Titel: Ueber die Unterscheidung des Porzellanthons (Kaolin) von gewöhnlichen Thonarten; von Dr. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 8 (S. 85–86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi01_8

Ueber die Unterscheidung des Porzellanthons (Kaolin) von gewöhnlichen Thonarten; von Dr. Elsner.

Da im Handel nicht allein geschlämmte Porzellanerden (Kaoline, Porzellanthon), sondern auch weiße geschlämmte Thonarten überhaupt vorkommen, welche letztere, statt Kaolin, bekanntlich zur Porzellanfabrication nicht verwendet werden können und doch im Aeußeren große Aehnlichkeit mit den Porzellanthonen besitzen, so ist ein leicht auszuführendes Verfahren sehr wünschenswerth, die Porzellanthone von den anderen Thonarten unterscheiden zu können.

Nachstehender Weg hat sich mir bei meinen vielfach in dieser Hinsicht angestellten Versuchen am zweckmäßigsten bewährt. Die Proben müssen, wenn sie nicht etwa schon im geschlämmten Zustande sich befinden, geschlämmt, d.h. von beigemengten Quarztheilchen befreit werden; die geschlämmten Proben werden in Porzellanschälchen bei 100°C. getrocknet.

Von den trockenen geschlämmten Proben, wobei vorausgesetzt wird, man habe eine Porzellanthon-Probe und eine gewöhnliche (weiße) Thonprobe zu untersuchen, werden gleiche Volumina in Reagensgläschen geschüttet und dieselben mit ihrem etwa 4 bis 6fachen Volumen chemisch reiner concentrirter Schwefelsäure übergossen und damit so lange umgeschüttelt, bis das Ganze ein gleichförmiges Gemisch darstellt. Man läßt nun die Mischung so lange ruhig, sich selbst überlassen, stehen, bis ein Bodensatz entstanden |86| ist, über welchem eine klare Flüssigkeit steht; schon hierbei unterscheidet sich das Verhalten des Porzellanthons von dem gewöhnlichen Thone, denn bei ersterem findet die Absonderung des Niederschlages und die Klärung des Gemisches weit später statt als bei den gewöhnlichen Thonsorten; nach völliger Klärung der über dem Bodensatze stehenden Flüssigkeit wird dieselbe vorsichtig in ein Becherglas gegossen und jede derselben für sich mit ihrem 4- bis 6fachen Volumen destillirten Wassers vorsichtig verdünnt; nach völligem Erkalten der Mischungen werden dieselben, natürlich jede für sich, mit Aetzammoniakflüssigkeit (Salmiakgeist) übersättigt, wo nun, wenn die untersuchte Probe Porzellanthon (Kaolin) war, sofort ein zarter weißer Niederschlag entsteht, was bei den auf gleiche Weise behandelten Thonproben nicht der Fall ist (außer einer erst weit später erfolgenden Ausscheidung von zartem Eisenoxyd).

Der Grund dieses Verhaltens liegt wohl in der feineren Zertheilung der durch allmähliche Zersetzung primitiver Gebirgsarten (und des Feldspaths) entstandenen Porzellanthone, welche daher schon bei gewöhnlicher Temperatur (12 bis 15°C.) durch die concentrirte Schwefelsäure angegriffen werden, was bei den gewöhnlichen Thonen erst bei Erwärmung des Gemisches derselben mit Schwefelsäure stattfindet; hiernach ist es auch erklärlich, daß die Mischung der Porzellanthone mit concentrirter Schwefelsäure sich weit später klärt als die mit den gewöhnlichen Thonarten, denn bei den Porzellanthonen scheidet sich, während Thonerde sich auflöst, Kieselsäure in sehr fein zertheiltem Zustande aus, welche die schnelle Absonderung des Bodensatzes verzögert, was bei der Behandlung der gewöhnlichen Thonarten mit Schwefelsäure nicht stattfindet, daher sich letztere schneller aus dem Gemische absondern und auch die Klärung des Gemisches in diesem Falle schneller stattfindet.

Die so eben angegebene Unterscheidung der Kaoline von anderen Thonarten (ich meine besonders hierbei die feuerbeständigen Thone) hat mir zuverlässigere Resultate ergeben, als die sonst zu demselben Zwecke vorgeschlagene Prüfung mittelst Kalilauge.

(Aus des Verf. chemisch-technischen Mittheilungen des Jahres 1863–64, S. 195.)

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