Titel: Unterschied zwischen gutem und schlechtem Faßpech; von Gustav Merz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 13 (S. 87–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi01_13

Unterschied zwischen gutem und schlechtem Faßpech; von Gustav Merz.

Die seit einiger Zeit eingetretene Erhöhung der Faßpechpreise hat die Benutzung mancher Pechsorte zum Auspichen der Bierfässer veranlaßt, welche streng genommen hierzu nicht verwendbar ist, insofern dadurch dem Biere ein sehr unangenehmer Geschmack |88| mitgetheilt wird. Da ich nach einer in dieser Angelegenheit von sachverständiger Seite geschehenen Anfrage nicht mehr annehmen kann, daß Allen bekannt sey, wie man die Güte eines Faßpeches in der erwähnten Hinsicht erkennt, so erlaube ich mir, folgende Erfahrung zu veröffentlichen.

Wenn man 2 bis 3 Loth einer guten Pechsorte pulvert und in der Kälte 24 Stunden lang mit dem etwa 7fachen Gewichte von 4procentigem Weingeiste stehen läßt, so erhält man durch Filtriren eine Flüssigkeit, welche Lackmuspapier nicht röchet, nicht kratzend und herbe, sondern nur schwach aromatisch schmeckt, nur sehr schwach riecht, ganz besonders aber durch eine Lösung von Bleiessig (basisch-essigsaurem Bleioxyd) gar nicht oder nur schwach weiß gefärbt wird. Behandelt man aber auf dieselbe Weise eine schlechte Pechsorte, so erhält man eine Flüssigkeit, welche Lackmuspapier stark röthet, kratzend und herbe schmeckt, sehr stark aromatisch riecht, besonders aber durch eine Lösung von Bleiessig einen starken gelben Niederschlag ausscheidet. Dampft man die auf erwähnte Weise bereiteten Auszüge ein, so ergibt sich auch ein Unterschied in der Quantität der aufgelösten Extractivstoffe; so fand ich, daß sich von gutem Peche nur 19/10000, von zwei schlechten Sorten dagegen 49/10000, bezüglich 83/10000 aufgelöst hatte.

Ich wählte einen 4procentigen Weingeist deßhalb, weil das Lagerbier als ein solcher betrachtet werden muß; es ist aber auch das reine Wasser, ferner auch der Speichel im Stande auf das Pech ganz ähnlich einzuwirken, und hierauf gründet sich die einfachste Prüfung des Faßpeches, welche allerdings einige Uebung im Schmecken voraussetzt. Kauet man ein kleines Stück Pech, bis dasselbe erweicht ist, so nimmt man einen reinen aromatischen Geschmack wahr, falls das Pech ein gutes ist, dagegen einen säuerlichen, herben und kratzenden Geschmack, wenn das Pech zum Auspichen der Bierfässer untauglich ist. (Deutsche Industriezeitung, 1864 S. 456.)

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