nicht zu denken ist. Zu dem Ende schneide man von der zu prüfenden Leinwand einen circa 3 bis 4 Zoll langen und 1 1/2 Zoll breiten Streifen ab, fasere ihn auf seinen 3 Seitenkanten (d.h. auf der Ketten- und Einschlagseite) bis auf 4 Linien aus, tauche ihn. hierauf zur Hälfte, seiner Länge nach, in eine verdünnte alkoholische Lösung von Anilinroth, sogenanntem Fuchsin (bestehend aus 10 Gran krystallisirtem Fuchsin und 4 Loth gewöhnlichem Brennspiritus), ziehe ihn sofort wieder aus dieser Farbflotte heraus, überschütte ihn sodann so lange mit gewöhnlichem Brunnenwasser, bis dieses ungefärbt davon abläuft, und lege ihn schließlich, in diesem noch feuchten Zustande, 1 bis höchstens 3 Minuten in ein mit gewöhnlichem Salmiakgeist (Ammoniakflüssigkeit) angefülltes Porzellanschälchen. Hier sieht man nun in wenig Augenblicken an den ausgezupften Stellen des Streifens den Farbstoff allmählich von den Baumwollfäden verschwinden, während die Leinenfäden gefärbt bleiben. Die einzelnen Baumwollfäden erscheinen mithin in kurzer Zeit weiß, (in welcher Anzahl und wo sich dieselben auch in dem Streifen vorfinden mögen), die Leinenfäden dagegen schön rosaroth.

Will man einen Streifen mit einem solchen auffallenden Farbencontraste vielleicht längere Zeit aufbewahren, so thut man gut, ihn nicht austrocknen zu lassen, sondern nach oberflächlichem Abwaschen mit Wasser in eine ganz verdünnte Lösung von Soda (auf 1/2 Pfund Wasser |225| circa 1 Loth Soda) einzulegen. Bei diesem meinem Verfahren ist es ganz gleichgültig, ob man den zu prüfenden Leinwandstreifen zuvor durch Auswaschen mit Seifenwasser entschlichtet oder nicht.

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Polytechn. Journal Bd. XC S. 362 und Bd. CV S. 194.

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Polytechn. Journal Bd. CII S. 334; man vergl. auch Bd. CV S. 189.

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