Titel: Margueritte, über die Cementirung des Eisens durch Kohlenoxyd.
Autor: Margueritte, Friedrich
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. XCII. (S. 371–373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175092

XCII. Beantwortung der Bemerkungen Caron's über die Cementirung des Eisens durch Kohlenoxyd; von F. Margueritte.

Aus den Comptes rendus, t. LIX p. 518.

In seiner (vorstehenden) Mittheilung über die Cementirung des Eisens durch das Kohlenoxyd hat Caron die von mir veröffentlichten Versuche über denselben Gegenstand79) commentirt.

Er bemerkt, reines Eisen bleibe ohne Wirkung auf Kohlenoxyd und die Stählung des im Handel vorkommenden Stabeisens durch die Einwirkung dieses Gases sey dem Siliciumgehalte des ersteren proportional. Ich glaube das Gegentheil bewiesen zu haben, indem ich einen Stahl mit 5,3/1000, also mit mehr als einem halben Procent Kohlenstoff 80) mit einem Eisen erhielt, dessen Siliciumgehalt die Bindung von höchstens 3,5/10000 Kohlenstoff hätte gestatten können.

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Indem Caron daran erinnert, daß Stammer i. J. 1853 mittelst Kohlenoxyd ein Eisen mit einem Gehalte von 70,23 Proc. Kohlenstoff dargestellt hat und seine eigenen Versuche anführt, erkennt er an, daß durch reines Eisen in sehr fein zertheiltem Zustande das Kohlenoxyd zersetzt wird und daß diese Zersetzung „keine Grenzen zu haben“ scheint. Es hat demnach den Anschein, als ob seine Ansicht der meinigen conform geworden wäre.

Indem aber Caron zugibt, daß bei einer Temperatur, welche zum Erweichen des Glases nicht genügt, die Zersetzung des Kohlenoxyds durch reines, fein zertheiltes Eisen leicht und gewissermaßen ohne Grenzen ist, meint er, daß diese Zersetzung bei einer höheren Temperatur absolut null ist. Er glaubt, daß die Kohlenstoffmenge, welche ich an das Eisen gebunden habe – und die er für zehnmal kleiner genommen, als sie in Wirklichkeit ist – sich während der zum Erhitzen und zum Erkalten des Apparats erforderlichen Zeit, wo das Eisen einer unter der Rothglühhitze liegenden Temperatur ausgesetzt war, ausgeschieden habe. Außerdem spricht er die – übrigens ganz irrige – Vermuthung aus, daß nicht alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen worden seyen, um allen freien Sauerstoff aus dem Apparate fern zu halten und somit eine Kohlensäurebildung durch denselben zu verhindern.

Caron hätte sich wohl denken sollen, daß bei Versuchen so delicater Art, wie die, welche beim Studium der Stahlbildung erforderlich sind, die größte Sorgfalt angewendet wurde. Die von ihm hervorgehobenen Schwierigkeiten der Operation sind von keiner Bedeutung. Er empfiehlt Anordnungen, mittelst deren, wie es mir scheint, der Zweck sich nicht so gut erreichen läßt, als mit den von mir angewendeten Mitteln, welche ich in den Comptes rendus nicht sämmtlich beschreiben konnte.

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Ein in meinem Laboratorium-Buche im März 1863 verzeichnetes Verfahren besteht in Folgendem:

In ein doppelt glasirtes Porzellanrohr wurde bei hoher Temperatur ein Strom von vollkommen gereinigtem und getrocknetem Kohlenoxydgas geleitet. Nach dreistündiger Entwickelung war beinahe gar keine vorhandene Kohlensäure wahrzunehmen. Dann wurden zwei vorher mit Wasserstoffgas behandelte Eisendrähte von 1,5 Millimeter Durchmesser in das Rohr gebracht. Unmittelbar darauf entwickelte sich die Kohlensäure und ihre Bildung hielt in ziemlich reichlichem Maaße während eines dreistündigen Glühens an; nach Verlauf dieser Zeit waren die Drähte vollständig cementirt. Nachdem sie aus dem Rohre herausgenommen waren, sank die Kohlensäurebildung wiederum auf ein Unbedeutendes herab.

Durch diesen von mir mehrfach wiederholten Versuch werden Caron's Einwürfe vollständig widerlegt; denn derselbe liefert den augenscheinlichen Beweis, daß das Kohlenoxyd bei hoher Temperatur durch Eisen zersetzt wird, und daß letzteres durch jenes Gas in Stahl verwandelt werden kann.

Wenn Caron zum Experiment gegriffen, wenn er so operirt hätte wie ich es gethan, oder nur wie er selbst es empfohlen hat, so würde er zu der Ueberzeugung gekommen seyn, daß wirklich Stahlbildung und Kohlensäureentwickelung stattfinden.

Demzufolge halte ich an meinen, den von Saunderson und Caron aufgestellten, absolut entgegengesetzten Folgerungen fest. Saunderson hat die Behauptung aufgestellt, daß der reine Kohlenstoff nicht cementirend wirkt. Caron hat ausgesprochen81), daß in der Praxis die Cyanverbindungen allein cementiren. Ich glaube den Beweis geliefert zu haben, daß der reine Kohlenstoff (Diamant) und ebenso das Kohlenoxyd das Eisen in Stahl zu verwandeln vermag und daß diese Körper sicherlich zu den Cementirungsmitteln der industriellen Praxis gerechnet werden müssen.

Schließlich muß ich jedoch Hrn. Caron mein Bedauern bezüglich des erwähnten Druckfehlers ausdrücken, welcher zu seiner unbegründeten Kritik Anlaß gab.

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Polytechn. Journal Bd. CLXXIV S. 226.

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Und nicht 5/10000, wie Caron schreibt. In Folge eines Druckfehlers ist in meiner Abhandlung (im 1. Novemberheft 1864 des polytechn. Journals) Bd. CLXXIV S. 231 die Bezeichnung „Gramme“ der unbenannten Zahl 0,0048 beigesetzt worden, |372| also einem Bruch, welcher angibt, daß das Eisen 4,8/1000 seines Gewichts Kohlenstoff enthält. Dieser Druckfehler leuchtet übrigens sofort ein, wenn man die Resultate der Analyse durch feuchten Wasserstoff aufmerksam in's Auge faßt. 3,016 Gramme Eisen erlitten nach neunthalbstündiger Behandlung einen Gesammtverlust von 0,016 Grm., entsprechend 0,0053 oder 5,3/1000 Kohlenstoff, denn 0,016 Grm. dividirt durch 3,016 Grm. ist gleich 0,0053 oder 5,3/1000. An der verdruckten Stelle meines Aufsatzes muß es heißen, Seite 231 Zeile 15 von oben: 0,00035 anstatt 0,00035 Gramme; Zeile 17 von oben: 0,0048 anstatt 0,0048 Gramme; Zeile 24 von oben: 0,0053 anstatt 0,0053 Gramme; Zeile 25 von oben: 0,0048 anstatt 0,0048 Gramme; Zeile 5 von unten: 0,00265 statt 0,00265 Gramme; Seite 232 Zeile 2 von oben: 0,00265 statt 0,00265 Gramme.

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Comptes rendus vom 1. April 1861, t. LII p. 635; polytechn. Journal Bd. CLX S. 207.

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