Titel: Ueber die Blandin'sche Schmiervorrichtung für Maschinenwellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 2 (S. 320–321)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi04_2

Ueber die Blandin'sche Schmiervorrichtung für Maschinenwellen.

Ueber diese Schmiervorrichtung, welche unter dem Namen des Verkäufers (der Firma: Carl Gessert in Elberfeld) im polytechn. Journal Bd. CLXXIII S. 93 nach einer beigegebenen Abbildung beschrieben wurde, hat die Redaction des „Monatsblatts des hannoverschen Gewerbevereins“ Erkundigungen an solchen Stellen eingezogen, wo man diesen Apparat bereits benutzt und theilt im Nachstehenden die Ergebnisse ihrer Forschungen mit:

„Während des Gebrauches erfordert der Apparat nur spärliche Aufsicht, indem man alle acht Tage mit den Fingern oder einem passenden Spatel das Fett in dem Gefäße niederzudrücken bemüht seyn muß, um hohle Räume zu beseitigen. Eventuell wird etwas Fett nachzufüllen seyn.

Die Wirkungsart dieses Apparates wird verschiedentlich unter Bezugnahme auf Luftdruckwirkung u.s.w. erklärt. Ohne uns auf diese unsicheren Erklärungen einzulassen, können wir glaubhaft bestätigen, daß damit außerordentliche Ersparnisse im Schmiermaterial auch bereits hier (in Hannover) in mehreren Fabrik-Etablissements erreicht wurden. Die Zeit der hiesigen Versuche war bisher nicht ausreichend, um die Resultate in endgültigen Zahlen vorführen zu können; es möge daher nur erwähnt seyn, daß Versuche, welche in Borsig's Eisenwerk zu Moabit bei Berlin angestellt wurden, ergaben:

  • 1) Bei einem Ventilator mit 11–1200 Umdrehungen per Minute stellte sich der |321| Schmierverbrauch bei diesem Apparate im Verhältniß zu der früheren Oelschmierung dem Gewichte nach heraus wie 10 zu 318,75.
  • 2) Bei der Transmission der Drehwerkstatt stellte sich jener Verbrauch wie 319 zu 1760, welches Verhältniß sich jedoch später insofern noch viel günstiger gestalten wird, als die fragliche Schmiere kaum zur Hälfte consumirt war.
  • 3) Bei einem Kollergang in der Ziegelfabrik fand man das Verbrauchsverhältniß wie 11,3 zu 127,5, wobei ebenfalls mehr als die Hälfte der Blandin'schen Schmiere noch nicht verbraucht war.
  • 4) Bei einer 300pferdekräftigen Dampfmaschine, deren Schwungradwelle 14 Zoll im Durchmesser hält und mit nahezu 65,000 Pfund belastet ist, bewährte sich der fragliche Schmierapparat vortrefflich, ohne daß das Verbrauchsquantum näher constatirt wurde.

Andererseits wird in der deutschen illustrirten Gewerbezeitung angeführt, „daß zum Schmieren der Achsen eines Ventilators, der innerhalb einer gewissen Zeit 100 Loth Baumöl consumirte, für denselben Zeitraum 3,8 Loth der Blandin'schen Schmiermasse genügte, welches Ersparniß dem Geldwerthe nach auf 93 Proc. sich beläuft; ähnlich günstige Resultate sind mehrfach constatirt.“

Das zu diesem Schmierapparat verwendbare Original-Schmiermaterial wird als Huile d'olives, de Malagra sous la forme concrète frigorique bezeichnet. Dasselbe besitzt offenbar eine große Schmierfähigkeit und läßt sich, wie alle Mischungen von organischen Stoffen; in seiner Zusammensetzung durch Analysen nicht leicht und sicher erkennen. Es scheint indeß, daß man auch andere Mischungen von Talg und gutem Oel in Anwendung bringen kann, um ähnliche günstige Resultate zu erhalten, sobald nur die richtige Consistenz der Masse getroffen wird.

Nach einem uns vorliegenden Preiscourante wird die Originalschmiere von Gebr. Heucken u. Comp. in Aachen zu 275 Francs per 100 Kil., d. i. 11 Sgr. per Zollpfund, verkauft, während man dieselbe aus Berlin für 10 Sgr. das Pfund beziehen kann.

Der Klempnermeister B. Rühmkorff in Hannover (Schillerstraße Nr. 23) liefert solche Apparate zu sehr mäßigem Preise und dazu geeignete bewährte Schmiere, wovon das Pfund 7 1/2 Groschen kostet.“ (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins, 1864, Nr. 9 und 10.)

Nach der im vorhergehenden Heft dieses Journals S. 243 mitgetheilten Untersuchung von Dr. R. Hoffmann besteht das Material zum Füllen der Blandin'schen Vorrichtung, das sogenannte „Olivenöl von Malaga in fester kalter Form“ in 100 Gewichtstheilen aus: 65 Theilen reinem Fett, 11 Theilen wasserfreier Seife und 24 Theilen Wasser. Die Red. d. p. I.

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