Titel: Ueber eine in Schottland gebrauchte Ziegelmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 1 (S. 163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi02_1

Ueber eine in Schottland gebrauchte Ziegelmaschine.

In der berühmten chemischen Fabrik von Tennant zu St. Rollox bei Glasgow wurde mir eine nur für den eigenen Bedarf der Fabrik beschäftigte Ziegelmaschine gezeigt, welche so nett arbeitet, daß sie wohl beschrieben zu werden verdient.

Zu ihr gehört zunächst eine Thonmühle, bestehend aus einem Kollergange mit einer eigenthümlichen Gußeisenplatte statt Bodensteins. Sie ist 6–7 Fuß im Durchmesser, mit einer Zarge von 3/4 Fuß Höhe versehen und durchbrochen von feinen Schlitzen, welche radial von dem Centrum nach der Peripherie hin dicht nebeneinander laufen. Die Läufersteine haben nicht viel über 1 Fuß Dicke und 3 Fuß Durchmesser. Indem der Thon gemahlen wird, siebt er sich zugleich durch die Schlitze der Bodenplatte und fällt in einen unten angebrachten Behälter. Von da wird er durch einen Elevator in die Höhe gehoben, in einer Holzröhre durch eine archimedische Schraube bis über die Ziegelmaschine geführt und fällt dann in einen Holztrichter mit Rührwerk, welcher die Maschine speist.

Der Haupttheil der Ziegelmaschine selbst ist eine horizontale kreisrunde Scheibe von Gußeisen, von ungefähr 7 Fuß Durchmesser und 7–8 Zoll Dicke, welche sich um eine senkrechte Achse dreht. Rings am Rande herum sind in ihr 14 länglichviereckige Löcher angebracht, welche mit Rothgußmetall ausgekleidet sind und im Lichten genau die Länge und Breite eines Ziegels haben. Der Boden dieser Formen wird von einem lose darin beweglichen, 6 Zoll dicken Gußeisenstücke gebildet. Unter dieser Scheibe läuft, parallel mit ihrem Rande, ein gußeiserner Kranz, auf welchem die Bodenstücke aufruhen, da sie sonst natürlich aus den Formen herausfallen würden. Die Entfernung der Oberseite dieses Kranzes von der Unterseite der Scheibe ist so groß, daß die Bodenstücke, welche auf ihm aufruhen, noch einen Raum von 6 Zoll Tiefe bis zur Oberfläche der Scheibe für den Thon freilassen. Diese 6 Zoll werden auf 3 Zoll zusammengepreßt. Nachdem sich nämlich die Form durch den Trichter mit Thon gefüllt hat, kommt sie beim Umdrehen der Scheibe sofort über eine hydraulische Presse, welche das bewegliche Bodenstück und damit den Thon gegen einen an dieser Stelle über der Scheibe fest angebrachten Klotz anpreßt. Gerade gegenüber der ersten Presse wird es noch einmal eingepreßt, aber nicht so stark, als das erstemal, und darauf der Ziegel aus der Form herausgedrückt, indem der untere Kranz an dieser Stelle ansteigt, und die Bodenstücke sich somit heben; alsdann ist der Ziegel sofort fertig, um in den Brennofen zu kommen, von welchen drei vorhanden sind. Mit dieser Maschine kann man täglich 9000 Ziegeln aus dem rohen Thone bis zum Brennen fertig machen. Dr. Lunge. (Breslauer Gewerbeblatt, 1865. Nr. 1.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: