Titel: Zugutemachung von Eisenfrischschlacken durch Erzeugung von Schlackenkohks.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 4 (S. 404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi05_4

Zugutemachung von Eisenfrischschlacken durch Erzeugung von Schlackenkohks.

Die Schlacken vom Eisenfrischen, Puddeln, Schweißen u.s.w. mit 40–70 Proc. Eisen lassen sich bekanntlich mit anderen Eisenerzen im Hohofen nur in gewissen Verhältnissen verschmelzen, weil sie sonst ein kohlenstoffarmes weißes, silicium- und phosphorreiches Roheisen von minderer Qualität geben. Dieß liegt darin, daß die der Eisenstein-Beschickung beigemengten Schlacken schon bei 500° C. zu schmelzen beginnen und dann die Reductions- und Kohlungszone so rasch im flüssigen Zustande durcheilen, daß sie im geschmolzenen Zustande in's Gestell gelangen. Etwas über der Form vereinigt sich dann ein Theil der Schlacke mit der Normalschlacke, macht diese eisenreich und zur Entkohlung des Roheisens sehr geneigt. Ein anderer Theil der Schlacke wird in Berührung mit dem glühenden Kohlenstoff bei der hohen Temperatur zu Silicium- und Phosphoreisen reducirt und dieses verunreinigt dann das Roheisen. Minary und Soudry haben nun durch Versuche nachgewiesen, daß Eisenfrischschlacken, längere Zeit bei nicht zu hoher Temperatur reducirenden Agentien ausgesetzt, metallisches Eisen geben, ohne daß sich die Kieselsäure reducirt, und darauf nachstehende Zugutemachungs methode basirt. Die sehr fein gepochten Schlacken werden mit gepulverten, etwas fetten Steinkohlen in Verkohkungsöfen erhitzt, wobei durch die Verkohkungsgase das Eisenoxydul reducirt und das Eisen durch die Kohlenwasserstoffgase theilweise gekohlt wird. Kieselsäure bleibt unzersetzt und muß demnächst durch entsprechende Vermehrung des Kalkzuschlags beim Beschicken verschlackt werden. Phosphor und Schwefel entweichen zum größten Theile im Zustande von Phosphor- und Schwefelwasserstoff. Durch überzeugende Experimente haben die Genannten dargethan, daß diese Reactionen wirklich stattfinden. Damit hinreichend zusammenhängende Kohks entstehen, darf man den Schlackenzusatz zu den Steinkohlen nicht über eine gewisse Grenze steigern. Sehr gute Resultate erhielt man zu Givors bei V. Picard, Kohksfabrikanten, bei einem Verhältniß von 40 Proc. Schlacken und 60 Proc. mittelfetten Steinkohlen, wo dann die Kohks 20 bis 25 Proc. gekohltes Eisen enthalten. Bei einem Verhältniß von 62 : 38 würden die Verkohkungsgase zur Reduction der Schlacke noch hinreichen. Werden solche Schlackenkohks wie gewöhnliche Kohks in Eisenhohöfen angewandt, so schmilzt das gekohlte Eisen früher aus, als die beigemengte Kieselsäure sich reduciren kann. Bei Anwesenheit einer hinreichenden Kalkmenge wird dieselbe vor der Reduction verschlackt. Man erhält unter diesen Umständen ein gutes graues Roheisen und spart gegen die Anwendung der rohen Schlacken im Hohofen bedeutend an Brennmaterial. Während im ersteren Falle auf 100 Roheisen 130–140 Kohks gehen, braucht man in letzterem nur unbedeutend davon. Auch hat die Erfahrung gezeigt, daß sich bei Anfertigung von Schlackenkohks das Ausbringen beim Verkohlen vermehrt hat, indem der bei der Verkohkung entstehende Wasserstoff sich mit dem Sauerstoff des oxydirten Eisens und nicht mit Kohlenstoff verbindet. Es können solche Schlackenkohks auch vortheilhaft beim Bleierzschmelzen angewandt werden, wo dann, wie z.B. auf der Bleihütte von Piellat zu Vienne, das Eisen den Bleiglanz zerlegt. (Auszugsweise aus der Revue universelle des mines, 1864, t. XVI p. 582, in der berg- und hüttenmännischen Zeitung.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: