Titel: Treviranus, über die erste horizontale Oelpresse.
Autor: Treviranus, Ludwig Georg
Fundstelle: 1865, Band 175, Nr. CVIII. (S. 422–426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/ar175108

CVIII. Ueber die erste hydraulische horizontal wirkende Oelpresse; von L. Georg Treviranus.

Im 2. Januarheft dieses Journals (S. 95 in diesem Bande) befindet sich (aus den Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins) ein Aufsatz von Prof. Rühlmann über hydraulische Pressen und hydraulische Accumulatoren etc., in welchem in Bezug auf den ersteren Gegenstand einige Irrthümer vorkommen, welche ich in dem Folgenden zu berichtigen mir erlauben werde.

Es heißt nämlich S. 98 in der Anmerkung Nr. 25: „Nach Barlow (in der Encycl. Metropolitana, Abschnitt Manufactures,“ pag. 375) soll im Jahre 1821 ein Engländer, Henry Plump, die erste horizontale hydraulische Oelpresse in Bremen erbaut haben.“

Aber vom Jahre 1816 bis 1822 war ich fast beständig theils in Bremen und theils in dessen Hafen zu Vegesack beschäftigt und kann als verläßlich berichten, daß während dieser Zeit kein englischer Techniker, wohl aber ein Deutscher und bremischer Bürger Namens Heinrich Plump als Kaufmann im Leinwandgeschäft, vorzüglich für den überseeischen Handel nach Amerika, in Bremen sich befand.

Hr. Plump besaß zum Betrieb von Kalandern für die Leinwand zwei Roßwerke, wovon er eines zu einer Oelmühle zu verwenden wünschte, wenn ich ihm eine Art Presse in Vorschlag bringen könne, welche nicht minder kräftig als die holländischen Keilpressen wirke, aber nicht den Lärm wie diese mache, welchen man in der Mitte der Stadt nicht dulden würde.

Ich verfiel nun auf die vertical wirkende hydraulische Presse, beschrieben und abgebildet in den Transactions of the Society for the Encouragement of the Arts, Manufactures and Commerce, 1816, Vol. XXXIV pag. 261, aus welcher Beschreibung hervorgeht, daß die damalige Firma: „Joseph Bramah u. Söhne unter der Mitwirkung (Direction heißt es) von Hrn. Hoblin ihre hydraulischen Pressen bereits angewandt hatte um das Oel aus den Cacaobohnen zu extrahiren.

Mein Vorschlag fand Beifall und ich erhielt von Hrn. Heinrich Plump den Auftrag, mich mit genannter Firma wegen der Lieferung von zwei Hoblin'schen Pressen in Correspondenz zu setzen, welches auch geschah. Die Herren Bramah erwiederten auf mein Schreiben, daß sie uns zwar, wenn wir darauf beständen, zwei solche vertical wirkende Pressen |423| nebst einem Maschinenpumpwerk liefern würden, daß indessen ihre Methode im Pressen des Rübsaats von der in den Transactions beschriebenen in so weit verschieden sey, daß sie sich horizontal wirkender Pressen von 300 Tonnen Kraft (das sind 6000 Centner auf den Kolben von 8 Zoll Durchmesser und 50 Quadratzoll Durchschnitt, also 6000 : 50 = 120 Centner per Quadratzoll!) dabei bedienten und 3600 Pfd. gemahlenes Rübsaat durch einmalige Pressung in 10 Arbeitsstunden abgepreßt werden könnten.

Diese Verheißungen, als anscheinend aus schon gemachten Erfahrungen beruhend, sprachen Hrn. Plump als Kaufmann und mich als Maschinenbauer so sehr an, daß die beiden horizontal wirkenden Pressen sammt Maschinenpumpwerk zur Anfertigung und möglichst baldigen Lieferung bestellt wurden.

In der Zwischenzeit hatte ich es übernommen, die zur Verkleinerung des Rübsaates nöthigen Schrotwalzen und einen Mahlgang mit aufrechten Steinen, wie auch die Wärmpfannen sammt Rührapparat etc., deßgleichen die Verbindungsmaschinerie der Königswelle mit dem Maschinenpumpwerk, durch bremische Arbeiter ausführen zu lassen, um mit deren Hülfe seiner Zeit die Oelpressen in gangbaren Stand zu setzen.

Als zuletzt auch die Pressen mit Zubehör angekommen und aufgestellt waren, handelte es sich zunächst noch darum, bei der ungewöhnlich hohen Inanspruchnahme des Pumpwerkes und der Pressen sie vor dem Gebrauch einer Probe bezüglich der Haltbarkeit ihrer Theile zu unterziehen.

Zu dem Ende wurde einer der Preßkästen statt mit Saat mit Bretern und Bohlen in der Form der Preßplatten, wie auch mit den gußeisernen Platten selbst 32 Zoll lang ausgefüllt, und die Pressung begann, um die Pferde an den Rundgang zu gewöhnen, mit drei derselben. Der Druck wurde beurtheilt nach dem Durchmesser des Sicherheitsventiles und dessen Belastung je nach der Hebellänge und dem daran hängenden Gewichte, und nichts veranlaßte anfänglich Besorgniß. Als ich indessen der eigentlichen Probe entsprechend, auch nach meiner Berechnung zu 300 Tonnen kam und wieder einige Schritte zur Besichtigung des Preßkastens gemacht hatte, löste sich dessen Endstück mit einem starken Knall von den Seitenwänden und über den ganzen Pferdekreis hinfliegend, ohne jedoch zum Glück weder mich noch eines der Pferde zu beschädigen.

Dieser Vorfall lehrt, daß der sogenannte todte Wasserdruck, wenn elastische Substanzen, wie das Holz, gepreßt werden, sich auch wohl in |424| ein lebendiges mechanisches Moment verwandeln und gefährlich werden kann.

Als ich darüber nach London berichtet hatte, war die Antwort der Herren J. Bramah u. Söhne: sie könnten zwar aus meinem Bericht durchaus nicht entnehmen, daß in der Probe der Presse ein Versehen gemacht worden sey, sondern müßten anerkennen, daß ich den Gegenstand der Wasserpresse so gut als sie selbst verstände, seyen auch willig auf eigene Kosten zwei neue Preßkästen von verbesserter Construction dem Hrn. Plump zu senden und aufstellen zu lassen, wenn ein abermaliger Versuch an dem zweiten noch unversehrten Preßkasten das gleiche Resultat als das erste ergäbe, würden aber zu dem Ende vorläufig und um auch einen Zeugen von ihrer Seite zu haben, einen ihrer Monteure, George Madox, herüber senden, womit wir uns, um wo möglich die Sache ohne Dazwischenkunft der Gerichte abzumachen, einverstanden erklärten.

Nach Ankunft des Monteurs wurde die Probe ganz so wie das erstemal vorgenommen, nur daß wir mehr Zeit darauf verwendeten, um verläßlicher beobachten zu können, ob und wie der Kasten vor dem Bruch seine Form verändern würde; denn daß das Endstück nicht allein durch die direct darauf wirkende Kraft der Presse abgerissen seyn konnte, war mir einleuchtend, sondern es mußten Seitenkräfte mitgewirkt haben, welche, wie sich nachweisen ließ, durch die Art der Verbindung des Preßcylinders mit dem offenen Ende des Preßkastens (durch Stangen, welche nur von jenem bis zu diesem, oder nur wenig darüber hinaus reichten) erzeugt werden konnten und die Biegung und den demnächstigen Bruch der Seitenwände veranlaßten.

Diese Erklärung des Unfalles vom ersten Preßkasten fand sich bei dem zweiten bestätigt, denn eine nach dem Lineal gerade Linie, welche ich eben auf eine der beiden Seitenwände gezogen hatte, krümmte sich desto mehr von innen nach außen, je mehr die Presse unter Druck kam, und als wir dem Maximum nahe waren, zeigte sich in jedem der Winkel der Seitenwände mit dem Endstück ein Sprung, so daß das Pumpwerk abgestellt werden mußte, wenn es nicht wieder einen förmlichen Bruch geben sollte.

Mit dieser unerfreulichen Botschaft wurde George Madox wieder nach London geschickt und zugleich der Firma J. Bramah und Söhne bedeutet: Herr Plump hoffe und erwarte, daß sie uns keine neuen Preßkästen senden würden, welche nicht vorher von ihnen mit der ganzen accordirten Kraft auf ihre Haltbarkeit probirt und gut befunden seyen, widrigenfalls sie für allen Schaden und Nachtheil, welcher schon aus den |425| nicht probehaltigen Kästen entsprungen sey und aus den neuen noch entspringen könne, verantwortlich gemacht werden würden.

