Titel: Darstellung von Thallium aus den Unterharzer Zinkvitriollaugen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 4 (S. 244–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi03_4

Darstellung von Thallium aus den Unterharzer Zinkvitriollaugen.

Die zur Herzog Juliushütte am Unterharze durch einmalige Röstung und Auslaugung der zinkblendereichen Rammelsberger Bleierze (Braunerze) erhaltenen Zinkvitriollaugen von 1,441 spec. Gewicht bei 240 C. sind nach Bunsen so reich an Thallium, daß man dieses Metall pfundweise daraus gewinnen kann, zumal |245| Tausende von Centnern von dieser Lauge zu Gebote stehen. Nach Dr. Neuhoff besitzen 100 Gewichtstheile dieser Lauge folgende Zusammensetzung:

schwefelsaures Zinkoxyd 21,740
Manganoxydul 8,230
Magnesia 0,717
Kali 0,581
Cadmiumoxyd 0,536
Natron 0,443
Eisenoxydul 0,386
Kupferoxyd 0,285
Kalk 0,075
Thonerde 0,060
Bleioxyd 0,008
Lithion Spur
arsenige Säure Spur
Antimonoxyd Spur
Phosphorsäure Spur
Chlorthallium 0,050
wasserhaltige Schwefelsäure 0,119
Chlorwasserstoffsäure 0,009
Wasser 66,761
–––––––
100,000

Die Ausziehung des Thalliums geschieht nach Bunsen dadurch auf die einfachste Weise, daß man mittelst eines Zinkbleches Kupfer, Cadmium und Thallium aus der kalten Lösung ausfällt, das Metallpulver rasch abspült, in einem Spitzbeutel von Wollenzeug wenige Minuten auswäscht und den Niederschlag mit Wasser, dem man von Zeit zu Zeit etwas Schwefelsäure zusetzt, digerirt. Dabei lösen sich unter Wasserstoffentwickelung Thallium und Cadmium leicht auf, während Kupfer zurückbleibt. Aus der Lösung fällt man mittelst Jodkaliums chemisch reines gelbes Jodthallium aus, welches durch Decantiren ausgewaschen wird, und aus der zurückbleibenden Cadmiumlösung das Cadmium durch Zinkblech. 1 Kubikmeter Lauge gibt in wenigen Tagen, indem sich 7,4 Kilogr. Zink lösen, 6,4 Kil. schwammigen Niederschlag, welcher 4,2 Kil. Cadmium, 1,6 Kil. Kupfer und 0,6 Kil. Thallium enthält.

Aus der schwefelsauren Lösung des Cadmiums und Thalliums erfolgen durch 0,5 Kil. Jodkalium 0,97 Kil. Jodthallium. Aus der schwefelsauren Lösung läßt sich das Thallium auch als Chlorverbindung niederschlagen, aber es bleibt dann immer noch ein nicht unbedeutender Theil davon im durch Zink abgeschiedenen Cadmium. Auch läßt sich aus der rohen Lauge direct durch Jodkalium Jodthallium fällen, wenn man zur Löslicherhaltung des Kupfers eine hinreichende Menge unterschwefligsaures Natron zusetzt. In diesem Falle wird aber der Betrieb der Vitriolgewinnung durch die angewandten Reagentien erheblich gestört. (Im Auszuge aus den Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CXXXIII S. 108.)

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