Titel: Ueber das größere specifische Gewicht des Bessemer-Metalles im Vergleich mit den anderen Eisensorten und über die besondere Verwendbarkeit des weicheren Bessemer-Metalles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 4 (S. 165–166)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi02_4

Ueber das größere specifische Gewicht des Bessemer-Metalles im Vergleich mit den anderen Eisensorten und über die besondere Verwendbarkeit des weicheren Bessemer-Metalles.

Bei einem Besuch des Eisenwerks zu Store bei Cilli (Steiermark) wurde Sectionsrath Tunner von dem dortigen Werksdirector Hrn. Frey darauf aufmerksam gemacht, daß das Bessemer-Metall ein größeres specifisches Gewicht haben müsse, als für Eisen und selbst für Stahl gewöhnlich angenommen wird. Tunner, der den Gegenstand weiter zu verfolgen sich veranlaßt sah, theilt nun in dem Steiermarker Gewerbeblatt Folgendes darüber mit:

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Bekanntlich ist das spec. Gewicht des Roheisens 7,1 bis 7,5, des Stahles 7,7 bis 7,85 und des Stabeisens 7,5 bis 7,85. So wie das Roheisen entschieden leichter als der Stahl ist, sollte auch der Stahl leichter als das Stabeisen seyn. Daß dieses aber häufig nicht der Fall ist, liegt theils in der verschiedenen mechanischen Bearbeitung und den verschiedenen Temperaturgraden, in welchen die Bearbeitung vorgenommen wurde, theils in den verschiedenen Temperaturverhältnissen, denen die bearbeiteten Stücke hinterher ausgesetzt waren, und theils endlich in den mechanischen Beimengungen, namentlich von Schlacken und Eisenoxydaten, von denen besonders das Puddlingseisen, weniger das Herdfrischeisen, stets mehr oder weniger enthält. Das Bessemer-Eisen, welches dünnflüssig aus dem Ofen kommt und längere Zeit in diesem Zustande ruhig verbleibt, muß offenbar rücksichtlich der mechanischen Beimengungen das reinste weiche Eisen seyn. Unter sonst gleichen Verhältnissen bezüglich der Temperatureinflüsse und der mechanischen Bearbeitung muß demnach das weiche Bessemer-Eisen unter allen Eisensorten das größte spec. Gewicht haben. Auf das größere spec. Gewicht, die größere Dichte, weist bei dem Bessemer-Eisen auch der Umstand hin, daß dasselbe bei gleicher Härte mit gewöhnlichem Schmiedeeisen auffallend steifer ist als dieses. Ingleichen erklärt sich daraus die größere absolute Festigkeit des Bessemer-Eisens im Vergleich mit anderem Schmiedeeisen von demselben Härtegrad, worüber in Storé directe Versuche ausgeführt worden sind. Möglich, wiewohl nicht absolut nothwendig, ist, daß mit dieser größeren Widerstandsfähigkeit des Bessemer-Eisens eine vermehrte Brüchigkeit bei Biegungen und Stößen verbunden ist.

Um eine genaue Bestimmung des spec. Gewichts vorzunehmen, hat Tunner von Store ein größeres, auf 2 1/4 Zoll im Durchmesser geschmiedetes und gewalztes, abgedrehtes und polirtes Stück des weicheren Bessemer-Metalles (Härte Nr. VI) mitgenommen, welches an der Leobner Bergakademie untersucht, ein spec. Gewicht von 7,865 ergab, also in der That ein größeres spec. Gewicht hat als bisher an irgend einer Eisensorte gefunden worden ist und wobei angenommen werden muß, daß dasselbe bei einer weiteren mechanischen Bearbeitung des Stückes noch größer geworden wäre. Obgleich diese besondere Eigenschaft des weicheren Bessemer-Metalles, bei dessen wichtigster Verwendung, d. i. im Maschinenwesen und für Bauten, sich mit verwerthen wird, so soll hier zunächst doch die Aufmerksamkeit auf die vorzügliche Tauglichkeit dieses neuen Materiales für solche Verwendungen gelenkt werden, bei denen ein möglichst schlackenfreies Eisen von vorzüglichem Werthe ist. Zu solchen Verwendungen zählen: die Erzeugung von Weißblechen, Dachblechen, Schiffsblechen, Kesselblechen, von Eisendrähten, polirten Eisenwaaren, Kattundrucker-Walzen u. dergl. m. Während das härtere Bessemer-Metall die Concurrenz mit den Guß- und Gerbstahlsorten nur allein durch billigere Preise bestehen kann, wird sich bei dem weicheren voraussichtlich auch die bessere Qualität Geltung verschaffen. (Berggeist, 1865, Nr. 4.)

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