Titel: Mittel gegen die Zerstörung der Holzschnitzereien durch Insecten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 175/Miszelle 11 (S. 482–483)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj175/mi175mi06_11

Mittel gegen die Zerstörung der Holzschnitzereien durch Insecten.

Es war in England häufig vorgekommen, daß Holzschnitzereien schon nach wenigen Jahren durch Insecten völlig zerstört waren; ja wenn diese Thierchen zu einem oder dem anderen Gegenstand besondere Zuneigung gefaßt hatten, gieng die Zerstörung noch schneller. Demzufolge war eine Commission niedergesetzt, deren Aufgabe es war, die Ursachen der Zerstörung festzustellen und Mittel zur Abhülfe vorzuschlagen, und wir entnehmen dem Commissionsbericht, welchen das Mechanics' Magazine mittheilt, Folgendes:

Das Insect, welches am meisten zerstörend wirkt und die Möbel und andere Holzschnitzereien in allen Richtungen durchbohrt, gehört in das Genus Anobium, dasselbe Genus, welches auch den Bibliotheken so gefährlich wird. In der Bodleian-Bibliothek hatte dieses Insect schon früher großen Schaden gethan, wovor man sich später in der Weise schützte, daß man die beschädigten Bücher in Glaskästen schloß und Schälchen mit Benzin hinein stellte. Das Insect kann den Geruch des Benzins nicht vertragen, und sobald die Bücher damit imprägnirt sind, sterben die Insecten, sowie die Larven und die Eier, und das Insect kommt in die so behandelten Bücher nie wieder hinein. Bei den Möbeln und Holzschnitzereien wendet man dasselbe Mittel an. Eine Tränkung des Holzes mit Benzin wäre einfacher, doch diese läßt sich wohl bei neuem Holz anwenden, nicht aber |483| bei fertigen Möbeln. Die Möbeln und andere Schnitzereien, die schon sehr von den Angriffen der Insecten gelitten hatten, wurden in verschließbare Räume gebracht und bei der Wärme des Sommers Schalen mit Benzin hinein gestellt. Wenn eine Portion Benzin verdampft ist, muß eine neue Portion aufgegossen und diese Operation so oft wiederholt werden, bis man größere Mengen todter Insecten oder Larven im Zimmer findet. Die Tödtung dauert einige Wochen bis Monate und man kann durch diese sehr geringe Mühe kostbare Meublements erhalten. Man hat statt Benzin auch Kreosot, Carbolsäure und Chloroform versucht, aber diese Körper haben nicht die guten Resultate gegeben wie Benzin. Nachdem diese Thatsache festgestellt war, war es wichtig zu ermitteln, ob es nicht ein Mittel gibt, neue Holzschnitzarbeiten so zu schützen, daß der Wurm nie hinein kommt. Es wird von der Commission vorgeschlagen, die Gegenstände mit einem Ueberzug von Leim zu versehen, weil der Leim thierischen Ursprungs ist, und es erfahrungsmäßig feststeht, daß das Insect nur von Vegetabilien lebt und alle Körper thierischen Ursprungs unberührt läßt. Um den Leimüberzug wirksamer zu machen, kann man auf 1 Quart der Leimlösung noch 2 Grm. Quecksilberchlorid lösen. Wenn es sich darum handelt, Schnitzereien wieder herzustellen, die so sehr von den Angriffen des Insectes gelitten haben, daß sie aus einander zu fallen drohen, schlägt die Commission folgendes Verfahren als geeignet vor. Die einzelnen Stücke des schon aus einander gefallenen Gegenstandes werden mit einer starken Auflösung von Quecksilberchlorid in Wasser getränkt, und nach dem Trocknen, wenn alle Insecten und Larven getödtet sind, werden dieselben mit einer starken Leim- oder Harzlösung imprägnirt, die dazu bestimmt ist, die Gänge, welche das Insect gebohrt hat, auszufüllen und den geschnitzten Gegenständen wieder Festigkeit zu geben. Die einzelnen Stücke werden dann wieder zusammengesetzt, so daß der Gegenstand sich dem Auge als wieder hergestellt darbietet, was für Liebhaber von Alterthümlichkeiten genügend ist. War der ursprüngliche Gegenstand gemalt, so geht die Farbe bei dieser Behandlung verloren, da man noch kein Mittel gefunden hat, welches das Insect vernichtet, aber die Farben nicht angreift. Benzin wäre ein solches Mittel, aber dasselbe ist nicht ausreichend, um Möbel zu schützen, bei denen die Zerstörung bereits einen hohen Grad erreicht hat. (Deutsche illustrirte Gewerbezeitung, 1865, Nr. 4.)

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