Dieses hatte dann freilich den Erfolg, daß neue Preßkästen gesendet wurden mit der Verbesserung in der Construction, daß die Preßstangen vom Cylinder aus längs dem Preßkasten bis über das jetzt vorspringende Endstück hinaus durchgingen, darin eingelassen waren und durch die Köpfe der Stange nebst Splinten, Platten etc. festgehalten wurden. In dieser Verbesserung hatte ich keine Hand, weil George Madox nach der Probe des zweiten Preßkastens erklärte: „er wisse jetzt schon wie da zu helfen sey, müsse sich aber nicht darüber äußern.“ Auch in die neue Aufstellung mischte ich mich gar nicht, gab auch zu, daß der Freitag ein unglücklicher Tag sey und wir mit der neuen Probe bis Sonnabend warten mühten.

Wir warteten also bis dahin und an beiden Pressen fielen die Proben gut aus. Daß auch die Folger zu schwach waren, zeigte sich erst weiterhin in dem wirklichen Gebrauch der Pressen, deßgleichen daß die kupfernen gelötheten Röhren für die Dauer den ungewöhnlich hohen Druck nicht vertragen wollten. Aber neue stärkere Folger ließ ich auf dem Harze gießen und von Röhren waren die Herren Bramah so vorsichtig gewesen uns einigen Vorrath zu senden.

Auch deren Plan, gemahlenes Gut nur einmal mit ganzer Kraft zu pressen, mußte aufgegeben werden, indem der Andrang des Oeles durch die Preßsäcke nach den Löchern der Bleche des Preßkastens zu groß war, die Säcke sich hineinzwängten und bei deren Horizontalbewegung zu bald zerrissen, so daß Hr. Plump von der neuen Methode nichts mehr wissen wollte. Dieses Uebel ließ sich auch nicht durch die Gewebe von Pferdehaar, zwischen welchen die gefüllten Säcke eingeschlossen wurden, beseitigen. Wir kamen dann wieder auf die ältere Methode des zweimaligen Pressens zurück, nur mit dem Unterschied, daß das erstemal bloß unter den Walzen zerquetschte oder geschrotene Saat etwa mit halber Kraft gepreßt, darauf die Kuchen erst den folgenden Tag fein gemahlen und der zweiten Pressung mit ganzer Kraft unterworfen wurden, was den Säcken zuträglicher war.

Ob diese Preßmethode in Bremen beibehalten wurde und wie es sonst mit den Wasserpressen gieng, ist mir (da ich diese Stadt Ende 1822 verließ) nicht verläßlich bekannt geworden.

Dagegen wurden einige Jahre später unter meiner Mitwirkung von der Maschinenfabrik Friedrich Harkarth und Comp. zu Wetter an der Ruhr in Westphalen ein Paar solche Horizontalpressen sammt Maschinenpumpwerk für eine schon bestehende Oelmühle der Herren Müller |426| und Weichsel nach Magdeburg (1825) geliefert, welche durch Dampf betrieben wurden, wo aber die hydraulischen Pressen bloß zum Vorschlag von geschrotener Saat (zur Zeit 55 Berl. Pfund zu 5 Kuchen) gebraucht wurden und der Nachschlag, bestehend aus Kuchenmehl (10 Pfd. zu 3 Kuchen), durch die schon vorhandenen Keilpressen geschah.

Diese Preßmethode hatte sich während meines Aufenthaltes in Magdeburg des Beifalls der Herren Müller und Weichsel zu erfreuen; man hoffte auch sie beibehalten zu können, wenn erst größere Dampf-Wärmpfannen für den Vorschlag von Wetter angekommen und aufgestellt seyn würden, welches jedoch erst nach meinem Abgang geschehen seyn mag, indem mir darüber keine Nachricht mehr zukam.

Was nun nochmals und zuletzt die erste Construction der horizontalen Oelpressen anbelangt, so dürfte es nach dem von mir darüber Angeführten wohl keinem Zweifel unterliegen, daß sie von der Firma J. Bramah und Söhne ausgieng und Hr. Heinrich Plump in Bremen das erste Paar empfieng, welches aber erst in einer zweiten Auflage verbesserter Construction die Kraftprobe bestand und zur Arbeit zulässig befunden wurde, nach bedeutendem Zeitverlust eben nicht zu Hrn. Plump's und meinem Vortheil.

Brünn, im März 1865.

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